BAD KISSINGEN

Die Serie ist gerissen

Sieben Pflichtspiele in Folge hatte der TSV Aubstadt gegen Großbardorf nicht verloren
Innenverteidiger Ronny Mangold (links) und Torwart Simon Voll waren Garanten des Großbardorfer 1:0-Siegs in Aubstadt. Foto: Rudi Dümpert

Fussball

Bayernliga Nord TSV Aubstadt –

TSV Großbardorf 0:1 (0:1)

Der Wunsch von Dominik Schönhöfer, Trainer des TSV Großbardorf vor dem Derby in der Bayernliga Nord beim TSV Aubstadt klang ganz bescheiden: „So lange wie möglich dagegen halten und endlich mal ein anderes Ergebnis mitnehmen.“ Am Ende konnte seine Mannschaft ja fast nicht mehr mithalten und benötigte bei Pfostenschüssen des Gegners auch die Zuneigung von Glücksgöttin Fortuna, um den 1:0-(1:0)-Sieg über die Zeit zu retten. Diese wiederum muss vorher ganz genau zugeschaut haben und ließ Gerechtigkeit walten. Möglich war die totale Wende des Spiels tatsächlich noch in den letzten fünf Minuten. Verdient wäre sie indes nicht gewesen für den Tabellenzweiten TSV Aubstadt.

„Das war ein verdienter Sieg für Großbardorf, da gibt es überhaupt nichts zu diskutieren“, räumte Aubstadts Kapitän Julian Grell ein, „sie hatten mehr Willen gehabt, waren von Anfang an aggressiver und zielstrebiger, während wir alles haben vermissen lassen, was wir uns vorgenommen hatten und was wir zu leisten imstande sind, ich auch.“ Nein, diesmal hatte das Grabfeld-Derby in der Bayernliga Nord einen anderen Sieger als in den vergangenen sieben Begegnungen, in der Liga und im Pokal.

Dass es der Gäste-TSV war, der mit drei Niederlagen in Serie angereist war, das war nicht allein jenen ungeschriebenen Gesetzen von Derbys geschuldet, sondern der engagierteren, mit weniger Fehlern behafteten, einfach besseren Spielweise der Grabfeld-Gallier.

Während die Gastgeber, bis dato immerhin Tabellenzweiter, mit der Favoritenrolle in keiner Phase der Partie zurechtkamen und nur hinten sicher wie immer standen, im Spielaufbau aber unerklärlich fehlerbehaftet agierten. Der jüngste Gallier, Ronny Mangold, der noch nie ein Derby gespielt hatte, sah gerade in den drei Niederlagen den Grund für seinen bisher größten Triumph in Großbardorfer Grün: „Am Anfang war ich etwas nervös vor dieser Kulisse. Das hab ich aber in den Griff bekommen. Und jetzt hinterher bin ich einfach überglücklich. Ich habe schon vor dem Spiel an einen Sieg geglaubt, weil uns diese drei Niederlagen den entscheidenden Ruck gegeben haben, dass wir noch mehr machen müssen.“

Freilich gehörte bereits eine Portion Glück zum Tor des Tages. André Rieß? 28-Meter-Freistoß wurde vom Kopf des Aubstädters Daniel leicht abgelenkt und dadurch für den ausgezeichneten Keeper Benedikt Stöcker unerreichbar. Andererseits demonstrierten die Grünen auch, dass man das Glück zwingen kann, hatten sie keine zehn Minuten zuvor noch mächtig Pech, als sie nach Marcel Hölderles Verletzung ihr Defensivzentrum neu ordnen mussten. Hölderle war nach einem Zweikampf mit Michael Dellinger auf den Deckel eines Rasensprengers gestürzt, hatte sich eine tiefe Wunde zugezogen und musste mit dem Sanka ins Krankenhaus gebracht werden.

Typisch Derby

Die erste Halbzeit war wieder mal typisch Derby: viel Tempo, hohe Laufbereitschaft, nicht einmal so viel Respekt voreinander, als dass darunter und unter der Taktik das Spiel gelitten hätte. Es waren vielmehr diese vielen Stockfehler, vorwiegend bei den Aubstädtern, bei denen jeder Einzelne im Mittelfeld neben der Spur lief und seinem direkten Gegenüber unterlegen war. Balleroberungen jede Menge, aber zu einem echten Umschaltspiel kam es nie. Dafür standen die Großbardorfer von hinten bis vorne zu sicher. Und vorne hing mit Julian Grell die eine Spitze in der Luft. Er konnte sich nur auszeichnen, wenn es um Abwehrarbeit ging. „Wir haben uns in der ersten Halbzeit schwer getan. Da waren wir auf allen Positionen nicht auf Derbyniveau. Da hat?s beim einen oder anderen an der Motorik gefehlt“, seufzte Josef Francic, der Trainer des TSV Aubstadt.

