Münnerstadt

Als der 1. FC Nürnberg die Mürschter abschoss

15 Treffer auf dem "Semi-Platz": Vor 45 Jahren sahen die Fans ein Tor-Festival.
Die Chance auf den Ehrentreffer vergibt Münnerstadts Heinz Masurek, denn dessen Strafstoß pariert Nürnbergs Keeper Gerhard Hummel vor den 1500 Fans auf dem Seminar-Sportplatz. Fotos: Stadtarchiv Münnerstadt/Gerhard Fuhrmann       -  Die Chance auf den Ehrentreffer vergibt Münnerstadts Heinz Masurek, denn dessen Strafstoß pariert Nürnbergs Keeper Gerhard Hummel vor den 1500 Fans auf dem Seminar-Sportplatz. Fotos: Stadtarchiv Münnerstadt/Gerhard Fuhrmann
| Die Chance auf den Ehrentreffer vergibt Münnerstadts Heinz Masurek, denn dessen Strafstoß pariert Nürnbergs Keeper Gerhard Hummel vor den 1500 Fans auf dem Seminar-Sportplatz.

SV Münnerstadt ? Kein Schreibfehler , denn im Jahr 1976 fehlte dem größten Sportverein der Stadt tatsächlich noch das "T". Ebenfalls von der Geschichte überholt ist der Austragungsort der mit Spannung erwarteten Partie gegen den 1. FC Nürnberg . Gekickt wurde nämlich auf dem Seminar-Sportplatz, der später der Umgehungsstraße zum Opfer fiel. Der damalige Zweitligist wollte auf Rasen spielen, war bei der Besichtigung des üblichen SV-Geläufes aber geradezu entsetzt. Die Lauertal-Elf trug ihre Heimspiele auf dem gefürchteten Schlacke-Platz an der B 19 aus, heute von einem Einkaufsmarkt und anderen Unternehmen genutzt. "Auf diesem Platz spielen wir auf keinen Fall", drohten die Nürnberger mit einer Absage.

Auf Intervention des SV-Vorsitzenden Peter Will, der vor dem Umzug ins Sportzentrum noch die Fusion der Fußballer mit dem TV Münnerstadt einfädelte, erklärten sich die Augustiner um den fußballbegeisterten Prior Pater Germanus Back bereit, ihr super gepflegtes Rasengeviert zur Verfügung zu stellen, trotz der leicht beengten Verhältnisse um das Spielfeld herum. Eine weise Entscheidung, denn an diesem 31. Juli herrschte Schmuddelwetter, der Platz "Schwarze Erde" war bereits am Vormittag pfützenübersät und hätte kaum ein ordentliches Spiel zugelassen.

Jürgen Täuber startet den Torreigen

Zur Freude der Fans war der "Club" mit sämtlichen Stars angereist, wie sich auch der defensive SV-Mittelfeldakteur Gerd Zeitler erinnert, der später diverse Vorstandsämter im Verein wahrnahm. Nach einer Bilderbuchkombination begann der Torreigen mit dem Treffer von Jürgen Täuber. SV-Keeper Gerold Lumpe, der lange Jahre im Kasten der Mürschter stand und nach seinem Umzug nach Niederlauer dort im Alter von 50 Jahren seine Karriere beendete, hatte kaum Verschnaufpausen. Mitten in die Drangperiode der Gäste platzte ein Foul von Kurt Geinzer an SV-Spielmacher Roland Königer, doch beim fälligen Strafstoß scheiterte Libero Heinz Masurek an FC-Keeper Gerhard Hummel. Die Szene schien die Mannen des im Jahr 2015 verstorbenen FC-Coach Horst Buhtz, der kurz zuvor von Borussia Dortmund zu den Franken gewechselt war, zu reizen. Insbesondere der überragende Spielmacher und Mannschaftskapitän Slobodan Petrovic, der seit 1972 an der Noris war und den Club 1978 mit vielen wichtigen Toren zurück in die Bundesliga führen sollte, war nicht zu stoppen.

