FUSSBALL: BUNDESLIGA

Warum Robert Palikuca auf noch sieben Club-Spiele hofft

1. FC Nürnberg präsentiert neuen Sportvorstand
„Ich bin sehr heißblütig und emotional“: Robert Palikuca, neuer Vorstand Sport beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Nürnberg, bei seiner Vorstellung in einer Pressekonferenz. Foto: Daniel Karmann, dpa

Ob sich der 1. FC Nürnberg Fortuna Düsseldorf denn zum Vorbild nehmen könne, ist Michael Köllner am Ende der Bundesliga-Vorrunde mal gefragt worden. Damals hatte der Mitaufsteiger den Club dank einer unerwarteten Siegesserie in der Tabelle bereits hinter sich gelassen. Ein Beispiel könne man sich an Düsseldorf schon nehmen, hat Köllner darauf lächelnd geantwortet, aber zum Vorbild, nein, nein.

Der Trainer Köllner ist in Nürnberg längst Geschichte. Erst nach seinem Ausscheiden hat sich der FCN – vielleicht zu spät – an das nötige Niveau für das Oberhaus herangearbeitet. Düsseldorf dagegen feierte dank Stuttgarter Mithilfe am Sonntag trotz der 1:4-Niederlage gegen Bayern München den vorzeitigen Liga-Erhalt.

Und was hat Robert Palikuca, der am Montag als neuer Nürnberger Sportvorstand vorgestellt wurde, damit zu tun? Der Düsseldorfer Erfolg wird zu einem nicht geringen Teil dem Wirken von Palikuca zugeschrieben, der in den letzten drei Jahren Manager der Lizenzmannschaft war. „Er hat großen Anteil an der exzellenten Zusammenstellung des Kaders“, lobte Fortunas Noch-Vorstandschef Robert Schäfer seinen engen Vertrauten zum Abschied, „wir bedauern seine Entscheidung.“ Der Weggang von der Fortuna, für die der Ex-Innenverteidiger nach seiner aktiven Laufbahn insgesamt neun Jahre im Management tätig war, fiel Palikuca eventuell deshalb leichter, weil sich seine Kompetenzen mit denen des im Winter als Sportvorstand verpflichteten Lutz Pfannenstiel – dem als Weltenbummler bekannt gewordenen Ex-Torwart – überschnitten.

Nun ist Palikuca in Nürnberg also selbst in die erste Reihe gerückt, freut sich, „dass es endlich losgeht“, und weiß, dass ihm beim Club mit seinem offenbar sehr guten Netzwerk Ähnliches gelingen soll wie in Düsseldorf: aus beschränkten finanziellen Mitteln qualitativ viel zu machen. Fortuna reloaded, gewissermaßen, ohne dem traditionsreicheren FCN damit zu nahe treten zu wollen.

Nach der Trennung von Andreas Bornemann, der von Köllner nicht hatte lassen wollen, habe es „doch ein bissel gedauert“, wie Aufsichtsratschef Thomas Grethlein einräumte, bis der Nachfolger seinen Schreibtisch einräumte. Acht Wochen nämlich. Der Name von Palikuca war in dieser Zeit nicht in die Öffentlichkeit gedrungen, aber er habe zu den ersten Kandidaten gehört, mit denen man gesprochen habe, sagte Grethlein schon vergangene Woche. Der 40-jährige Deutsch-Kroate war dem Aufsichtsrat empfohlen worden.

Mit ihm dürfte etwas mehr Leben in die Bude kommen als das unter Vorgänger Bornemann üblich war. „Er ist einer der anpackt, das gefällt mir“, sagte Finanzvorstand Niels Rossow, der sich die Pressekonferenz mit seinem neuen Partner ansah. „Ich bin sehr heißblütig und emotional. Und ich kann sehr schwer mit Niederlagen umgehen“, beschrieb Palikuca das kroatische Element in sich. Seine Frau und seine Kinder bleiben zunächst in Düsseldorf wohnen. „Der Umzug ist in einem Jahr geplant, wenn ein Schulwechsel ansteht.“ Pendeln müsse bis dahin nicht er, sondern seine Familie: „Ich muss hier sein, der Job bringt sehr viel Arbeit.“

Zunächst will er „viele Gespräche führen im Lizenzspielerbereich“. Er habe „ganz viel Hoffnung, dass man doch noch sieben Spiele hat in dieser Saison“. Sprich, dass der Club die Abstiegsrelegation erreicht. Die Planung des Kaders für die kommende Saison sieht Palikuca trotz der unklaren Liga-Zugehörigkeit nicht erschwert: „Spieler, die der FCN verpflichtet, müssen sowohl für den Klassenerhalt als auch für einen Wiederaufstieg geeignet sein.“ Die Nürnberger Scoutingabteilung war nicht untätig und hat ihm bereits eine Vorschlagliste präsentiert. Palikuca sagt, er habe, seit die Einigung feststehe, in seiner Freizeit schon selbst über potenzielle Neuzugänge verhandelt. Zum Beispiel am Sonntag während des Düsseldorfer Spiels: „Das Gespräch war so interessant, dass ich erst auf die Tribüne gekommen bin, als es schon 3:0 für Bayern stand.“

Die sportliche Leitung wird unter Palikuca mehrere Ebenen bekommen, wie es bei anderen Veeinen längst üblich ist. Ein Kaderplaner und ein Chefscout sollen verpflichtet werden. Ob der als Interimstrainer erfolgreiche Boris Schommers auch zur Dauerlösung werden könne, ließ Palikuca wie erwartet offen: „Es wäre nicht seriös, jetzt darüber zu sprechen. Es gibt eine sehr positive Entwicklung in den letzten Wochen. Aber man darf die Konzentration auf das Sportliche nicht mit diesem Thema stören.“

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