Leichtathletik:

Jessica Schottdorf eine Klasse für sich

An ihr führt kein Weg vorbei: Jessica Schottorf (links) vom TSV Bad Kissingen schaffte bei den bayerischen Meisterschaften auch im Sprint den Durchbruch. Neben dem Sieg im Hürdenlauf durfte sie sich zudem über Silber im Finale über 60 Meter freuen. Foto: Fotos (3): Reinhold Nürnberger

Bei den bayerischen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten führte über die 60 Meter Hürden kein Weg an Jessica Schottorf vorbei. Neben dem Hürdentitel freute sich die 16-Jährige vom TSV Bad Kissingen zudem über Silber im Sprint über 60 Meter. Platz zwei sicherte sich mit einer starken Leistung auch Ivane Antonov (Bad Kissingen /LAC Quelle Fürth) im Dreisprung der Aktiven. Sein Bruder Dimitri musste den Wettkampf verletzt aufgeben, wurde aber dennoch Dritter. Auf einen hervorragenden Bronzerang lief über 3000 Meter der Jugend U18 zudem Maja Betz vom SC Ostheim, während Annika Kirchner aus Wollbach mit dem Frauenteam des LAC Quelle Fürth einmal mehr Gold über 4x400 Meter gewann. Vordere Platzierungen gab es zudem für Nick Przeliorz vom TSV Münnerstadt, sowie für Lynn Humpert und Lena Schröter vom TSV Bad Kissingen.

Das für sie reservierte Gold über 60 Meter Hürden der Jugend U18 abgeholt – und Silber im Sprint über 60 Meter gewonnen. So könnte man durchaus den Auftritt von Jessica Schottorf in der Münchener Leichtathletik-Halle am Olympiazentrum sehen. Die Badestädterin, die im letzten Jahr auf der Hürdenstrecke Außergewöhnliches leistete, gehörte im Sommer nicht einmal zu den 20 besten Sprinterinnen im Freistaat. Aber schon im Vorlauf über die flachen 60 Meter trat sie erfrischend locker auf und erzielte mit 7,97 Sekunden nicht nur eine persönliche Bestleistung, sondern lieferte auch gleich mal die beste Zeit ab. Im Schongang absolvierte sie anschließend ihr Halbfinale. Nur zwei andere Sprinterinnen im zweiten Semifinale waren da noch schneller. Trotz ihrer starken Vorlaufzeit, war sie vor dem Finale keinesfalls nervös, denn favorisiert waren die Anderen. Am Ende musste sie nach einem starken Finish nur Elene Paglinarini von den LG Stadtwerke München den Vortritt lassen.

Persönliche Bestzeit

Aber um die Mission Gold im Hürdenlauf zu erfüllen, musste Schottorf am zweiten Tag schon alles geben. „Ich war vor dem Finale so richtig aufgeregt und nervös. Der Start im Vorlauf war bescheiden, wodurch die Zeit nicht besonders gut wurde“, gestand die Gymnasiastin. Bis 20 Meter vor dem Ziel lag im Finale Sophia Lamptey von den LG Stadtwerken München nahezu gleichauf. Die Bad Kissingerin machte aber über die letzten beiden Hürden alles klar und wurde mit persönlicher Bestzeit von 8,86 Sekunden – nach dem Freilufttitel im letzten Jahr – nun zum zweiten Mal bayerische U18-Meisterin.

Über die 200 Meter – auch da gehörte sie durchaus zu den Titelaspirantinnen – wollte sie nicht mehr antreten. „Ich kann mich mit dieser Strecke einfach nicht anfreunden, die Hallenrunde ist immer so anstrengend. Da laufe ich doch viel lieber die Hürden“, erklärte sie und schob nach der Siegerehrung sogar noch ein Sonder-Hürdentraining ein. „Wenn man schon in einer solchen Leichtathletik-Halle ist, die sogar über eine etwa 130 Meter lange Gerade verfügt, muss man dies nutzen“, sagte sie und sprintete noch drei Mal im höchsten Tempo über die ungewohnt höheren U-20-Hürden.

„Im Bad Kissinger Sportpark ist dies im Winter nicht möglich. Bei den kühlen Temperaturen komme ich da nicht an meine Höchstgeschwindigkeit heran“, erläuterte sie die ungewöhnliche Maßnahme und schaute ein wenig neidisch auf die sehr guten Trainingsmöglichkeiten der Münchner Leichtathleten. So mussten diese drei schnellen Trainings-Läufe reichen, um am kommenden Wochenende auch in der Jugendklasse U20 zu bestehen. Da werden dann in Fürth die bayerischen Titelträger in dieser Altersklasse gekürt. Nach den Eindrücken der letzten zwei Wochen, dürfte Schottorf auch bei den älteren Jugendlichen ein Wörtchen bei der Medaillenvergabe mitreden können.

