Nüdlingen

Ein Handball-Sieg für die Ewigkeit

Warum vor 15 Jahren bei der DJK Nüdlingen ein Derby-Erfolg ganz besonders bejubelt wurde und sich auch Verlierer gerne an diese Zeit erinnern.
In die Mangel genommen wird Hammelburgs Jörg Schröter vom Nüdlinger Abwehr-Block um (von links) Sebastian Wilm, Bernhard Stahl und Thomas Betz. Foto: ssp       -  In die Mangel genommen wird Hammelburgs Jörg Schröter vom Nüdlinger Abwehr-Block um (von links) Sebastian Wilm, Bernhard Stahl und Thomas Betz. Foto: ssp
| In die Mangel genommen wird Hammelburgs Jörg Schröter vom Nüdlinger Abwehr-Block um (von links) Sebastian Wilm, Bernhard Stahl und Thomas Betz. Foto: ssp

Was für ein Tag für den Nüdlinger Handball . Die Heimspiel-Premiere in der wenige Tage zuvor eingeweihten Schlossberghalle hätte nicht besser laufen können für die DJK-Cracks um ihren Spielertrainer Andy Hehn. Vor einer starken Kulisse im neuen Schmuckkästchen gelang Mitte Oktober 2005 nach zwei Auftakt-Niederlagen der erste Saisonsieg - und das im Derby gegen den TV/DJK Hammelburg , der mit zwei Siegen und einer Niederlage deutlich besser in die Punkterunde gestartet war.

Durchaus überraschend übrigens, weil sich die Saalestädter lediglich den Klassenerhalt in der Bezirksliga als Ziel gesetzt hatten nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Christian Rau (Wohnortwechsel) und Frank Sell, der beim HSC Bad Neustadt anheuerte. Noch mehr Verantwortung also auf den Schultern eines Jörg Schröter oder Uwe Wolfrath, die freilich den weitaus besseren Start ins Prestige-Duell hatten, zur Pause mit 12:8 führten. Dem tempo- und variantenreichen Spiel der Hammelburger hatten die Nüdlinger in Halbzeit eins nichts gleichwertiges entgegenzusetzen. "Florian Winter, Uwe Wolfrath, Florian Schlereth und Holger Friedl ließen sich offensichtlich durch nichts und niemanden aufhalten", hieß es im Bericht der Heimatzeitung.

Ein hohes Ansehen

"Das war eine schöne Zeit, die ich nicht missen will. Gerade die Derbys waren immer Highlights", sagt Bernd Liebsch, der die Hammelburger damals trainierte, später lange Jahre der Abteilungsleiter war in der Nachfolge eines Alfred Mischke oder Jochen Wloka. " Handball hatte im Verein immer einen hohen Stellenwert. Und unsere Spiele in der Saaletalhalle waren stets gut besucht", sagt der 50-jährige Fuchsstädter, der immer noch als Handball-Schiedsrichter im Einsatz ist.

Nur auf der Tribüne saß seinerzeit Harry Rauch, noch außer Gefecht nach einem Kreuzbandriss. "Weil es unser erstes Spiel in der Schlossberghalle war, kann ich mich noch sehr gut erinnern. Für uns Nüdlinger war das sehr emotional und ein großer Schritt", erinnert sich der 48-Jährige, der aktuell die Männermannschaft betreut. Bis dato hatten die DJKler in der Turnhalle der Berufsschule in Garitz trainiert und in der Bayernhalle ihre Punktspiele ausgetragen.

Auch ohne seinen Rückraum-Spieler sollte das Heimteam die Partie noch drehen. Ganz offensichtlich hatte der DJK-Spielertrainer die richtigen Worte in der Kabine gefunden. "Andy Hehn war unser Regisseur. Er hat gewusst, wie er seine Spieler einsetzen muss und hat uns immer auch motiviert", so Rauch. Im zweiten Abschnitt legten die Gastgeber jedenfalls die vornehme Zurückhaltung aus dem ersten Durchgang ab. Ebenso die euphorisierten Fans, nachdem ihre Lieblinge den Viertore-Rückstand in eine Zweitore-Führung gedreht hatten (16:14).

