WÜRZBURG

Wenn die Zuhörer den Bands auf und davonlaufen

Stimmung gut, Wetter schlecht: Auch heftige Regenfälle hinderten die Musikgruppen nicht daran, mächtig auf die Pauke zu hauen.
Stimmung gut, Wetter schlecht: Auch heftige Regenfälle hinderten die Musikgruppen nicht daran, mächtig auf die Pauke zu hauen. Foto: Samba Felicidade

Stimmung gut, Wetter schlecht. Ganz so einfach lassen sich die äußeren Umstände beim 16. Würzburger Marathons nicht auf den Punkt bringen. Ja, der erhoffte Stimmungsschub ist durch das Engagement zusätzlicher Musikgruppen eingetreten. Und ja, wegen des regnerischen Wetters ist wohl manch ein Zuschauer – genau wie die eine oder andere Band – daheim geblieben. Doch einsame Abschnitte entlang des attraktiven Stadtkurses hätte es vermutlich auch bei strahlendem Sonnenschein gegeben. Der (Halb-)Marathon in der Domstadt steht nicht für eine Streckengaudi wie der Faschingszug (oder manch ein anderer Stadtlauf). Doch vielleicht erfreut er sich gerade deshalb bei vielen passionierten Läufern auch so großer Beliebtheit. „Hier wird beim Drumherum nicht so viel Hype gemacht wird.“ So bekam man es auch diesmal immer wieder von den Startern zu hören.

Das bedeutet freilich nicht, dass die Läufer die Stimmungsaufheller entlang der Strecke nicht goutieren würden. Im Gegenteil: Den Musikgruppen hat man bei teilweise strömendem Regen regelrecht gehuldigt – so wie Samba Osenga. Nicht weniger als 22 Mitglieder hatten sich beizeiten vor der Gaststätte „Blauer Adler“ in der Mergentheimer Straße positioniert und sich sogleich mit Schwüngen mächtig in die Hüfte gelegt; die Zahl der Zuhörer hätte dagegen nicht einmal für eine Fußballmannschaft gereicht. Doch das änderte sich, als die ersten Läufer gegen halb Zehn den Kilometer 9,5 passierten.

Rennende Ovationen

Als die konzentriert wirkende Spitze durchgelaufen war, bekam die mit vielen Trommeln ausgestattete Sambagruppe ihren Applaus des Tages. Nicht auf einmal – so wie es bei Konzerten üblich ist, sondern tröpfchenweise, sehr individuell und immer laufend. Wenn man so will, waren es also rennende Ovationen. Die wenigsten Läufer klatschten, die meisten drückten ihr Gefallen anders aus: Mit erhobenem Daumen, mit gestreckten Armen oder mit wippenden Köpfen. Als der erste Wolkenbruch gegen 10 Uhr niemanden mehr trocken ließ, schienen Samba Osenga und die Sportler irgendwie seelenverwandt zu sein.

Beide waren sichtlich in ihrem Element und stachelten sich gegenseitig an; an eine Pause dachten weder die triefenden Läufer noch die tropfnassen Tänzer.

Das Silwer-Duo am Ludwigkai auf der anderen Mainseite hatte – alleine der Technik wegen – zumindest ein sporadisches Pavillon über dem Kopf, Frontalzuschauer fanden sich auch hier so gut wie keine ein. „Uns laufen heute die Gäste davon“, schäkerte Werner Kötzner zweideutig. „Das macht diesen Auftritt zu einem besonderen.“ Seine Band-Partnerin Silke Frenzel würde sich künftig mehr Verköstigungsstationen für die Zuschauer unweit der Bands wünschen. Sichtlich Spaß machte ihr das sportliche Programm trotzdem. Die Läufer bekamen von Silwer aus Unterpleichfeld nicht nur rhythmische Musik, sondern auch flotte Sprüche mit auf den Weg.

Im Ziel bestätigten dann viele Läufer, dass sich das Umleiten der Siegprämien in weitere Musikgruppen offensichtlich gelohnt hat. „Wir haben an diesen Stellen so richtig Party gemacht. Das spornte zusätzlich an“, sagte Christiane Maier, die ihren ersten Halbmarathon absolviert hat. Für die 33-jährige Wahl-Münchnerin ist es eine Rückkehr in die Heimat. „Durch meine Verbindung zu Würzburg war es für mich ein einzigartiger Lauf.“ Und das miese Wetter? „Das hat mir sogar geholfen. Bei heißen Temperaturen wäre ich nicht so schnell gelaufen.“ Stimmung gut, Wetter schlecht. Das dürfte jeder Läufer, jeder Musiker und jeder Zuschauer gestern auf seine Weise interpretiert haben.

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