FUSSBALL: 2. BUNDESLIGA

Nürnberger Krise verschärft sich in Bochum

VfL Bochum - 1. FC Nürnberg
Nürnbergs Torwart Benedikt Willert kann das 0:3 nicht verhindern. Bochums Manuel Wintzheimer (links), der aus Arnstein kommt, darf gleich jubeln. Foto: Marcel Kusch, dpa

Ist Damir Canadi der richtige Trainer für den 1. FC Nürnberg? Diese Frage wird in den nächsten Tagen noch intensiver diskutiert werden und auch Sportvorstand Robert Palikuca wird sie sich nun stellen müssen. Mit der 1:3 (0:3)-Niederlage im Zweitliga-Spiel beim VfL Bochum setzte sich die sportliche Club-Krise am Montagabend fort. Konzeptlos, ungeordnet und ohne den letzten Biss ergab sich die nun seit fünf Pflichtspielen sieglose Mannschaft in den entscheidenden Minuten vor der Pause in ihr Schicksal.

Die Positionen, für die es im Vorfeld gewaltige Besetzungsprobleme gab, wurden dem Club vor 12 000 Zuschauern im Vonova-Ruhrstadion zum Verhängnis. Torwart Benedikt Willert patzte bei den Gegentreffern zwei und drei. Der nach dem Ausfall von Enrico Valentini und Oliver Sorg zum Rechtsverteidiger umfunktionierte Lukas Jäger sah in der Entstehung der beiden Tore durch mangelndes Stellungsspiel ebenfalls sehr schlecht aus.

Das Nürnberger Torwart-Pech ist unglaublich. Nach Christian Mathenia (Knieschreibenbruch), Patric Klandt (Achillessehnenriss) und Jonas Wendlinger (Schambeinentzündung) musste tatsächlich auch Andreas Lukse passen. Für den nominellen Schlussmann Nr. 2 reichte es wegen eines fiebrigen Infekts im Ruhrstadion gerade noch für die Bank. So kam der erst 18-jährige Willert, in Forchheim geboren und normalerweise Schlussmann der U 21, zu seinem Zweitliga-Debüt.

Der Club erwischte den besseren Start, zeigte flüssige Angriffe und hatte durch Michael Frey im Nachschuss die Chance zum 1:0 (6.), geriet aber in Rückstand. Nach einem Tackling von Hanno Behrens, das nicht genug energisch war, tankte sich Bochums Linksverteidiger Danilo Soares durch und ließ Willert keine Chance (10.). Danach erlahmte der Nürnberger Elan von Minute zu Minute mehr, die Spieleröffnung wurde gegen nun gut stehende Bochumer immer ratloser. Nicht gut für den FCN: Johannes Geis agierte alleine auf der Sechserposition und begnügte sich daher fast ausschießlich mit Defensivarbeit.

Mit einer Fußabwehr verhinderte Willert gegen den durchgebrochenen Chung-Yong Lee noch das 0:2, doch gegen die bissigeren Bochumer kam es kurz vor der Pause knüppeldick. Der unter Canadi zum Stammspieler avancierte Jäger verursachte ungelenk einen Freistoß, den der Ex-Nürnberger Danny Blum scharf hereinbrachte. Jungtorwart Willert ließ den Ball prallen, Simon Lorenz bedankte sich mit dem 2:0 (40.). Blum donnerte einen Freistoß an die Latte (43.), doch der wie paralysiert wirkende Club blieb rechts offen wie ein Scheunentor. So ging Soares auf die Grundlinie durch und flankte, die von der FCN-Abwehr nicht beachtete HSV-Leihgabe Manuel Wintzheimer schloss direkt, aber mittig und haltbar zum 3:0 ab (45.). „Wir hättnen Benedikt mehr helfen müssen“, sagte Kapitän Behrens.

Für Nürnberg war damit schon fast alles gelaufen. Doch in der zweiten Hälfte rehabilitierte sich der Club zumindest. Felix Lohkemper und Iuri Medeiros, die mit Wiederbeginn für die blassen Nikola Dovedan und Sebastian Kerk kamen, erwiesen sich als belebende Elemente. Ein 20-Meter-Schuss des nun offensiveren Geis brachte die erste Prüfung für Bochums Schlussmann Manuel Riemann (62.). Asger Sörensen verkürzte per Kopfball nach Geis-Flanke zum 1:3 (63.).

Fast wäre den Franken auch der Anschlusstreffer gelungen, doch Lohkempers Kopfball nach Medeiros-Hereingabe zählte nicht, weil Frey hauchdünn im Abseits gestanden hatte (72.). So bekam es Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck jedenfalls nach langer Unterbrechung aus dem Videokeller mitgeteilt. Mit Mikael Ishak (für den zu wenig aus seinen enormen Möglichkeiten machenden Robin Hack) brachte Canadi noch einen Stürmer (83.), doch der erste Saison-Heimsieg für Bochum war nicht mehr zu verhindern. Der Club liegt nun schon neun Punkte hinter Rang drei – und zwei Zähler vor dem Relegationsplatz. (hst)

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