Bad Kissingen

Als Ingo Jungblut den Lokalmatadoren knapp besiegte

Das Rakoczy-Reitturnier war ein sportliches und gesellschaftliches Ereignis in der Kurstadt. Vor 15 Jahren verfolgte eine Rekordkulisse die Wettkämpfe.
Ingo Jungblut (Bild) gewann im Jahr 2005 auf Ricarda das abschließende S-Springen beim Rakoczy-Turnier.  Foto: Hopf       -  Ingo Jungblut (Bild) gewann im Jahr 2005 auf Ricarda das abschließende S-Springen beim Rakoczy-Turnier.  Foto: Hopf
| Ingo Jungblut (Bild) gewann im Jahr 2005 auf Ricarda das abschließende S-Springen beim Rakoczy-Turnier. Foto: Hopf

Was für eine prächtige Kulisse. Und was für ein grandioser Ritt von Ingo Jungblut. "Wunderbarer Flirt mit Ricarda " lautete die Schlagzeile in der Saale-Zeitung am 8. August 2005. Gewidmet dem Sieger-Gespann des finalen S-Springens, das etwa sechstausend Besucher verfolgt hatten. An den fünf Tagen, eine Premiere aufgrund der hohen Zahl von 2000 Einzelstarts von 330 Reitern und 700 Pferde , waren es sogar 12 000 Gäste am schmucken Turniergelände in der Au.

Um ein Haar hätte aber ein Lokalmatador triumphiert. Philippe Meier vom RSG Rhön Detter/Weißenbach hatte in der Siegerrunde nämlich ein kolossal gute Zeit vorgelegt, ohne an einem der sechs Hindernisse zu scheitern. Doch für den 24-jährigen Schweizer, damals Bereiter bei Otto Müller am Reiterhof Rhön, reichte es auf Rabea eben nur zum zweiten Platz, weil im allerletzten Ritt des Tages der Titelverteidiger vom RFV Ronneburger Hügelland zwei Zehntel schneller den Parcours bewältigte und damit neben Ruhm und Ehre auch 3000 Euro Siegprämie gewann.

Einmal mehr sahen sich die Verantwortlichen um Wolfgang Heidl für ihren Aufwand belohnt. So wurde der Parcours eigens für das Turnier mit 150 Tonnen Sand präpariert, über 80 Helfer waren permanent im Einsatz. "Ein Turnier dieser Größe geht an die Grenze dessen, was unser Verein leisten kann", hatte der RV-Vorsitzende im Interview gesagt, der nach zehn Jahren in dieser Funktion auch seinen Abschied an der Vereinsspitze ankündigte. Als Nachfolger wurde zunächst Prof. Dr. Dr. Nosko gehandelt, der dann aber doch nicht für dieses Amt zur Verfügung stand. Neue Vorsitzende wurde später Sabine Häfner.

"Das alles ist ja eine Ewigkeit her und längst von anderen Wichtigkeiten im Leben überdeckt. Aber meine Erinnerungen, gerade an das Turnier , sind sehr positiv", sagt Wolfgang Heidl, der immer noch Interesse am Reitsport hat, aber als "Leit-Hobby" mittlerweile die Jagd bezeichnet. Was den heute 70-Jährigen im Rückblick erfreut, ist die Entwicklung der Turniere . "Das war eine Spirale nach oben und daher schön anzuschauen, wie sich das sportliche Niveau immer weiter gesteigert hat mit immer mehr Springen der schweren Klasse. Und irgendwann war das Turnier ein Selbstläufer mit dem finalen S-Springen als Höhepunkt."

Die Pflicht beherrscht für die Kür

Der gebürtige Bad Kissinger aus dem Stadtteil Hausen, der in Münnerstadt lebt, vergisst nicht die Menschen, die ihn über all die Jahre unterstützten. "Ich war ja eher organisatorisch tätig. Andere kannten die Turnier-Regeln in- und auswändig, wieder andere besaßen die Kontakte zu den Reitern . Wir waren damals eine Supertruppe, die es aber auch brauchte angesichts der Größenordnung der Veranstaltung." Laut Heidl habe es sicher auch mal geknirscht. Aber das trete in den Hintergrund bei all den schönen Momenten.

