Reichenbach bei Münnerstadt

Als der 1. FCN die Massen nach Reichenbach lockte

Die Einweihung ihres Rasenplatzes feiern die Teutonen mit einem Gastspiel des 1. FC Nürnberg, der zur Freude der Fans mit voller Kapelle anreist.
Die Spieler des 1. FC Nürnberg (links) und FC Reichenbach kurz vor Spielbeginn.  Foto: Hopf       -  Die Spieler des 1. FC Nürnberg (links) und FC Reichenbach kurz vor Spielbeginn.  Foto: Hopf
| Die Spieler des 1. FC Nürnberg (links) und FC Reichenbach kurz vor Spielbeginn. Foto: Hopf

5000 Zuschauer auf der Reichenbacher Waldsportanlage? Kein Scherz! Zur Einweihung des neuen Rasenspielfeldes hatten die Teutonen schließlich einen höchst prominenten Gast als Zugpferd gewinnen können: den 1. FC Nürnberg . Der Bundesligist zog die Massen an diesem 10. Juni 1982 auch deswegen an, weil die Schützlinge von Coach Udo Klug ein Spitzenteam stellten, das zwei Wochen zuvor noch das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern bestritten hatte. Die 2:4-Niederlage der Franken dürfte den Fußballexperten noch deswegen in Erinnerung sein, weil der damalige Münchner Mittelstürmer Dieter Hoeneß mit "Turban" und dennoch per Kopf zum Endstand getroffen hatte.

Erfolge auf Sand

Meriten hatten sich freilich auch die Teutonen verdient, die nach dem Abstieg aus der Landesliga in der Saison 1980/81 ein Jahr später mit der Meisterschaft in der Bezirksliga Ost die sofortige Rückkehr schafften. Das alles übrigens auf dem berühmt-berüchtigten Sandplatz. "Auf den neuen Rasenplatz haben wir uns daher wahnsinnig gefreut ", erinnert sich Oswald Wiener . Der damals 26-jährige Torhüter, ein überregional bekannter "Flieger" zwischen den Pfosten, hatte im Frühjahr 1982 zusammen mit Abteilungsleiter Clemens Fuchs das Club-Gastspiel bei einem Besuch am Valznerweiher eingefädelt. "Das war für uns finanziell absolut zu stemmen. Aufgrund des Zuschauerzuspruches hatten wir später sogar ein finanzielles Plus."

Glanztaten zwischen den Pfosten

Das Ergebnis hat der langjährige FC-Zerberus allerdings in wenig guter Erinnerung: Der Gegner schenkte ihm elf Tore ein, wobei die 0:11-Niederlage noch happiger hätte ausfallen können, "wenn Wiener nicht mit Glanztaten Nürnberger Großchancen zunichte gemacht hätte", berichtete mit Erich Schneider der Sportreporter der Heimatzeitung. Erwartungsgemäß erlebten die Zuschauer vom Anpfiff weg eine hochüberlegene Klug-Elf, die nach zehn Minuten bereits mit 3:0 führte.

Erfolgreichster Stürmer des FCN war der gebürtige Hambacher und jetzige Rannunger Trainer Werner Dreßel , der Ossi Wiener viermal das Nachsehen gab. Weitere Nürnberger Tore erzielten Mittelstürmer Werner Heck (3) sowie Brunner, Schöll und Bredel. Der elfte Gegentreffer beruhte auf einem Eigentor von Linksverteidiger Friedrich Seith, dessen Rettungsversuch per Kopf im neuen Tornetz einschlug. Das alles in einem sehr fairen Spiel unter der Leitung von Schiedsrichter Heinz Götschel und seinen Assistenten Rudolf Müller sowie Norbert Kröckel, dem jetzigen Bezirks-Schiedsrichterobmann.

Kargus, der Elferkiller

Die beste Gelegenheit auf den Ehrentreffer bot sich Herbert "Locki" Trägner, der per Strafstoß an Rudi Kargus scheiterte. Der Club-Keeper war ein ausgewiesener "Elfmetertöter". Ansonsten konnte sich Reichenbachs Offensive um Dieter Hergenröther, Michael Nöth und Leander Gerlach nur selten in Szene setzen. Was auch daran lag, dass die Schaltzentrale mit Herbert Trägner, Egon Greubel, und Werner Kirchner vorwiegend mit Defensivaufgaben beschäftigt war zur Unterstützung der Abwehrreihe um Friedrich Seith, Helmut Back, Claus Schmitt und Eugen Back. Spielpraxis gegen die Profis bekamen im Verlauf der Partie zudem Klaus Mainberger, Klaus Katzenberger und Paul Kirchner.

Erinnerungslücken

"Ehrlich gesagt, kann ich mich an dieses Spiel nicht erinnern. Ich müsste es allerdings, denn wann habe ich in einem Spiel schon mal vier Tore geschossen, schmunzelt Werner Dreßel , der im DFB-Pokalfinale die Nürnberger mit 2:0 in Führung geschossen hatte.

Dass ein Bundesligist zu einem solchen Freundschaftsspiel in Bestbesetzung aufläuft, hat heute Seltenheitswert. Bei den "Clubberern" fehlte lediglich Reinhold Hintermaier. Der Mittelfeldakteur befand sich bereits im Trainingslager der österreichischen Nationalmannschaft zur WM-Vorbereitung. Dessen Mannschaftskameraden sahen sich nach dem Abpfiff gerade von den jungen Fans bestürmt, es wurden fleißig Autogrammkarten geschrieben.

Selten war eine zweistellige Niederlage so leicht zu verdauen wie diese. "Das war ein prima Spiel und für alle ein Highlight in der Karriere", weiß Clemens Fuchs.

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