Mit dem Regensburger Manuel Ziegler war im Dreisprung der Aktiven der beste Deutsche des letzten Jahres am Start. Der Domstädter gewann am Ende mit der neuen deutschen Jahresbestleistung von 15,85 Meter vor Ivane Antonov. Der Bad Kissinger kam auf 15,35 Meter und zeigte sich vor allem im Anlauf verbessert. Noch nie war der 17-Jährige so stark in die Hallensaison gestartet. Die Tatsache, dass er diese Weite noch im sechsten und damit letzten Versuch erzielte, zeugt von einer enorm starken Physis des Nationalkaderathleten, der damit in der deutschen Rangliste auf Rang vier gelistet wird. „Ja mit meiner Leistung bin ich sehr zufrieden. Der Formaufbau hinsichtlich den Deutschen Meisterschaften, die am 22. und 23. Februar in Leipzig ausgetragen werden passt“, freute sich Ivane Antonov.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht landete Dimitri Antonov im dritten Versuch des Dreisprungwettbewerbs der Aktiven in der Sandgrube. Schon zuvor machte dem WM-Dritten der Jugend U18 eine Verstauchung im Sprunggelenk zu schaffen, weshalb er den Wettkampf dann sicherheitshalber beendete. So standen am Ende lediglich 15,01 Meter aus dem zweiten Versuch zu Buche, die den dritten Rang bedeuteten. Vater und Trainer Dimitri gab hinsichtlich der Verletzung Entwarnung. „Nichts Ernstes, in der kommenden Woche kann er bei den bayerischen Jugendmeisterschaften wieder starten“.

Annika Kirchner wechselte vor etwas mehr als zwei Jahren mit Isabell Hergenröther und den Antonovs zum LAC Quelle Fürth. Die Wollbacherin ist seitdem eine verlässliche Staffelläuferin für die Mittelfranken. Die 17-Jährige, die in diesem Jahr erstmals in der U20 startberechtigt ist, wurde vom mittelfränkischen Traditionsverein in München über 4x400 Meter der Frauen aufgeboten. Dass alleine ist bei der Leistungsbreite der Fürtherinnen schon meist eine Medaillengarantie bei Landesmeisterschaften. So war es nicht verwunderlich, dass Annika Kirchner zusammen mit ihren Staffelkolleginnen in 3:57,90 Minuten erneut den Titel holte. Für die Auszubildende, die nach wie vor alle Trainingseinheiten beim TSV Bad Kissingen absolviert, war dies bereits die achte Staffelmedaille bei Bayerischen. In der kommenden Woche wird, wenn alles gut geht, wohl eine weitere Plakette hinzu kommen. Kirchner läuft dann in Fürth die 4x200 Meter der U20. Aber auch im Einzelrennen über 200 Meter würde sie ihren bisher zwei Podestplätzen gerne einen weiteren hinzufügen.

Beeindruckende Entwicklung

„Ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich dies geschafft habe“, erzählte Nick Przeliorz vom TSV Münnerstadt freudestrahlend nach dem Finale über 60 Meter der U18. Gerade durfte sich der 15-Jährige aus Nüdlingen mit den besten Sprintern im Freistaat messen und wurde Achter. Auch Trainer Bernd Neumann war mächtig stolz, was sein Schützling gerade geleistet hat: „Wenn man bedenkt, dass der Nick gerade einmal seit eineinhalb Jahren Leichtathletik betreibt, ist dies beeindruckend.“ In 7,43 Sekunden als Sieger seines Vorlaufes, sowie 7,41 Sekunden im Halbfinale und dann noch 7,42 Sekunden im Finale rief Przeliorz in München ein konstant hohes Niveau ab. Auffallend auch sein lockerer Laufstil, mit dem er sicherlich auch auf den längeren Sprintstrecken für Erfolge sorgen dürfte.

Lena Schröter vom TSV Bad Kissingen machte in der Jugend U18 mit einem offensiven Lauf über 200 Meter ihr Vorlauf-Aus über 60 Meter wieder einigermaßen wett. Die 16-Jährige aus Arnshausen kam über die Hallenrunde nahe an ihre Freiluftbestzeit heran und wurde in 27,58 Sekunden Siebte. Teamgefährtin Lynn Humbert wurde im gleichen Wettbewerb Neunte. Eine noch bessere Platzierung gab es für die Garitzerin am ersten Wettkampftag. Da startete die Gymnasiastin über die 400 Meter, teilte sich ihr Rennen gut ein und lief in persönlicher Bestzeit von 63,50 Sekunden auf den fünften Rang.

Die Wollbacherin Annika Kirchner (Quelle Fürth) fügte ihrer umfangreichen Medaillensammlung eine weitere Goldene hinzu.
Lynn Humpert vom TSV Bad Kissingen verbuchte über die 400-Meter-Strecke in der Jugend U18 den fünften Rang.
Ivane Antonov (Bad Kissingen/LAC Quelle Fürth) feierte mit Silber einen vielversprechenden Einstieg in die Aktivenklasse.

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