Kaiserslautern

Pokal-Drama endet mit Club-Aus

Der Lauterer Lukas Gottwalt kann den Nürnberger Sebastian Kerk nicht am Schuss hindern. Foto: Heiko Becker

Seit Wochen ist Drama angesagt, wenn der 1. FC Nürnberg auf dem Rasen steht. Der Pokal-Schocker vom  Betzenberg wird aber kaum noch zu steigern sein. Zwei Mal geriet der Club durch fahrlässig verursachte Elfmeter gegen den 1. FC Kaiserslautern in Rückstand, zwei Mal glich er aus. In der Verlängerung zog sich Torwart Patric Klandt einen Achillessehnenriss zu, wegen des ausgeschöpften Wechselkontingents musste Außenverteidiger Enrico Valentini in den Kasten. Im Elfmeterschießen war Valentini bei allen sechs Lauterer Schüssen chancenlos, mit dem sechsten Nürnberger Versuch scheiterte Tim Handwerker an Lauterns Lennart Grill und der Club war mit 5:6 im Elfmeterschießen (2:2) raus.

Im Pokal-Wettbewerb darf der zweite Torwart Spielpraxis erwerben. Auch durch den langfristigen Ausfall von Christian Mathenia hat sich für Trainer Damir Canadi daran nichts geändert. Ein bisschen überraschend war es aber schon, dass der von der Nürnberger  Nummer drei zur Nummer zwei aufgerückte Patric Klandt am Mittwochabend auf dem Betzenberg im Kasten stand. Schließlich hat Andreas Lukse, der momentane Stammtorwart, auch erst drei Pflichtspiele absolviert.

Für den 36-jährigen Klandt, der 2018 aus Freiburg nach Nürnberg gewechselt war, begann der allererste  Wettbewerbseinsatz für den FCN schon nicht gerade günstig. Schon nach acht Spielminuten musste er den Ball aus dem Netz holen. Valentini hatte den quer durch den Strafraum dribbelnden Lauterer Florian Pick ungeschickt abgeräumt, Mittelstürmer Timmy Thiele verwandelte den fälligen Strafstoß sicher zur Führung des Drittligisten.  Für Canadi lag allerdings eine Schwalbe des Lauterers vor. 

Dass Klandts Einsatz aus Canadi-Sicht aber kein unnötiges Risiko darstellte, bewies der Schlussmann spätestens bei seinem zweiten Duell mit Thiele. Er  hielt die Füsse zusammen, als der agile Lauterer Angreifer durchgebrochen war und ihn zu tunneln versuchte (17.). Kurz zuvor hatte Florian Jäger für den Club den 1:1-Ausgleich erzielt. Er war im Nachschuss erfolgreich, als Thiele im eigenen Strafraum einen Freistoß von Johannes Geis per Kopf nicht ausreichend geklärt hatte (15.). Zur Pause hätte der Zweitligist schon vorne liegen können, aber Sebastian Kerk  (30.) und Lukas Mühl (37.) vergaben. 

Schommers macht die Schotten dicht

Gut war die Nürnberger Vorstellung nicht, sondern von Fehlpässen und Nervosität geprägt. Die technische Überlegenheit des Zweitligisten kam im ersten Spielabschnitt nur selten zum Tragen, es fehlte die Ruhe im Spiel. So ging die taktische Marschroute von Lauterns Trainer Boris Schommers auf, der bis Mai noch in Diensten des 1. FC Nürnberg gestanden hatte.  Schommers ließ den in der Dritten Liga zuletzt erfolglosen und auf einen Abstiegsplatz gerutschten FCK mit zwei Fünferketten die Schotten dicht machen und setzte vorne auf Thiele.

Auf vier Positionen hatte Club-Trainer Canadi seine Startelf gegenüber dem Zweitliga-1:1 am Sonntag gegen Karlsruhe verändert: Neben Klandt brachte er Sörensen, Kerk und Meideiros anstellte von Lukse, Erras sowie  Dovedan und Hack. Verletzt schied schon nach 27 Minuten Oliver Sorg aus, der in den Rasen getreten hatte und durch Tim Handwerker ersetzt wurde.

In der zweiten Halbzeit wurde das Nürnberger Spiel nicht besser, auch wenn Robin Hack ins Spiel kam. Kaiserslautern übernahm die  Initiative, ohne allerdings zu Chancen zu kommen. Machte aber nichts, weil dem FCK eine erneute Nürnberger Schusseligkeit zu Hilfe kam. Handwerker trat Dominik Schad  im Strafraum in die Hacken, Schiedsrichter Guido Winkmann entschied erneut auf Strafstoß. Wieder trat Thiele an, der schon den ersten verwandelt hatte und ließ sich auch nicht davon verunsichern, dass er den Schuss wiederholen musste, weil Mitspieler zu früh in den Strafraum gelaufen waren. Zwei Mal wählte Lauterns Mann des Abends die gleiche Ecke, keine Chance für Klandt und 2:1 (74.).  