Schließlich hatte Schönhöfer draußen die richtigen Register gezogen, ließ er nach dem für ein Derby relativ frühen ersten Tor weiter munter angreifen und nahm Aubstädter Aufbegehren frühzeitig den Wind aus den Segeln. Die Führung der Gäste war demnach zur Halbzeit ohne Frage verdient. „Wir hatten nämlich in der Umschaltbewegung noch zwei, drei gute Möglichkeiten nach vorne“, sagte Schönhöfer.

Großbardorf dem zweiten Tor nah

Und nach Wiederbeginn machten sie dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Es deutete vieles darauf hin, dass sie den Schlüssel zum Sieg in der Hand hielten und das Ding durchziehen würden: Mit hohem Ballbesitzanteil nichts anbrennen lassen. 30 Meter vor ihrem Tor war Endstation für die Aubstädter Offensive, der viel zu lange jede Durchschlagskraft abging. Ihre Aktionen wirkten wie gelähmt, das 0:2 lag näher als der Ausgleich. Besonders André Rieß ragte in der ersten Phase nach der Halbzeit heraus, er scheiterte im Solo-Umschaltspiel aber mit seinem Abschluss an Benedikt Stöcker, der ein fehlerloses Spiel zeigte. Und Grabfeld-Gallier-Kapitän Manuel Leicht beförderte den Ball mit einem Heber auf die Lattenoberkante.

Nur als Francic auf Dreierkette umgestellt und Christoph Schmidt und Steffen Behr eingewechselt hatte, kamen die Aubstädter für etwa zehn Minuten mit Wucht und den ersten drei Torschüssen zwischen der 62. und 64. Minute. Seufert klärte Dellingers Kopfball (66.) für seinen ausmanövrierten Tormann Simon Voll auf der Linie. Dann war der Spuk aber auch schon wieder vorbei. Auf der anderen Seite wurde nämlich Stöcker noch zwei Mal von Shaban Rugovaj und Lennart Seufert geprüft. Und erst in der Schluss-Viertelstunde zeigten die Gastgeber endlich, weshalb sie so weit vorne in der Tabelle stehen. „Wir waren 70 oder gar 80 Minuten lang die bessere Mannschaft. Wir haben es fast bis zum Schluss sehr gut gemacht, uns dann aber selber das Leben schwer gemacht, weil wir sehr tief gestanden waren und viele Standards gegen uns hatten. Dabei stand allerdings auch das Glück auf unserer Seite“, sah es der Großbardorfer Mittelfeldmotor Stefan Piecha.

Dabei rettete der Großbardorfer Keeper Simon Voll, Vertreter des grippegeschwächten Marcel Wehr, mehrmals mit Klasse-Paraden, hatte bei Martin Thomanns Freistoß an den Pfosten und Christoph Schmidts 18-Meter-Schuss an dieselbe Stelle Fortuna als Patin: Erzwungenes Glück, verdientes Glück, verdienter Sieg, „anderes Ergebnis“ für Dominik Schönhöfer, der fand: „In der letzten Viertelstunde wurde es noch einmal brenzlig, weil Aubstadt dann mit hohen, langen Bällen kam, die wir nicht verteidigen konnten. Da hat uns das Glück freilich auch geholfen. Taktisch konnten wir es nicht besser machen. Die Jungs haben ein unglaublich gutes Spiel abgeliefert.“

Was den Aubstädtern in den Schlussminuten gegen Forchheim und die Würzburger Kickers II gelungen war, das Spiel noch zu drehen, war mit Großbardorf nicht zu machen. „Wenn du kein Tor machst, hast du auch verdient verloren“, fasste Francic die 90 Minuten zusammen. Und Angreifer Christoph Schmidt dachte schon voraus: „Für uns heißt?s jetzt Mund abputzen, Kopf hoch und in Sand Wiedergutmachung betreiben.“

Aubstadt: Stöcker – Feser, Benkenstein (55. Behr), Köttler, Grader – D. Leicht – Dellinger, Trunk, Thomann, Kleinhenz (46. Schmidt) – Grell (74. Müller).

Großbardorf: Voll – Zang, Mangold, Hölderle (23. Rugovaj), Seufert – Piecha, Illig – Rieß (90. Dinkel), Zehe, Schönwiesner – M. Leicht (78. Mosandl).

Tor: 0:1 Daniel Leicht (32., Eigentor).

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