Wartmannsroth

Als in Wartmannsroth 50 Pfennige clever investiert wurden

Beim Aufstieg in die B-Klasse hatte Trainer Reinhold Halbleib tief in die Trickkiste gegriffen, um den Ehrgeiz anzustacheln.
Unser Bild zeigt die Aufstiegs-Mannschaft der SpVgg Wartmannsroth aus der Saison 1986/87 nach dem Relegationssieg in Schlimpfhof mit (hinten, von links) Trainer Reinhold Halbleib, Manfred Schneider, Thomas Kleinhenz, Klaus Wehner, Claus Schaidt, Gerhard Appel, Wilfried Biemüller, Dieter Schaidt, Peter Koch, Betreuer Richard Koberstein und Vorsitzendem Otto Leibl sowie (vorne, von links) Josef Mützel, Holger Kleinhenz, Bernd Richter, Wolfgang Appel, Günter Morper und Heinz Iten. Foto: Seufert       -  Unser Bild zeigt die Aufstiegs-Mannschaft der SpVgg Wartmannsroth aus der Saison 1986/87 nach dem Relegationssieg in Schlimpfhof mit (hinten, von links) Trainer Reinhold Halbleib, Manfred Schneider, Thomas Kleinhenz, Klaus Wehner, Claus Schaidt, Gerhard Appel, Wilfried Biemüller, Dieter Schaidt, Peter Koch, Betreuer Richard Koberstein und Vorsitzendem Otto Leibl sowie (vorne, von links) Josef Mützel, Holger Kleinhenz, Bernd Richter, Wolfgang Appel, Günter Morper und Heinz Iten. Foto: Seufert
| Unser Bild zeigt die Aufstiegs-Mannschaft der SpVgg Wartmannsroth aus der Saison 1986/87 nach dem Relegationssieg in Schlimpfhof mit (hinten, von links) Trainer Reinhold Halbleib, Manfred Schneider, Thomas Kleinhenz, ...

Unverhofft kommt oft. So hieß es jedenfalls bei der SpVgg Wartmannsroth am Ende der regulären Saison 1986/87. Denn die schlossen die Kicker vom Lenzenberg in der C-Klasse 13 auf den letzten Drücker mit Platz Zwei ab, womit eigentlich nicht mehr zu rechnen war. "Wir hatten eine Runde mit nicht gerade konstanten Leistungen absolviert", erinnert sich Peter Koch . "In der Vorrunde waren wir der härteste Konkurrent des späteren Meisters TSV Euerdorf, in der Rückrunde verloren wir zusehends an Boden und rutschten vor dem letzten Spieltag hinter dem FC Elfershausen auf den dritten Platz ab", so der damalige Mannschaftskapitän.

Damit schienen sich die Aufstiegshoffnungen erledigt zu haben. Diese hatte insbesondere Coach Reinhold Halbleib gehegt, der ein Jahr zuvor mit der SG Oberleichtersbach die C-Klassen-Meisterschaft gefeiert hatte. Denn am letzten Spieltag sollte ein Sieg der Elfershäuser beim Schlusslicht SV Pfaffenhausen nur eine Frage der Höhe zu sein, während die Spielvereinigung vor einer wesentlich höheren Hürde gegen den SV Wittershausen stand. "Wir haben uns aber nicht aufgegeben, gewannen mit 3:0 und warteten mit Spannung auf das Ergebnis aus Pfaffenhausen", erinnert sich Koch an bange Minuten. Als dort der Abpfiff ertönte, hieß es 3:3. "Wir konnten es kaum glauben, denn damit war ein Entscheidungsspiel um die Vizemeisterschaft notwendig", staunte nicht nur Peter Koch , der in den folgenden zehn Jahren die Spielführerbinde trug, von 1995 bis 2003 als Herren- und Juniorentrainer fungierte, die nächsten zehn Jahre das Amt des 1. Vorsitzenden bekleidete und aktuell als Platzwart für ein von allen Teams hochgelobtes Geläuf sorgt.

Die Abwehr war das Prunkstück

Auf neutralem Geläuf in Untererthal gingen die Halbleib-Schützlinge als leichter Außenseiter in die Partie, denn bei den zwei Saison-Duellen siegte der FC in Wartmannsroth mit 2:0, das Rückspiel endete 1:1. Dieser Favoritenrolle schienen die Elfershäuser auch gerecht zu werden, die sich in der ersten Viertelstunde eine optische Überlegenheit erarbeiteten, ohne aber die massierte Deckung des Kontrahenten in Verlegenheit bringen zu können. "Die Abwehr war unser Prunkstück", weiß Wilfried Biemüller, damals einer der Routiniers im Team. "Unsere Taktik beruhte auf einer konzentrierten Abwehrarbeit. Die Offensive sollte über Konter geführt werden", ergänzt Peter Koch .

Der Halbleib'sche Plan ging erstmals auf, als Torjäger Bernd Richter aus 25 Metern abzog und FC-Keeper Gehring keine Abwehrchance ließ. Mit der Führung im Rücken zog sich die Spielvereinigung wieder zurück, ließ den Gegner anrennen und konterte diesen kurz vor dem Seitenwechsel ein zweites Mal aus. Neuerlich bewies Linksfuß Richter Durchschlagskraft, schüttelte zunächst seinen Gegenspieler ab, um dann den etwas zögerlich herauslaufenden Goalie zu umkurven.

