Frankfurt/Main

Woche der Signale: Bundesliga hofft auf Wiederanstoß im Mai

Geisterspiele       -  Gehören wohl vorerst zum Bundesliga-Bild: Geisterspiele vor leeren Rängen.
Gehören wohl vorerst zum Bundesliga-Bild: Geisterspiele vor leeren Rängen. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Am Mittwoch sind die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise.

Am Freitag ist die nächste außerordentliche Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga: In dieser Woche könnte es sich entscheiden, ob es in der 1. und 2. Bundesliga einen Wiederanpfiff mit Geisterspielen gibt. Während in vielen anderen Sportarten weiter fleißig verschoben und abgesagt wird, feilt die DFL an ihrem Masterplan für die Fortsetzung der Saison ab Anfang Mai.

Bereits vor dem fußballlosen Osterfest machte DFL-Boss Christian Seifert deutlich: Die Dachorganisation der 36 Proficlubs und die Vereine werden gewappnet sein für den wochenlangen Ausnahmezustand, der derzeit trotz der Pandemie noch immer eine Beendigung der Spielzeit bis 30. Juni und ohne Zuschauer in den Stadien vorsieht. Es geht um insgesamt 750 Millionen Euro aus der TV-Vermarktung, die den in massive finanzielle Bedrängnis geratenen Clubs beim Abbruch der Spielzeit verloren gehen würden.

Um die neun verbleibenden Spieltage in beiden Ligen noch zu absolvieren, werden zahlreiche Tests und Maßnahmen für die Profis nötig sein. So könnte das Risiko von neuen Infektionsketten im wöchentlichen Spielbetrieb minimiert werden. „Es wird nicht der Fall sein, dass auch nur eine Ärztin, ein Arzt, eine Krankenschwester oder ein Krankenpfleger, die für das System wirklich relevant sind, nicht getestet werden kann, weil Fußballspieler getestet werden müssen”, stellte Seifert in der „New York Times” klar.

Was ist das Hauptproblem?

Unklar ist derzeit, ob es überhaupt genügend Testkapazitäten für das Millionenbusiness Fußball gibt. Der Städte- und Gemeindebund hat flächendeckende Corona-Tests als Voraussetzung für eine Lockerung der Schutzmaßnahmen genannt. Statt derzeit 60 000 müsse es bis Ende Mai 500 000 Tests pro Tag geben. So manche Virologen sehen die Kapazität der Labore als begrenzt an, gleichzeitig gibt es Berichte über nicht ausgelastete Labore. Die Testkapazitäten werden regelmäßig gesteigert, allerdings lässt sich nicht vorhersagen, wie es um diese in ein paar Wochen bestellt ist.

Zudem würden Geisterspiele monatelange Einschränkungen und strikte Maßnahmen für die Profis erfordern. „Dieses Szenario ist natürlich nur in völliger Übereinstimmung mit den Vorgaben der Gesundheitsbehörden vorstellbar”, sagte auch DFB-Präsident Fritz Keller. „Eines ist klar: Der Fußball hat keine Sonderrolle”, betonte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder im „Kicker”. Die DFL will und kann keine moralische Debatte um eine Sonderrolle des Profifußballs haben, den sie als Wirtschaftszweig sieht.

Aus der Politik gibt es Stimmen, die einen schnellen Neustart des Spielbetriebs herbeisehnen. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sagte in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung”, im Profisport wie der Bundesliga, „wo es eine dichte medizinische Begleitung der Athleten gibt, sollten wir den Wettbewerb ohne Publikum wieder zulassen.”

SPD-Politiker und Gesundheitswissenschaftler Karl Lauterbach gab im „Spiegel” zu bedenken: „Fußball wäre theoretisch nur denkbar, wenn die Spieler ein paar Tage vor dem Spiel getestet und dann bis zum Spielbeginn isoliert würden, damit sie sich nicht gegenseitig infizieren. Hat sich ein Spieler angesteckt, müssen er und alle Mannschaftskollegen in Quarantäne.”

Nach einem MDR-Bericht sollen bei einem positiven Befund nicht mehr alle Spieler der Mannschaft in Quarantäne geschickt werden, sondern nur der infizierte. Die DFL hat dies bislang nicht bestätigt.

Wie sollen die sogenannten Geisterspiele ablaufen?

Mit möglichst wenigen Menschen. Die DFL hat den Vereinen darüber ein Szenario an die Hand gegeben, in dem zunächst mit 239 Personen gerechnet wird. Beim bis dato einzigen Geisterspiel (Mönchengladbach gegen Köln am 11. März) waren es noch etwa 600 Menschen. Für die Vereine sind pro Delegation nur acht Personen vorgesehen.

Welche Besonderheiten sind beim Restart der Bundesliga denkbar?

Zum Beispiel könnten Schiedsrichter aus München - wie Felix Brych - in der restlichen Saison auch den FC Bayern pfeifen, was sonst nicht möglich ist. Dies berichtete die „Bild-Zeitung”. Die Referees sollen am Spieltag anreisen, pfeifen und wieder abreisen, zudem einen Tag vor ihrem Einsatz getestet werden. Weiter denkbar sind auch Szenarien, wonach Spiele nicht mehr zwingend am eigentlich vorgesehenen Ort stattfinden. Bei Geisterspielen wird der Heimvorteil ohnehin stark an Wert verlieren.

Was steht in der Woche nach Ostern für die Bundesliga an?

Eine weitere außerordentliche Mitgliederversammlung als Schalte am Freitag, bei der über das weitere Vorgehen beraten wird. Es ist nach Mitte März und Ende März bereits die dritte in der Corona-Krise. Bisher wurde jeweils die Aussetzung der Ligen bis zu einem gewissen Zeitpunkt beschlossen, diesmal könnte es um einen Starttermin für die Wiederaufnahme gehen. Der Profifußball ist aber entscheidend von den Signalen aus der Politik abhängig. „Wir haben es nicht in der Hand”, hatte Ligaboss Seifert der Wochenzeitung „Die Zeit” gesagt.

Was kann sich bei Transfers ändern?

Die FIFA hatte zuletzt unter anderem mit neuen Transfer-Richtlinien den Weg für eine Verlängerung der Saison frei gemacht. Dabei will der Weltverband allen Anträgen, das Enddatum dieser Spielzeit nach hinten zu verschieben, stattgeben. Dafür sei keine zeitliche Begrenzung gesetzt, betonte die FIFA am Oster-Wochenende auf dpa-Anfrage.

Zudem ist auch für die Transferfenster weitere Flexibilität geplant. Bislang gibt es zwei Phasen, in denen Spieler wechseln dürfen: eine zwischen den Saisons, die nicht länger als zwölf Wochen dauern darf, und eine zur Mitte der Saison, die vier Wochen nicht überschreiten darf. „Was wir jetzt sehen könnten in der Krise, wäre, dass Verbände ein zusätzliches, drittes Transferfenster öffnen”, stellte James Kitching, FIFA-Direktor Football Regulatory, in der ARD-„Sportschau” zu den neuen Empfehlungen klar.

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