Obereschenbach

Der wichtigste Elfmeter des Achim Meder

Im Entscheidungsspiel gegen den TV Jahn Winkels rettet Obereschenbachs Libero sein Team ins Elfmeterschießen.
Auf unserem Archivbild klärt Obereschenbachs Klaus Löser (dunkles Trikot) per Kopf vor dem Winkelser Michael Halbig. Foto: ssp       -  Auf unserem Archivbild klärt Obereschenbachs Klaus Löser (dunkles Trikot) per Kopf vor dem Winkelser Michael Halbig. Foto: ssp
| Auf unserem Archivbild klärt Obereschenbachs Klaus Löser (dunkles Trikot) per Kopf vor dem Winkelser Michael Halbig. Foto: ssp

Der Frühsommer 1986 war kein guter für die Winkelser Fußballer . Nicht genug, dass die deutsche Nationalmannschaft ihr WM-Finale gegen Argentinien um Superstar Maradona mit 2:3 verloren hatte. Ein paar Wochen zuvor waren die Jahn-Fußballer selbst mit hängenden Köpfen vom Platz geschlichen nach dem verlorenen Elfmeterschießen gegen den FC Obereschenbach , das den Abstieg in die damalige C-Klasse bedeuten sollte. Spät in der Verlängerung hatte der Gegner auf neutralem Boden in Machtilshausen zum 2:2 ausgeglichen, per Strafstoß nach Foul an Andreas Heindl. "Ein klarer Elfer, der aber auch unnötig war. Unser Vorstopper hätte den Ball eigentlich nur ablaufen müssen", erinnert sich Peter Lanzendörfer, damals Linksverteidiger beim TV Jahn.

Punktgleich nach Saisonende

Das Entscheidungsspiel war notwendig geworden, weil beide Teams ihre Saison in der B-Klasse 4 mit jeweils 19:25 Punkten beendet hatten. Schlechter in der Tabelle war nur der Post-SV Bad Kissingen, der damit als erster Absteiger feststand. Am letzten offiziellen Spieltag sollten beide Teams ihre Schicksalsspiele erfolgreich gestalten: Die Bavaria gewann mit 1:0 bei der TSVgg Hausen durch einen von Achim Meder verwandelten Handelfmeter, die Stadtteil-Kicker tankten mit dem 3:0 gegen den SC Diebach Selbstvertrauen. Helmut Renninger und Spielertrainer Peter Ruppert hatten per Elfmeter getroffen, Norbert Greubel den Endstand besorgt. In den zwei direkten Duellen war das Heimspiel an den FC Obereschenbach gegangen, der zweite Vergleich endete mit einem Unentschieden.

"Bei einem so bedeutenden Spiel vor so vielen Zuschauern ist man natürlich nervös. Und ich weiß noch, dass wir in der ersten Halbzeit kaum über die Mittellinie gekommen sind", sagt der damals 27-jährige Linksverteidiger Peter Lanzendörfer, der später sogar Präsident seines Vereins werden sollte, auch schon Sportbeauftragter beim TV Jahn war und die Spiele seines Vereins noch regelmäßig verfolgt.

Kaum zu glauben, dass die 500 Fans vor der Pause keine Treffer zu sehen bekamen angesichts der Überlegenheit der Elf von Trainer-Ikone Hans Jungwirth. Abschlüsse von Reimund Geißner und Egon Hofmann klatschten ans Torgebälk, der Kopfball von Andreas Heindl strich haarscharf am Tor vorbei und den satten 25-Meter-Schuss von Michael Gehring parierte Joachim Beck ."Unser Tormann war damals einer der besten und in diesem Match unser stärkster Spieler", sagt Lanzendörfer.

Umso überraschender gingen die Winkelser kurz nach Wiederanpfiff in Führung durch den Treffer von Michael Halbig, der nach einem missglückten Rückpass von Achim Meder FC-Keeper Gerhard Bayer keine Chance ließ. Es folgte der nächste Sturmlauf der Obereschenbacher mit Gelegenheiten für Reimund Geißner, Jürgen Winkler und Burkard Göbel, bei denen Joachim Beck erneut seine außergewöhnlichen Qualitäten unter Beweis stellen konnte, ehe Göbel im Nachsetzen den überfälligen Ausgleichstreffer erzielte. "Es heißt, wir wären damals die beste Obereschenbacher Mannschaft unserer Vereinsgeschichte gewesen. Und die B-Klasse war natürlich schon etwas besonderes für ein Dorf mit ein bisschen mehr als 500 Einwohnern", sagt Achim Meder, der wie Lanzendörfer später ebenfalls an der Spitze seines Vereins stehen sollte, Abteilungsleiter und Nachwuchstrainer war und der Bavaria immer noch eng verbunden ist, nicht zuletzt durch die drei kickenden Söhne. Als sicherer Elfmeterschütze und Freistoß-Spezialist wurde der heute 63-Jährige ein paar Jahre zuvor - gemeinsam mit seinem Teamkollegen Jürgen Winkler - mit 19 Treffern sogar Torschützenkönig: als Libero.