Grill lässt sich von Schleicher Frey überraschen

Mit Mikael Ishak als zweitem Stürmer, für den Kapitän Hanno Behrens weichen musste, versuchte der Club in der Schlussphase noch wenigstens den Ausgleich und die Verlängerung zu erzwingen. Das 2:2 gelang dank eines Aussetzers von FCK-Torwart Grill, der den Ball sorglos am Fuß führte, dabei aber den hinter ihm befindlichen Michael Frey übersehen hatte. Frey schlich sich um Grill herum und setzte den Ball ins Tor (89.) - ein selten kurioser Treffer. 

In der Verlängerung hatte der Club immer deutlichere Vorteile, bei Kaiserslautern schwanden die Kräfte. Nikola Dovedan, der für Yuri Medeiros ins Spiel gekommen war, vergab im Duell eins gegen eins gegen Grill  das dritte FCN-Tor (110.). Dann verletzte sich Klandt und der letzte Akt des Dramas begann.

Rückblick

  1. Der Club wirkt gezeichnet vom Abstiegskampf
  2. Die Nürnberger Talfahrt geht weiter
  3. Keller sieht keinen Anlass für Panik
  4. Unangenehmer Gang in die Nordkurve
  5. Ein 0:0, das niemand richtig glücklich macht
  6. Geis hat keine Angst vor Pfiffen
  7. Rachid Azzouzi: "Wir haben  hohe Ansprüche an uns selbst"
  8. Wo Jens Keller beim Club ansetzen muss
  9. Das Maß war einfach voll
  10. Marek Mintal springt beim Club ein
  11. Nürnberger Krise verschärft sich in Bochum
  12. Der Club und die nervigen Achterbahnfahrten
  13. Pokal-Drama endet mit Club-Aus
  14. Der Club kann kein Ergebnis sichern
  15. Die Großzügigkeit von Johannes Geis
  16. Aues Torwart nimmt Vorwürfe an den Club zurück
  17. Club verliert ein verrücktes Spiel
  18. Eine Premiere für Georg Margreitter
  19. Trotz des verpassten Sieges: Auf dem Weg zum Canadi-Club
  20. Club bringt sich um Lohn für starken Auftritt
  21. Der Club auf dem Weg aus der Krise: Geis trifft zum Sieg
  22. Die Nürnberger Baustelle
  23. Erschreckend schwacher Club
  24. Wie Michael Köllner Spieler entwickelt
  25. Die Nürnberger Schwäche liegt im System
  26. Warum Johannes Geis zum Club ging
  27. Der Club holt Mittelfeldspieler Johannes Geis
  28. Fast alles neu beim 1. FC Nürnberg
  29. Nürnberger Fans nehmen dem Club Abstieg nicht übel
  30. Damir Canadis Auftrag: Zurück in die Bundesliga
  31. Ein Österreicher als neuer Coach des 1. FC Nürnberg?
  32. Ein Nürnberger Abstieg in Harmonie
  33. Kommentar zum Club: Warum der Wiederaufstieg das Ziel sein muss
  34. Nach 0:2 in Wolfsburg: Dem Club helfen nur noch zwei Siege
  35. 1. FC Nürnberg: Verhängnisvolle Zentimeter
  36. FC Bayern: Kovac sieht noch drei Endspiele
  37. Der Club verpasst die Derby-Sensation
  38. Warum Robert Palikuca auf noch sieben Club-Spiele hofft
  39. Die Leistung gegen Schalke gibt Nürnberg Mut
  40. Club-Kapitän Hanno Behrens als tragische Figur
  41. Dem 1. FC Nürnberg fehlt es an Kaltschnäuzigkeit und Klasse
  42. 1. FC Nürnberg findet endlich einen neuen Sportchef
  43. FCN: Was kann der 3:0-Erfolg gegen Augsburg noch bewirken?
  44. 1. FC Nürnberg: Erfolgsmeldung aus der Stadtbücherei
  45. Heißer Kandidat für den Club-Sportvorstand
  46. 0:1 gegen Leipzig: Der Club-Abstieg rückt näher
  47. Christian Mathenia: Die Leiden des Leidenschaftlichen
  48. Adam Zrelak verletzt sich schwer
  49. Der Club in Düsseldorf: Wie im falschen Film
  50. Neuer Club-Trainer Schommers: Zwei Fäuste für ein 0:0

Schlagworte

  • Hans Strauß
  • 1. FC Kaiserslautern
  • 1. FC Nürnberg
  • DFB-Pokal
  • Elfmeter
  • Johannes Geis
  • Robin Hack
  • Strafraum
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!