EINWURF

Wunderheilung beim Club nicht in Sicht

Michael Köllner
Nicht mehr Trainer beim 1. FC Nürnberg: Michael Köllner Foto: Sven Hoppe (dpa)

Der Versuch war durchaus ehrenwert, den Andreas Bornemann als Sportvorstand und Michael Köllner als Trainer unternommen hatten. Nämlich jenen, den hoch verschuldeten 1. FC Nürnberg mit geringen finanziellen Mitteln und mit Spielermaterial von überschaubarer Qualität in der Bundesliga zu halten. Doch nach 21 Spieltagen und 15 sieglosen Spielen in Folge darf der Versuch als gescheitert angesehen werden, Sportvorstand und Trainer sind ihre Jobs los, der Club taumelt als Tabellenletzter der Zweitklassigkeit entgegen.

Vielleicht haben Bornemann und Köllner geglaubt, sich irgendwie in die nächste Saison retten zu können und dann in der Zweiten Bundesliga einen Neuaufbau zu starten. Doch die gegenwärtige sportliche Misere hat eine Eigendynamik entwickelt, die den Verantwortlichen ihre Arbeitsplätze gekostet hat.

Beide haben in der schwierigen Situation Fehler gemacht, die ihren Niedergang beschleunigt haben. Der Sportvorstand hat in der sportlich angespannten Situation in Ivo Ilicevic nur einen einzigen Winterneuzugang verpflichtet, der zuletzt nicht einmal einen Verein hatte und körperlich nicht fit ist.

Köllner musste sich in seiner ersten Saison als Bundesligatrainer den Vorwurf gefallen lassen, die fußballerisch limitierte Mannschaft mit seinen Vorstellungen häufig überfordert und nach zuletzt sportlich desaströsen Vorstellungen verbale Schönfärberei betrieben zu haben. Trotzdem stützte ihn Bornemann bis zuletzt. Beide vermittelten in den letzten Wochen nicht mehr den Eindruck, noch eine Wende zum Besseren schaffen zu können. Sie wirkten verzagt, wenig kommunikativ und schienen nur noch auf das Prinzip Hoffnung zu setzen. Nun sollen diese Wende erst einmal der vormalige Co-Trainer Boris Schommers und Vereinsidol Marek Mintal schaffen.

Das Paradoxe ist freilich: Wer immer Bornemann und Köllner auf Dauer nachfolgen wird, kann eigentlich keinen völlig anderen Weg einschlagen wie die beiden, die Wunderheilung für den Club wird es nicht geben. Die FCN wird weiter in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen leben müssen, finanzielle Wahnsinnstaten gab es in der Vergangenheit ja zur Genüge.

Sollte sich die neue sportliche Führung zur neuen Saison in dieser angespannten Situation fürs fiskalische Abenteurertum entscheiden, könnte sich der neunmalige deutsche Meister schnell auf Schussfahrt in die Bedeutungslosigkeit bewegen.

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