FUßBALL: BUNDESLIGA

Serie: Kann Ante Covic der alten Dame die Launen austreiben?

Training Hertha BSC
Genaue Anweisungen: Hertha-Trainer Ante Covic (rechts) mit Ondrej Duda. Foto: Sören Strache, dpa

Mit dem Eröffnungsspiel zwischen Bayern München und Hertha BSC Berlin beginnt am Freitag, 16. August (20.30 Uhr), die 57. Saison der Fußball-Bundesliga. In einer Serie stellen wir alle 18 Vereine mit ihren Veränderungen, Zielen und Besonderheiten vor. Im achten Teil heute: Hertha BSC Berlin.

Er war die Galionsfigur des eher blass daher kommenden Hauptstadtklubs. Doch nach vier Jahren im Amt musste Pal Dardai als Trainer bei der Hertha gehen. Eine weitere schwache Rückrunde wurde dem Ungarn zum Verhängnis. Nachfolger Ante Covic, der aus dem Klub kommt, soll der „alten Dame“ nun möglichst die Launen austreiben. Wieder Rang zehn wie in der letzten Saison wird dem neuen Investor kaum genügen.

Was macht Covic anders als sein Vorgänger Dardai?

Covic will die Mannschaft offensiver agieren lassen, mit mehr Ballbesitz und attraktiver als unter Dardai. Der 43-jährige Kroate, der gebürtiger Berliner ist und selbst vier Jahre lang im Hertha-Mittelfeld kickte, bezeichnet Jürgen Röber und Hermann Gerland als seine Trainer-Vorbilder. Beide hätten ihm gezeigt, „dass es in diesem Geschäft auf eine gewisse Menschlichkeit ankommt“. Wie schon bei Dardai entschied sich Sport-Geschäftsführer Michael Preetz für eine interne Lösung. Covic betreute zuvor sechs Jahre lang mit Erfolg Herthas U23. Mancher hätte sich eine Trainer-Besetzung mit mehr Strahlkraft gewünscht. Da drei der ersten vier Spiele auswärts sind, darunter das Eröffnungsspiel in München, könnte schnell Unruhe einkehren.

Was stellt Hertha mit den Millionen des Investors an?

Der Berliner Lars Windhorst erwarb über seine Tennor-Holding im Juni 37,5 Prozent der Anteile der Hertha-Kommanditgesellschaft auf Aktien (KgaA) für 125 Millionen Euro. Geplant ist, dass Windhorst seine Anteile noch auf 49,9 Prozent aufstockt. Dann sollen weitere 100 Millionen Euro fließen. „Wir werden investieren, aber mit Augenmaß“, sagte Preetz zu den neuen finanziellen Möglichkeiten. Es sei klar, dass der Klub in der Tabelle in den kommenden Jahren „weiter nach oben“ wolle. „Wir werden aber nicht Bayern München oder Borussia Dortmund attackieren.“ Der mögliche Klub-Rekordtransfer von Flügelstürmer Dodi Lukebakio, der in der vergangenen Saison als Leihgabe bei Fortuna Düsseldorf drei Mal gegen den FC Bayern traf und nun für 20 Millionen Euro vom FC Watford kommen soll, hätte allerdings nicht unbedingt etwas mit den Windhorst-Millionen zu tun. Für den Kauf von Rechtsverteidiger Valentino Lazaro berappt Inter Mailand nämlich fürstliche 22 Millionen Euro an die Hertha.

Was hat sich sportlich ansonsten getan?

Spielmacher Ondrej Duda, der mit elf Treffern auch bester Schütze der letzten Saison war, hat seine Wechselambitionen ad acta gelegt. Marko Grujic, der Stabilisator im defensiven Mittelfeld, willigte ein, sich eine zweite Saison vom FC Liverpool ausleihen zu lassen. Beide Personalien rechnet sich Covic als Erfolg seiner „Überzeugungsarbeit“ an. Aus Nürnberg kam U-21-Nationalspieler Eduard Löwen fürs Mittelfeld. Von jungen Spielern wie Arne Maier erhofft sich Preetz zudem „den nächsten Schritt“. Die beiden Sturm-Routiniers Vedad Ibisevic (34) und Salomon Kalou (33) sollen weiter für Tore sorgen, aber auch als Ansprechpartner der Jungen dienen. In Daishawn Redan, der von Chelseas U23 kam, wurde ein potenzieller Nachfolger der beiden Oldies verpflichtet.

Bleibt Niklas Stark nun eigentlich bei der Hertha?

Der aus Neustadt/Aisch stammende Innenverteidiger war Bundestrainer Löw zu Jahresbeginn von seinem Trainer Dardai ans Herz gelegt worden. Und tatsächlich gab es zwei Einladungen für Stark zum A-Nationalteam. Für das tatsächliche Debüt reichte es allerdings nicht. Spielen durfte der 24-Jährige in den Partien gegen Serbien, die Niederlande, Weißrussland und Estland keine Sekunde. Ähnlich könnte es auch mit den Wechselgerüchten laufen. Stark verzichtete überraschend darauf, eine Ausstiegsklausel zu ziehen. „Stand jetzt spiele ich weiter bei Hertha“, sagte er Anfang Juli. Nun wird er sogar Stellvertreter von Kapitän Ibisevic.

Wie geht Hertha mit dem Stadtrivalen Union um?

Hoffentlich künftig geschickter als bei der Debatte um den Termin des ersten Derbys in der Bundesliga. Die Hertha schlug vor, es am 9. November, dem 30. Jahrestag des Mauerfalls, auszutragen. Abgesprochen war das nicht. Aufsteiger Union lehnte postwendend ab: „Uns ist der Gedenktag zu wichtig, wir wollen nicht an diesem historischen Tag spielen.“ Eine Demonstration der Uneinigkeit der Fans aus dem Westend (Berlin-West) und aus Köpenick (Berlin-Ost) hätte an diesem Tag in der Tat niemand gebraucht. Angesetzt ist die Partie nun eine Woche früher, am ersten November-Wochenende bei Union. Sportlich ist die Vorgabe für Hertha glasklar. „Wir wollen aus den beiden Spielen sechs Punkte holen und die blau-weißen Fahnen durch die Stadt tragen“, sagt Trainer Covic.

Die Zu- und Abgänge

Zugänge: Daishawn Redan (U23 FC Chelsea; 2,5 Millionen Euro), Eduard Löwen (1. FC Nürnberg; 7,0); Dedryck Boyata (Celtic Glasgow; ablösefrei).

Abgänge: Valentino Lazaro (Inter Mailand; 22,0), Jonathan Klinsmann (FC St. Gallen), Fabian Lustenberger (Young Boys Bern), Julius Kade (Union Berlin; alle ablösefrei), Marius Gersbeck (Karlsruher SC/0,045), Derrick Luckassen (PSV Eindhoven/ausgeliehen).

Rückblick

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