Poppenroth

Die Geschwister Schmid dominieren die Poppenroth Open

Die erste offene Vereinsmeisterschaft der Tennisabteilung des FC Viktoria Poppenroth war gleich eine besondere. Sie wurde von zwei Spielern bestimmt, die nicht einmal volljährig sind. Wer von ihnen einen Titel holte und wer nicht.
Zum Abheben: Teilnehmer Stefan Edelmann geht bei den Poppenroth Open bei seinem einzigen Spiel am Finaltag in die Luft. Foto: ssp       -  Zum Abheben: Teilnehmer Stefan Edelmann geht bei den Poppenroth Open bei seinem einzigen Spiel am Finaltag in die Luft. Foto: ssp
| Zum Abheben: Teilnehmer Stefan Edelmann geht bei den Poppenroth Open bei seinem einzigen Spiel am Finaltag in die Luft. Foto: ssp

Steffen StandkeWas für ein Finale der Poppenroth Open um die "Goldene Viktoria". Mit zwei so unterschiedlichen Akteuren. Auf der einen Seite Markus Schott, 41, erfahrener Tennisspieler und Titelverteidiger, gesetzt in der Leistungsklasse 13. Auf der anderen Seite Tim Schmid, mit erst 17 Jahren jüngster Teilnehmer bei den Herren, gesetzt in der vermeintlich etwas schwächeren LK20.

Dennoch erwies sich der Jungspund nicht als Fallobst. Im Gegenteil. Er brachte den Routinier Schott im 1. Satz ganz schön in Bedrängnis. Als Außenseiter spielte Schmid befreit auf, während Schott vor großartiger Kulisse zu Beginn äußerst nervös agierte und viele Fehler machte. Die meisten Spiele gingen über Einstand.

Beim Stand von 5:4 sowie 6:5 für den 17-Jährigen geriet Markus Schott mächtig unter Druck, seinen Aufschlag durchbringen zu müssen. Im anschließenden Tiebreak führte Tim Schmid 3:0. "Ich konnte das Match gerade noch drehen und habe den Satz mit einem Ass beendet. Tim hätte den Satz jederzeit gewinnen können und ich weiß nicht, wie das Match dann weitergegangen wäre." Am Ende hieß es 7:6 für den Favoriten.

Den Widerstand gebrochen

Der Fünf-vor-zwölf-Gewinn des 1. Satzes brachte Schott seine Lockerheit zurück, während Schmid der Satzverlust etwas runterzog. So hatte der Titelverteidiger im 2. Satz (6:0) relativ einfaches Spiel; der Widerstand des Youngsters war gebrochen. Trotzdem sagte der Sieger hinterher: "Es hat gerade noch gereicht, aber die Wachablösung wird kommen. Vielleicht schon nächstes Jahr."

Ähnlich spannend ging das Finale der Damen über die Bühne. Dort gewann mit Tim Schmids Schwester Sina eine 15-Jährige den "Silbernen Aperolo". Sie war die jüngste Turnierteilnehmerin.

Schon in der Vorrunde hatte es das Duell mit Endspielgegnerin Laura Hauck gegeben. Letztere siegte in drei Sätzen, lobte ihre junge Gegnerin aber in den höchsten Tönen. Trotzdem war sie fürs Finale favorisiert. Auch, weil sie zuvor alle ihre sechs Spiele gewonnen und nur einen einzigen Satz abgegeben hatte. Und zwar ausgerechnet gegen Schmid.

Diese hatte etwas Glück, überhaupt die Vorrunde überstanden zu haben. Drei Spielerinnen waren punktgleich - unter anderem ihre Mutter Sandra Schmid. Am Ende entschied das bessere Satzverhältnis zu Sina Schmids Gunsten.

Fehlende Spielpraxis

Im Finale agierte Schmid von Beginn an druckvoll und entschlossen. Hauck fand nie zu ihrem Spiel und haderte mit fehlender Spielpraxis. Sie hatte als Erstes ihre Vorrunde abgeschlossen und in den fünf Wochen vor dem Finale nur ihr Halbfinalspiel absolviert - wo sie sich auch schon schwer tat.

Schmid spielte fantastisches Tennis und ließ ihrer Gegnerin im ersten Satz nicht den Hauch einer Chance Zwar kämpfte sich Hauck im zweiten Satz noch einmal zurück; doch die Poppenrötherin Schmid war überlegen und siegte hochverdient.