"Das Turnier war die Kür, für die man die Pflicht beherrschen musste", sagt Wolfgang Heidl, der sich besonders gerne an die erfolgreichen Ritte eines Reinhold Distel erinnert. Aber auch an unvergessene Abende in trauter Runde. "Wenn die Spannung abgefallen war, dann saßen wir oft sehr lange beisammen. Einheimische wie die Reiter und deren Entourage. Das war einfach eine runde Sache mit diesem unverwechselbaren Ambiente."

Abende, die auch Nina Müller noch sehr präsent sind. Für die Sportlerin vom RSG Rhön Detter/Weißenbach hat gerade dieses Turnier von 2005 eine große Bedeutung, "weil wir damals das Mannschaftsspringen gewonnen haben." Eine Springprüfung der Klasse L, in der die Rhönerin Teil des Teams um Hans-Peter Konle, Lea Steinbrüchel und Philippe Meier war. In einer Stilspringprüfung der Klasse A hatte Nina Müller gar die ersten beiden Plätze belegt auf Concerto und Gina. "Das waren damals meine besten Pferde . Von Concerto habe ich sogar noch das Namensschild in der Sattelkammer." Beide Pferde wurden später verkauft. "Da gab es hin und wieder natürlich Trennungsschmerz, weil man an seinen Tiere natürlich gehangen hat", weiß Nina Müller. "Umso schöner, dass ich immer noch im Besitz von Competition bin, mit dem ich bei einem der Kissinger Turniere mein erstes M**-Springen geritten bin."

Im Kontakt mit Philippe Meier

Zu ihrem damaligen Bereiter hat die Familie Müller übrigens immer noch engen Kontakt. "Er ist für uns ein echter Freund geworden. Sein Umgang mit den Pferden war ganz besonders, weil er immer fair mit ihnen umgegangen ist", sagt Nina Müller über den Schweizer, der nach einem Aufenthalt in Holland mittlerweile wieder in Deutschland arbeitet. "Das Rakoczy-Turnier war für uns keine normale Veranstaltung. Das war ein Event , an dem man ganz viele Menschen getroffen hat. Unseren Turnierplan haben wir immer so gelegt, dass wir dabei sein konnten. Klar, dass man auch nervöser als sonst war", sagt Nina Müller, die immer noch fast täglich im Sattel sitzt, aber im Gegensatz zu ihrer Schwester Eva Maria kaum noch Turniere reitet. "Seitdem ich Mutter bin, bin ich etwas vorsichtiger geworden."

Den Blick von der Tribüne auf den Parcours und die Au-Wiesen hat Nina Müller immer genossen. Und Gänsehaut bekommen, wenn der Große Preis von Bad Kissingen musikalisch angekündigt wurde. Still ist es geworden auf dem Turniergelände mit seinen bröckelnden Steinmauern. Zu still für alle Freunde des Bad Kissinger Reitsports.

Das Rakoczy-Turnier Über Jahrzehnte war das Rakoczy-Reitturnier des RV Bad Kissingen ein fester Bestandteil des sportlichen , aber auch gesellschaftlichen Lebens der Kurstadt. Insbesondere bauliche Mängel am Turniergelände in der Au führten zum Aus dieses Events, das letztmals im Jahr 2014 durchgeführt werden konnte.

Der Verein Der Geburtsort des Reitervereins Bad Kissingen ist im Jahr 1926 der Tattersall, der bis 1987 das Zuhause der Bad Kissinger Reiter war. Schon in den Anfangsjahren machte der Verein mit großen Reiterfesten auf sich aufmerksam. Bis zu 15 000 Besucher kamen in Sonderzügen in die Kurstadt, um im Luitpoldpark, in dem bis 194 der Turnierplatz war, die groß angelegten Reiterspiele von Quadrillentänzen bis hin zu Pferdefußball zu sehen.

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