Obererthal

Der Obererthaler Benny Brust ist Videoanalyst beim FC Augsburg

Bei den Rot-Weißen war der 31-Jährige fürs Toreschießen zuständig, jetzt werden die Gegner auf eine andere Art und Weise "zerlegt".
Wieder im Trainingsbetrieb nach kurzer Sommerpause sind die Profis des FC Augsburg. Unser Bild zeigt den Obererthaler Benny Brust (vorne), der beim Fußball-Bundesligisten als Video-Analyst zum Trainerstab gehört. Foto: FC Augsburg       -  Wieder im Trainingsbetrieb nach kurzer Sommerpause sind die Profis des FC Augsburg. Unser Bild zeigt den Obererthaler Benny Brust (vorne), der beim Fußball-Bundesligisten als Video-Analyst zum Trainerstab gehört. Foto: FC Augsburg
| Wieder im Trainingsbetrieb nach kurzer Sommerpause sind die Profis des FC Augsburg. Unser Bild zeigt den Obererthaler Benny Brust (vorne), der beim Fußball-Bundesligisten als Video-Analyst zum Trainerstab gehört.

Wenn es passt, läuft Benedikt Brust, den alle nur Benny nennen, immer noch für seine Rot-Weißen in der Kreisklasse auf. Aber in Obererthal ist der 31-Jährige nicht mehr so oft - dafür regelmäßig in den Bundesliga-Stadien der Republik: als Videoanalyst des FC Augsburg . "Ich trete zwar kaum noch an den Ball, habe aber täglich mit Fußball zu tun. Das ist wohl die Entschädigung", sagt Benny Brust, der mit seiner Verlobten in Augsburg lebt. In seinem Heimatort ist er immer noch der Aufstiegsheld von 2010, als der Stürmer beide Tore erzielte zum 2:1-Sieg beim Verfolger TSV Münnerstadt , was den vorzeitigen Titelgewinn in der Kreisliga Rhön samt Aufstieg in die Bezirksliga bedeutete.

Wie wird man Video-Analyst bei einem Bundesliga-Verein?

Benny Brust: Nach meinem Sportmanagement-Studium habe ich bei der Firma Opta in München-Unterföhring gearbeitet. Das ist ein großer Anbieter von Sportdaten, über den ich bereits Kontakte zu Bundesligisten aufbauen konnte. Im Jahr 2016 kam dann eine SMS vom damaligen Augsburger Analysten, der mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, sein Nachfolger zu werden. Er wollte nämlich gemeinsam mit dem damaligen FCA-Coach Markus Weinzierl zum FC Schalke 04 wechseln. Ein Glücksfall für mich natürlich - drei Wochen später trug ich die FCA-Klamotten und habe seitdem unter Dirk Schuster, Manuel Baum, Martin Schmidt und jetzt Heiko Herrlich gearbeitet.

Ging denn Ihr Studium bereits in diese Richtung?

Eigentlich wollte ich nie studieren und habe nach der Realschule in Hammelburg erstmal eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Hanse-Haus gemacht. Anschließend habe ich das Fach-Abitur in Schweinfurt erworben, dann ein freiwilliges soziales Jahr bei der TG Höchberg drangehängt, wo ich auch meinen Trainerschein machen konnte. An der Uni Remagen habe ich mich dann im Jahr 2010 für Sport-Management eingeschrieben. Im Rahmen dieses dualen Studiums absolvierte ich mein Praxissemester beim 1. FC Köln in der Abteilung SportsLab, wo ich unter anderem für die Gegner-Analyse der Profis zuständig war und im Anschluss als studentische Hilfskraft parallel zum Studium weiter gearbeitet habe. In dieser Zeit bin ich noch regelmäßig nach Obererthal gefahren und habe kaum ein Spiel verpasst.

Was genau macht ein Videoanalyst?

Die beiden wichtigsten Themen sind die Spiel- und vor allem die Gegneranalyse. Meine Hauptaufgabe ist es, den kommenden Gegner anhand von Videomaterial, welches die DFL jedem Bundesliga-Verein zur Verfügung stellt, zu analysieren. Ich suche mit meiner eigenen Analyse-Struktur nach Ablauf-Mustern: Wo ist der Gegner gefährlich? Wie bekommt er die Gegentore? Was macht er in den verschiedenen Spielphasen typischerweise?

Wie gut muss man sich mit der entsprechenden Technik auskennen?

Man wächst da rein und stellt sich sein eigenes Equipment zusammen. Wichtig ist, dass alles funktioniert. Ansonsten tauscht man sich auch mit anderen Video-Analysten aus, da besteht ein kollegiales Verhältnis innerhalb der Bundesliga.

Haben Sie dafür ein eigenes Büro?

Ich sitze mittlerweile im Trainerbüro, wo ich mit einem speziellen Programm arbeite und dem Trainerstab dann auch meine Ergebnisse präsentiere. Gewöhnlich setzt man sich am Anfang der Woche zusammen und schaut sich die relevanten Szenen an. Die Erkenntnisse fließen ins Training und in die Spielvorbereitung ein.

Wird auch Euer eigenes Training gefilmt?

Na klar, sehr häufig sogar. Da geht es mitunter um Kleinigkeiten, die auf diesem Niveau den Unterschied machen können, zum Beispiel die Ballmitnahme in Bedrängnis. Ich habe mit dem RWO in der Bezirksliga gespielt, aber im Vergleich dazu ist Bundesliga-Fußball fast schon eine andere Sportart in Sachen Intensität, Technik und Tempo. Aber auch bei den Profis geht es immer wieder um die Basics, allerdings auf einem ganz anderen Niveau.

Wie nah dran sind Sie an den Augsburger Spielern?

Ich bin bei allen Spielen, im Hotel und bei jedem Trainingslager dabei, trage die selben Trainingsklamotten und Präsentationsanzüge. Die Hauptarbeit in der Kommunikation mit den Spielern liegt beim Chef- und den Co-Trainern, während ich eher im Hintergrund bin. Für meine Arbeit ist es wichtig, die Denke des Trainers zu verstehen und seine Sprache zu sprechen.

Spürt der Videoanalyst Druck?

Ja, den gibt es - speziell zum Saisonende hin. Zum Beispiel in meinem ersten Jahr in Augsburg, als uns am letzten Spieltag ein 0:0 in Hoffenheim gereicht hat. Das war ein Zittern bis zur letzten Sekunde. Damals hätte die TSG mit einem Sieg auch noch die Champions League erreichen können. Jeder Klassenerhalt ist speziell.

Hat denn der SV Obererthal auch schon einen Vereinsausflug nach Augsburg gemacht?

Zum Bundesliga-Heimspiel gegen Mainz in der letzten Saison kam ein ganzer Bus. Ich hatte die Möglichkeit, die Leute aus meinem Heimatort persönlich zu begrüßen - und es brachte Glück, wir gewannen 2:1.

Empfinden Sie Ihre Arbeit immer noch als etwas Besonderes?

Definitiv! Aber egal was man macht, irgendwann wird das Tagtägliche zur Normalität, auch wenn man sich einen solchen Job vielleicht nie hatte vorstellen können. Als Martin Schmidt der Trainer war, saß ich bei den Spielen auf der Spielerbank. Jetzt sitze ich auf der Tribüne und kommuniziere mit den Trainern über ein Headset. Das ist jetzt der Alltag, der für mich immer etwas Besonderes sein wird. Weil ich weiß, wo ich herkomme und wie speziell das Arbeiten im Bundesliga-Umfeld ist.

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