Zwei schöne Tore zum wichtigen Club-Sieg

Das 2:0 gegen Sandhausen bringt den 1. FC Nürnberg erst einmal weg von den Abstiegsrängen. Nach der Schlappe in Hamburg zeigte die Mannschaft kämpferisch die nötige Reaktion.
Freudensprung: Club-Akteur Robin Hack bejubelt seinen feien Treffer zum 2:0 gegen Sandhausen. Durch den Sieg macht der 1. FC Nürnberg in der Tabelle einen Satz aus den Abstiegsrängen heraus.
Freudensprung: Club-Akteur Robin Hack bejubelt seinen feien Treffer zum 2:0 gegen Sandhausen. Durch den Sieg macht der 1. FC Nürnberg in der Tabelle einen Satz aus den Abstiegsrängen heraus. Foto: Timm Schamberger

Selten hat ein Sieg gegen den SV Sandhausen, einem der notorischen Underdogs der Zweiten Bundesliga, dem 1. FC Nürnberg so gut getan. Zwei bildschöne Tore, ein gehaltener Elfmeter von Christian Mathenia und eine Portion Spielglück bescherten dem Club den 2:0 (1:0)-Erfolg, der ihn in der Tabelle wieder über den Strich und sogar auf den 13. Rang brachte.  

65 Stunden nach der 1:4-Schlappe beim Hamburger SV zeigte der FCN vor allem in kämpferischer Hinsicht die nötige Reaktion. Das erkannte auch der Gegner an. "Ich habe eine sehr überzeugende Mannschaft des 1. FC Nürnberg gesehen, die die Situation zu 100 Prozent angenommen hat", sagte Sandhausens Trainer Uwe Koschinat,  dessen Team zuvor in neun Spielen ungeschlagen geblieben war.

Wie viel Druck sich angestaut hatte, zeigten die Reaktionen der stark in die Kritik geratenen Nürnberger Verantwortlichen mehr als die der Spieler. Aufsichtsratschef Thomas Grethlein, der in den letzten Minuten immer in den Innenraum geht, reckte beide Fäuste beim Schlusspfiff gleich zwei Mal gen Himmel. Und Trainer Jens Keller fiel, nachdem er den Spielerkreis aufgelöst hatte, seinem Sportvorstand Robert Palikuca um den Hals.

Für Keller war es erst der zweite Sieg im siebten Spiel unter seiner Regie. Mit der scharfen Kritik am blutleeren Auftritt in Hamburg und den verharmlosenden Analysen durch ihn und Palikuca war er nicht einverstanden, das wurde er auch gerne los. "Was da wegen einer schlechten Halbzeit  alles kaputtgeredet wurde - Wahnsinn", sagte der 49-Jährige zu den ständigen Berichterstattern. Man habe doch gut trainiert in der Vorbereitung "und wir haben auch einen Plan", bekräftigte Keller. 

Das taktische Konzept am Sonntag entsprach der zugespitzten Situation: Der Club stellte sich hinten rein und ließ Sandhausen machen. "Wir haben den Ball in der ersten Halbzeit gerne abgegeben", sagte Keller. Das ging aus mehreren Gründen gut. Das Führungstor glückte schon in der zwölften Spielminute und es war nicht zu verteidigen. Michael Frey drehte seinen Kopfball mit dem Rücken zum Sandhäuser Tor um seinen Gegenspieler herum genau ins Tordreieck. Die Flanke war von Philip Heise gekommen. Die Norwich-Leihgabe zeigte als Linksverteidiger anstelle des angeschlagenen Tim Handwerker nicht nur wegen seines Assists ein gutes, selbstbewusstes Debüt.

"Da wusste ich, es wird ein guter Tag heute"
Nürnbergs Torwart Christian Mathenia über seinen gehaltenen Elfmeter

Ein weiterer Erfolgsfaktor hieß Christian Mathenia. Großartig drehte er einen Kopfball-Aufsetzer von Sandhausens Torjäger Kevin Behrens um den Pfosten und verhinderte den schnellen Ausgleich (16.).  In der zweiten Hälfte hätte es noch einmal spannend werden können, als Mathenia im Herauslaufen den durchgebrochenen Mario Engels im Strafraum von den Beinen holte. Doch den fälligen Elfmeter, den Leart Paqarada allerdings wenig platziert schoss, wehrte er ab (63.). "Es freut mich, dass ich der Mannschaft damit helfen konnte", sagte der Schlussmann, der nach dem Kniescheibenbruch erst wieder sein zweites Pflichtspiel bestritt. Genauso wichtig sei aber gewesen, wie Konstantinos Mavropanos dem Gegner den Nachschuss "vom Schlappen gegrätscht" habe. "Da wusste ich, es wird ein guter Tag heute", sagte der Torwart.  

Eine Schlüsselszene am Sonntagmittag: Club-Torwart Christian Mathenia hält den von ihm selbst verschuldeten und von Sandhausens Leart Paqarada getretenen Elfmeter.
Eine Schlüsselszene am Sonntagmittag: Club-Torwart Christian Mathenia hält den von ihm selbst verschuldeten und von Sandhausens Leart Paqarada getretenen Elfmeter. Foto: Timm Schamberger

Auch in den zweiten Spielabschnitt war der Club mit einem Tor gestartet. Johannes Geis fand in einer Umschaltsituation den sprintenden Robin Hack, der in der Ballmitnahme sein ganzes großes Talent zeigte und abgebrüht auf 2:0 erhöhte (53.). Hack vergab später noch das 3:0, als er die Kugel nach einer Hackenvorlage von Frey neben den Kasten jagte (75.).

Sandhausen hatte am Ende deutlich mehr Ballbesitz (57 Prozent) als der Club und war spielerisch die bessere Mannschaft, aber Koschinat vermisste "die absolute Durchschlagskraft" und ordnete die Niederlage deshalb als durchaus verdient ein. Dass die Gäste trotz vieler Flanken  nicht zu allzu vielen Chancen kamen, war das Verdienst der neu formierten, aufmerksamen Nürnberger Viererkette, in die auch Asger Sörensen (für den an Rückenproblemen leidenden Margreitter) und Oliver Sorg (anstelle von Mühl) gerückt waren.  Seine Qualitäten  - Physis, Stellungsspiel und offensive Denkweise - zeigte erstmals Arsenal-Leihgabe Mavropanos, dem Keller gar überschwänglich ein "Weltklasse-Spiel" bescheinigte.

"Für uns geht es jetzt darum, das Spiel richtig einzuordnen. Es war nur ein Sieg", warnte Mathenia vor zu viel Überschwang in der Noris. Dass in der Tabelle alle Klubs so dicht zusammenstehen, birgt Chancen und Risiken gleichzeitig. Am nächsten Samstag in Osnabrück wird 1:0-Schütze Frey nach seiner Gelb-Roten Karte wegen Foulspiels und anschließenden Meckerns (77.) gesperrt fehlen. Er trug es mit Fassung und versprach: "Es war nicht das Schlimmste in meinem Leben, was ich zum Linienrichter gesagt habe."

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