Ehrgeizige Profis

Die bemitleidenswerte Aufgabe, diesen serbischen Ballkünstler zu stoppen, hatte SV-Trainer Robert Lutz an Wolfgang Röhlinger übertragen. "Ich habe vielleicht zwei Zweikämpfe gewonnen, bevor ich nach einer Stunde verletzt den Rasen verlassen musste", so Röhlinger . Aber auch die anderen SV-Akteure rannten ihren Gegenspielern meist hinterher. "Zu Offensivaktionen fanden wir kaum", ergänzt der technisch versierte und laufstarke Peter "Petri" Müller. Befreiungsschläge nahm vornehmlich Roland Königer an, der streng bewacht von Günter Dämpfling auf Einzelaktionen angewiesen war und die etatmäßigen Stürmer Horst Dallner und Gottfried Straub nur selten in aussichtsreiche Schusspositionen brachte. Da nutzte Straub - der Nüdlinger war der einzige "Legionär" bei den Hausherren - seine Schnelligkeit nichts, denn sein Gegenspieler Uli Pechtold hatte noch mehr Speed. Vom Ehrgeiz des Gastes konnte Königer ein besonderes Lied singen: "Ich wurde von Günter Dämpfling einmal recht rüde von den Beinen geholt. Als ich ihn fragte, ob er das nötig habe, meinte er entschuldigend, wir haben die Anweisung unseres Trainers erhalten, keinen Gegenspieler durchlaufen zu lassen."

Branislav Krstic, der eiskalte Vollstrecker

Beim Gang in die Kabine lagen die Mittelfranken bereits mit 9:0 in Front. Dabei tat sich besonders der andere Serbe im Gäste-Team, Branislav Krstic, als eiskalter Vollstrecker hervor. Nach dem Wechsel war der für Torjäger Hans Walitza eingewechselte Klaus Täuber nicht mehr zu stoppen. An Walitza hat Michael Pfister übrigens keine gute Erinnerung: "Bei einem Kopfballduell mit ihm landete ich so unglücklich, dass ich mir eine schwere Knieverletzung zuzog, die mich monatelang zur Pause zwang", so der ehemalige SVler. Die heimische Offensive trat nur bei Straub-Chancen in Erscheinung, ein Ehrentreffer blieb den Mürschter Jungs nicht vergönnt. Weitere Gegentreffer verhinderten neben Lumpe die Außenverteidiger Guntram Röhlinger und Michael "Mike" Böhmer. Letzterer war Seminarist und Klassenkamerad von Königer und hatte sich schon in Juniorenzeiten das SV-Trikot übergestreift. "Mike war ein flinker Verteidiger mit Offensivdrang, war Mannschaftskapitän, ist aber leider 2013 nach Krankheit verstorben", weiß Kumpel Königer zu berichten.

Smalltalk auf Augenhöhe

Positiv haften blieb, dass die berühmten Gäste weder im Spiel noch danach beim gemeinsamen Zusammensein im "Bären", dem späteren Cafe Winkelmann, hochnäsig oder arrogant auftraten. Zu diesem Zeitpunkt hatten Peter Will und seine Mitstreiter ziemliche Kopfschmerzen, denn statt der erhofften 5000 Zuschauer hatten sich witterungsbedingt nur 1500 eingefunden, damit war die Gage des 1. FCN nicht zu finanzieren. "Doch die Gäste vom Valznerweiher hatten ein Einsehen und reduzierten ihre ursprüngliche Forderung auf ein für unseren Verein erträgliches Maß", weiß Gerd Zeitler.

SV Münnerstadt - 1. FC Nürnberg 0:15 (0:9).

Tore Branislav Krstic (3), Jan Majkowski (3), Klaus Täuber (3), Uli Pechtold, Hans Walitza , Norbert Eder , Manfred Rüsing , Slobodan Petrovic, Jürgen Täuber (je 1).

Münnerstadt Gerold Lumpe - Guntram Röhlinger , Heinz Masurek, Heinrich Koch , Michael Böhmer - Peter Müller , Gerd Zeitler, Roland Königer, Wolfgang Röhlinger - Gottfried Straub, Horst Dallner. Eingewechselt: Klaus Koch , Michael Pfister, Reinhold Büttner.

Nürnberg Gerhard Hummel - Jürgen Täuber (75. Manfred Rüsing ), Ulrich Pechtold , Walter Lachmann (46. Norbert Eder ), Günter Dämpfling - Kurt Geinzer (57. Reinhold Schöll), Dieter Lieberwirth (46. Walter Lachmann), Slobodan Petrovic, Jan Majkowski - Branislav Krstic, Hans Walitza (46. Klaus Täuber).

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