"In den frühen 80er Jahren hatten wir im Ort mit Adolf Brandenstein als Trainer eine große Euphorie entfacht", sagt Achim Meder, der als Rechtsaußen angefangen hatte, dann vom Mittelfeld ins Abwehrzentrum rückte. Und die Position des letzten Mannes sehr offensiv interpretierte. "Der Uwe Seufert war unser Vorstopper, der hat alles abgeräumt. Ich habe gerne mal einen langen Ball auf unsere schnellen Spitzen Roland Leurer, Jürgen Winkler oder Burkard Göbel gespielt, auch mal mit dem Außenrist wie der Beckenbauer", schmunzelt Meder, der spät in der Verlängerung den wichtigsten Elfmeter seiner Karriere verwandeln sollte: Zum 2:2-Ausgleich, nachdem die Winkelser erneut vorgelegt hatten durch Helmut Renninger nach dem Zuspiel von Norbert Greubel. Und das, obwohl sich kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit zwei Jahnler schwer verletzten: Armin Knüttel brach sich das Handgelenk, Frank Kuchler das Nasenbein.

"Im Elfmeterschießen wäre ich unser letzter Schütze gewesen. Ich war damals nicht böse, dass ich nicht mehr ran musste", sagt Achim Meder, dem die Arbeit abgenommen wurde, weil Klaus Löser, Reimund Geißner, Uwe Seufert und Thomas Dornbusch ihre Nerven im Griff hatten und Keeper Bayer die Schüsse von Günter Stierstorfer und Norbert Greubel parierte. Vom Elfmeterpunkt getroffen hatten auf Winkelser Seite Helmut Renninger, Michael Halbig und Peter Ruppert. "Am nächsten Tag hatten wir in Hundsbach ein Werbespiel, aus dem wir ein Schaulaufen gemacht haben. Ich bekam da sogar ein Angebot als Spielertrainer in Hundsbach, habe aber abgelehnt. Mich hat es nie von Obereschenbach weggezogen", sagt Achim Meder.

Der Schüler trifft auf den Lehrer

Lebhafte Erinnerungen hat der Zeitungsartikel auch bei Andreas Heindl geweckt. Nicht nur deshalb, weil auf Winkelser Seite mit Gerhard Greubel der ehemalige Klassenlehrer des heute 54-Jährigen stand. "Damals waren wir 30 Mann beim Training. Hat man zweimal gefehlt, war man raus aus der Mannschaft. Für uns junge Burschen gab es nur Fußball , und jeder wollte in die erste Mannschaft", sagt der gebürtige Garitzer, der in Arnshausen unter Leo Schmitt das Fußball-Einmaleins erlernte. Aus beruflichen Gründen folgte 1978 der Umzug nach Obereschenbach , mittlerweile wohnt der Zivilangestellte bei der Bundeswehr in Poppenroth.

"Die 80er waren ein Jahrzehnt mit tollen Fußballern und Fans im Landkreis. Und die Zeit in Obereschenbach war wunderbar, auch außerhalb des Sportplatzes", schwärmt Andreas Heindl, der heute noch eine außerordentliche Passion für den Fußball besitzt. "Am 50. Geburtstag meiner Mutter hatte ich ein Spiel mit Obereschenbach gegen Arnshausen, und damit gegen meinen Bruder. Und an meinem eigenen 50. Geburtstag war ich bei der AH-Stadtmeisterschaft im Einsatz. Erst danach ging es wieder zu meiner eigenen Feier."

FC Obereschenbach - TV Jahn Winkels 6:5 n.E. (0:0, 1:1, 2:2)

Tore 0:1 Michael Halbig (47.), 1:1 Burkard Göbel (61.), 1:2 Helmut Renninger (92.), 2:2 Achim Meder (116., Elfmeter ).

FC Obereschenbach Gerhard Bayer, Klaus Löser, Andreas Heindl, Uwe Seufert, Achim Meder, Reimund Geißner, Christian Dabitsch, Michael Gering, Egon Hofmann , Jürgen Winkler , Burkard Göbel. Ersatzbank: Peter Leurer, Christian Reuter , Thomas Dornbusch.

TV Jahn Winkels Joachim Beck , Peter Lanzendörfer, Frank Kuchler, Martin Bünner, Bruno Kriener, Helmut Renninger, Gerhard Greubel, Norbert Greubel, Armin Knüttel, Peter Ruppert, Michael Halbig. Ersatzbank: Udo Spörer, Günter Stierstorfer, Joachim Bünner, Andreas Beck .

Themen & Autoren
Obereschenbach
Andreas Beck
B-Klasse
Bundeswehr
Christian Reuter
Deutsche Nationalmannschaften
Elfmeter
Elfmeterschießen
Fußball
Fußballspieler
Geburtstage
Joachim Beck
Jürgen Winkler
Klassenlehrer
Spielertrainer
Vereinsgeschichte
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!