Nach dem Seitenwechsel sahen Richter & Co keinen Grund, von der erfolgreichen Taktik abzuweichen, massierten nun das Mittelfeld mit einer Viererkette und versuchten weiter die Null zu halten. Als es nach einer Stunde dann doch hinter Keeper Wolfgang Appel, "wahrscheinlich der beste aller damaligen C-Klassen-Torhüter", so Peter Koch , einschlug, geriet das Wartmannsröther Abwehrgefüge in Wanken. Es fiel aber nicht, weil der Gegner zum Teil fahrlässig bei der Chancenverwertung agierte. Die Halbleib-Elf setzte Nadelstiche und entschied die Begegnung mit einem weiteren Richter-Doppelpack. Erst erhöhte Wartmannsroths Torjäger per Kopf nach der Flanke von Holger Kleinhenz, um seinen Sahnetag mit einem unhaltbaren Geschoss zum Endstand von 4:1 perfekt zu machen.

Sonderbewachung für Alexander Knüttel

Auf den Sieger wartete nun der TV Jahn Winkels, der im ersten Relegationsspiel dem TSV Oerlenbach mit 3:0 das Nachsehen gegeben hatte. Bei diesem Match waren die Wartmannsrother Zaungäste und kamen zur Erkenntnis, "dass wir nur eine Chance haben würden, wenn wir den überragenden Jahn-Torjäger Alexander Knüttel an die Leine legen würden", so SpVgg-Vorstopper Wilfried Biemüller . Vor 350 Zuschauern ließen die Wartmannsrother auf dem Schlimpfhofer Rasen den Worten Taten folgen: Knüttel erhielt eine wenig zimperliche Doppelbewachung. So erhielt Klaus Wehner nach grobem Foul an Knüttel früh Gelb, kassierte später nach neuerlicher unfairer Attacke eine 10-Minuten-Zeitstrafe und wurde fortan von Peter Koch bei der "liebevollen Beschattung" von Knüttel ersetzt. Als auch Koch vom Platz zu fliegen drohte, durfte dessen Schwager Wilfried Biemüller ran.

Torszenen waren Mangelware, weil sowohl Wolfgang Appel wie auch sein Pendant auf der Gegenseite, Helmut Kriener, nichts anbrennen ließen. Höhepunkte waren ein Knüttel-Schuss ans Lattenkreuz (31.) und ein Pfostenschuss von Richter (71.). "Seine größte Tat vollbrachte unser Torhüter , als er nach einer Winkelser Ecke von einem verunglückten Flugkopfball eines unserer Verteidiger geprüft wurde, das Leder aber richtig lässig wegfischte", hat Biemüller im Gedächtnis. Die Partie endete damit nach 90 Minuten torlos.

Jeder Fehlschuss kostet

"Vor der Verlängerung hatten wir keine Angst, denn wir waren durch die große Trainingsbeteiligung gnadenlos fit", so Biemüller. Da auch zwischen der 91. und 120. Minute kein Treffer zu notieren oder zu bejubeln war, fiel die Entscheidung im Elfmeterschießen . "Auch davor war mir persönlich nicht bange, denn wir haben zum Abschluss eines jeden Trainings auf Geheiß unseres Coaches jeweils noch zwei Elfmeter schießen müssen, und zwar einen mit dem schwachen und den anderen mit dem starken Fuß", sagt Biemüller. Damit bei dieser Übung der Ehrgeiz des Schützen, aber auch von Wolfgang Appel angestachelt wurde, wurde jeder Fehlschuss mit der Zahlung von 50 Pfennig, die dann in die Mannschaftskasse wanderten, bestraft. Weil sich Appel zum Elfmeterkiller aufschwang, war die Mannschaftskasse zu Saisonende gut gefüllt.

Erster Schütze im Stechen war Peter Koch . "Ich habe mich vorgedrängt, weil ich dachte, dass ein Fehlschuss meinerseits von den nachfolgenden Mannschaftskameraden noch ausgebügelt werden könnte." Aber Koch verlud Kriener ebenso wie Bernd Richter und Günter Morper, während die Mannen um den Winkelser Spielertrainer Hubert Gahn von drei Schüssen nur zwei im Netz unterbrachten. Den ersten Matchball verwandelte anschließend Heinz Iten, sodass die SpVgg Wartmannsroth , die aktuell in einer Spielgemeinschaft mit Gräfendorf und Dittlofsroda ist, den ersten Aufstieg in der Vereinsgeschichte bejubeln durfte. Noch auf dem Platz nahmen die Spieler ein Sektbad. "Wir hatten eine junge, willige Mannschaft", erinnert sich Wilfried Biemüller. Diese stieg zwar prompt wieder ab, schaffte aber ein weiteres Mal den Aufstieg und kickte über Jahre hinweg in der B-Klasse . Ein möglicher Aufstieg in die Kreisliga, die Ligen waren zwischenzeitlich neu geordnet worden, wurde später in einer verlorenen Relegation verpasst.

SpVgg Wartmannsroth - FC Elfershausen 4:1 (2:0).Tore 1:0, 2:0 Bernd Richter (17., 43.), 2:1 Steffen Berger (62.), 3:1, 4:1 Bernd Richter (72., 87.). Zuschauer (in Untererthal) 300.

SpVgg Wartmannsroth - TV Jahn Winkels 4:1 n. E. (0:0, 0:0). Zuschauer (in Schlimpfhof) 500.

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