Wer übrigens die Karrieren der Geschwister Schmid betrachtet, wundert sich über deren Erfolge gleich weniger. Beide stammen aus Poppenroth , spielen zum Teil aber bei anderen Vereinen. Tim Schmid trat diese Saison zwar für die Herren des FC Poppenroth an, ging aber auch für die Junioren des TC Garitz in der Bezirksklasse 1 an den Start. Er wird dort seit längerem vom Garitzer Sport- und Jugendwart Christian Rödl trainiert, der offensichtlich hervorragende Arbeit geleistet hat.

"Tim verfügt über eine unheimlich saubere Technik und spielt Klasse-Tennis. Dazu ist er sehr ehrgeizig und lernwillig - und trotzdem immer ein äußerst fairer Spieler", so das Urteil von Markus Schott.

Sina Schmid spielt für die Damen des TSV Oberthulba und wird vom dortigen Trainer Daniel Albert gecoacht.

"Sina verfügt wie ihr Bruder über eine mustergültige Technik. Das ist wirklich Wahnsinn, was sie mit ihren 15 Jahren spielt", sagt Schott. Beide seien ehrgeizige, intelligente, gut erzogene junge Menschen, die sich für Sport begeisterten, immer besser werden wollten und von zwei tollen Trainern unterstützt würden. Die Eltern Stefan und Sandra Schmid seien beide Sportlehrer .

Insgesamt traten bei den Poppenroth Open für Poppenroth und die anliegenden Ortschaften elf Spielerinnen und 32 Spieler an. Sie absolvierten 141 Matches .

Die Damen-Konkurrenz unterteilte sich klassisch in zwei Gruppen. Die Gruppenersten und -zweiten spielten die Halbfinals. Am Ende gab es das Finale um den Silbernen Aperolo und Platzierungsspiele.

Möglichst viele Turnierspiele

Die Herren mussten sich zunächst in der Vorrunde mit acht Vierergruppen beweisen. Alle Gruppenersten und -zweiten spielten dann im K.O.-System bis hoch zur Goldene Viktoria. Damit alle Teilnehmer möglichst viele Turnierspiele haben konnten, durften auch die Gruppendritten und -vierten nochmal im K.O.-System um den "Graf-Poppo-Cup", eine Art Trosttitel, ran. Zudem gab es Platzierungsspiele.

Das Match um den Poppo-Cup bestritten Christoph Kröckel und Christian Heilmann - wobei der Erstgenannte mit 6:2, 6:4 gewann. Kurios: Beide traten einst als Mannschaftskameraden beim BSC Lauter gegen den (Fuß)Ball.

Außerdem stand das Finale unter Zeitdruck: Kröckel kam noch in Arbeitskleidung und mit Putzresten im Gesicht direkt von seiner Baustelle zum Spiel; Heilmann musste direkt danach schnell weg zu einem Testspiel seines FC 06 Bad Kissingen . Vor allem der Poppenröther Kröckel begeisterte das Publikum durch druckvolles Spiel mit sehenswerten Winner-Schlägen.

Beide Spieler zeigten, dass auch im Graf-Poppo-Cup für sogenannte Nicht-Mannschaftsspieler gute Akteure vertreten sein können - auch wenn Kröckel dank seiner aktiven Tennis-Vergangenheit bei den Junioren des FC Poppenroth leicht favorisiert war. So dominierte er Heilmann und brachte ihn ordentlich ins Laufen. Dieser gab keinen Ball verloren, Kröckel siegte aber verdient.

Nicht so große Unterschiede

Was bei den Poppenroth Open auffiel: Die Leistungsunterschiede zwischen denjenigen Teilnehmern mit Tennis-Erfahrung und den "blutigen Anfängern" waren nicht so groß. So schafften bei den Herren mit Christoph Kleinhenz, Dominik Kröckel, Torsten Heilmann und Florian Rottenberger vier "Nicht-Tennisspieler" den Sprung in die Goldene-Viktoria-Endrunde.

Dagegen verpassten mit Daniel Sollner, Moritz Palluch und Paul Söder drei "Mannschaftsspieler" die "Königsklasse und kämpften fortan um den Graf-Poppo-Cup. Das bedeutete: ausgeglichenes Niveau mit Erfolgen auch für Neulinge.

Ein weiteres Indiz für ein ausgewogenes Starterfeld: Mit zunehmendem Turnierverlauf fanden auch zahlreiche Dreisatz-Matches statt. Das heißt, da ja zwei Gewinnsätze nötig waren, wurde bei Gleichstand ein dritter Gewinnsatz ausgespielt. Einige Spiele endeten demnach erst in der Dämmerung.

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