Antholz

Medaillenloses WM-Finale: Biathleten dennoch zufrieden

Denise Herrmann       -  Zwölfte trotz sieben Strafrunden beim Massenstart: Denise Herrmann.
Zwölfte trotz sieben Strafrunden beim Massenstart: Denise Herrmann. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Denise Herrmann wusste nach ihrem verpatzten WM-Finale gar nicht so richtig, was passiert war. Und auch die deutschen Biathleten um Olympiasieger Arnd Peiffer schossen sich wenig später im Massenstart aus den Medaillenrängen:

Das Happy End für das deutsche Team am Final-Sonntag der Weltmeisterschaften im italienischen Antholz blieb aus. Einen Tag nach Silber und Bronze in den Staffeln waren Franziska Preuß als Achte und Johannes Kühn am Sonntag auf Rang zehn beste Deutsche.

„Schande auf mein Haupt. Wie man so leichtfertig eine bessere Platzierung aus der Hand geben kann, ärgert mich ungemein”, sagte Herrmann nach Platz zwölf und sieben Fehlern. Während Marte Olsbu Röiseland mit ihrem fünften Gold und sieben Medaillen in sieben Rennen Historisches schaffte, krönte sich ihr norwegischer Kollege Johannes Thingnes Bö zum letzten Weltmeister von Südtirol.

Damit stehen als deutsche WM-Bilanz vier Silber- und eine Bronzemedaille zu Buche. Die Vorgabe von Bundestrainer Mark Kirchner wurde erfüllt - das Fazit ist positiv. „Die WM war trotzdem sehr, sehr gut”, sagte Herrmann, die Silber in der Verfolgung gewann und wie Vanessa Hinz (Einzel und Staffel) sowie Franziska Preuß (Staffel und Single Mixed) mit zwei Mal Silber nach Hause fährt.

Damit waren die Damen erfolgreicher als die vorher deutlich höher eingeschätzten Männer. Fakt ist aber auch: Für das gesamte deutsche Team gab es erstmals seit 2013 keinen WM-Titel. Und die Männer holten erstmals seit 2016 keine Einzelmedaille, verhinderten mit Staffel-Bronze nur mit Mühe ihre erste medaillenlose WM seit 1969.

Von Magdalena Neuner gab es aber ein dickes Lob für die Leistungen ihrer Nachfolgerinnen. „Das war eine gute WM. Bei den Männern war aber vielmehr drin”, sagte die Rekord-Weltmeisterin. Die goldenen Zeiten im deutschen Biathlon, „wo immer jemand abgeräumt hat”, sind für die ARD-Expertin dennoch vorbei. „In der Vergangenheit wurden wir verwöhnt. Jetzt ist Normalität eingekehrt.”

Als Gewinner der WM dürfen sich vor allem Vanessa Hinz mit ihrer ersten WM-Einzelmedaille („Ein Traum ist wahr geworden), Franziska Preuß nach einer erneuten Seuchensaison mit Krankheitsausfällen, Philipp Horn sowie Erik Lesser fühlen. Der 31-Jährige war ohne WM-Norm nominiert worden und fährt nun mit Silber in der Single-Mixed und Bronze in der Staffel nach Hause. Horn überzeugte bei seinem WM-Debüt als Sprint-Achter und einer bärenstarken Staffelleistung, als er Frankreichs Star Martin Fourcade unbeeindruckt Paroli bot.

Enttäuscht hingegen dürfte trotz der Staffel-Plakette Benedikt Doll sein, denn er vergab im Teamrennen beim letzten Schießen nicht nur das mögliche Gold, sondern auch noch Silber. Und auch in den Einzelrennen war der vor der WM als Medaillenkandidat gehandelte Schwarzwälder am Schießstand überhaupt nicht zurecht gekommen. „Ich hatte mir schon mehr vorgenommen”, sagte Doll: „Der Kampf um die Medaillen war nicht sehr erfolgreich.”

Zudem klafft bei den Damen hinter Herrmann, Preuß und Hinz eine große Lücke, die nur schwer zu schließen sein wird. Bei den Männern sieht es mit Athleten wie Horn besser aus. Eine weitere Erkenntnis: Anders als die Laufleistungen sind die Schießresultate der Deutschen im Vergleich zu anderen Top-Nationen wie Norwegen und Frankreich in diesem Winter nicht so stabil - im Massenstart schossen die acht Starter insgesamt 36 Fehler. Dennoch sieht der Sportliche Leiter Bernd Eisenbichler kein Schießproblem. Man werde die Saison genau analysieren und dann schauen, „wer uns punktuell in verschiedenen Dingen helfen kann”, sagte er. „Man muss die Augen immer offen halten, wo man sich punktuell Stimuli holen kann.”

Überschattet wurden die Titelkämpfe durch die Doping-Razzia am vorletzten WM-Tag beim russischen Sprint-Weltmeister Alexander Loginow. Am Samstagmorgen wurde das Hotelzimmer des 28-Jährigen durchsucht, der bis 2016 wegen Epo-Dopings für zwei Jahre gesperrt war. Nach seinem starken Staffelauftritt verzichtete Loginow am Sonntag aus psychologischen Gründen auf den Massenstart. „Ich hoffe einfach, dass sich keine Verdachtsfälle erhärten”, sagte Peiffer.

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