Klare Worte

Je länger das Match dauerte, umso hektischer agierte der Gegner. Was freilich auch an den Nüdlingern lag, bei denen Henning Renner und Oliver Speck im Rückraum brillierten, während Marcel Przybilla am Kreis Durchsetzungsvermögen bewies. "Meine Mannschaft hat die zweite Halbzeit verdummt und sich in zu vielen Einzelaktionen verstrickt", analysierte damals TV/DJK-Coach Bernd Liebsch mit eindeutiger Wortwahl. Die Niederlage hatte auch bei Wolfgang Faust Spuren hinterlassen. "Meine Mutter ist schließlich eine Nüdlingerin. Und mein Onkel Heinz Pfeffermann war einer der DJK-Sponsoren", berichtet der 52-Jährige, den Freunde nur "Zulu" nennen. "Den Spitznamen habe ich bekommen, weil ich im südafrikanischen Durban geboren wurde, wo mein Vater als Siemens-Angestellter gearbeitet hat. 1972 ging es für meine Eltern aber wieder zurück nach Deutschland."

Beim TV/DJK war der Wahl-Obereschenbacher später auch Vorstandsmitglied und Trainer, die Tochter spielt mittlerweile im Hammelburger Frauenteam. Aus der aktiven Zeit sind Freundschaften geblieben. "Wir sind eine Clique, die sich noch regelmäßig trifft. Damals hat uns nach den Spielen noch nicht so viel weh getan. Jedenfalls war und ist es immer noch so, dass ein Handballer auch etwas hat, wenn er am Boden liegt", sagt Wolfgang Faust mit einem Seitenhieb auf andere Sportarten.

Die Basis für den Aufstieg

Auch wenn die Saison für die Nüdlinger im grauen Mittelmaß enden sollte, so bildete sie doch die Basis für eine kleine Ära, denn eine Spielzeit später gelang als Meister der Aufstieg in die Bezirksoberliga, nicht zuletzt dank der Rückkehr von Julian Bötsch, der es später bis zum Zweitligaspieler in Rimpar schaffen sollte. "Da ging es schon mal mit dem Bus und gemeinsam mit den Fans nach Bad Brückenau. Das waren heiße Spiele", weiß Björn Schlereth, den die Sportbegeisterten der Region eher als Fußballer und aktuellen Spielertrainer des SV Garitz kennen. "Es gab mehrere, die wie ich als Kinder Fußball gespielt haben und dann parallel dazu zum Handball fanden. Das war körperbetonter und trotzdem fairer. Das hat mir gefallen", sagt der 37-Jährige, der mittlerweile in Hesselbach lebt, aber als gebürtiger Nüdlinger natürlich ab und an den Weg in die Schlossberghalle findet.

"Das war schon krass, wenn ich von einem Fußballspiel abgeholt wurde, um direkt zum Handballspiel zu fahren. Aber wir hatten immer eine gute Mischung aus älteren und jüngeren Spielern. Und richtig gute Trainer wie Andy Hehn, der uns Junge sich entwickeln ließ und nicht verbrannt hat."

In aller Freundschaft lodert die frühere Rivalität einmal im Jahr immer noch auf, wenn die Nüdlinger ihr Oldie-Spiel organisieren, bevorzugt gegen Hammelburg oder Bad Brückenau. Dafür gibt es sogar einen eigenen Trikotsatz. Wird Zeit, dass dieser mal wieder an die Luft kommt...

DJK Nüdlingen - TV/DJK Hammelburg 25:20 (8:12).

TV/DJK Hammelburg Tor: Bernd Bindrum, Stefan Mischke - Rückraum: Jorg Schröter, Uwe Wolfrath, Florian Winter - Außen: Christian Preißler, Florian Schlereth, Holger Friedl, Jürgen Molnar - Kreis: Marc Hartung, Jürgen Scheller, Wolfgang Faust.

DJK Nüdlingen Tor: Stephan Wilm. Erich Kaim - Rückraum: Andreas Hehn, Henning Renner, Oliver Speck, Bernhard Stahl, Björn Schlereth, Thomas Betz, Sebastian Wilm -Außen: Bernd Hofmann , Marcel Przybilla, Bernd Antlitz - Kreis: Harry Rauch.

Bilanz Für die Hammelburger reichte es mit 12:24 Punkten und Platz acht zum anvisierten Klassenerhalt in der Bezirksliga. Siebter sollte die DJK Nüdlingen werden mit 17:19 Punkten. Meister wurde der TSV Mellrichstadt vor dem FC Bad Brückenau.

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