Hammelburg

Erich Schneider feiert seinen 90. Geburtstag

Das Hammelburger Original hat den Lokalsport über Jahrzehnte geprägt.
Ein Hammelburger Original: Erich Schneider feiert am 29. Juli seinen 90. Geburtstag. Foto: Karlheinz Franz       -  Ein Hammelburger Original: Erich Schneider feiert am 29. Juli seinen 90. Geburtstag. Foto: Karlheinz Franz
Ein Hammelburger Original: Erich Schneider feiert am 29. Juli seinen 90. Geburtstag. Foto: Karlheinz Franz

Die legendäre Schreibmaschine gibt es tatsächlich noch, an der Erich Schneider über Jahrzehnte in der Bad Kissinger Sportredaktion seine Berichte über den lokalen Fußball verfasste. Im Einfinger-Suchsystem, und dennoch rasend schnell. Kleine kreative Kunstwerke wurden so geschaffen, weil "Enrico" immer mehr als die reine Information lieferte. Der Leser sollte schließlich unterhalten werden. Und genau das beherrscht der Hammelburger wie kein zweiter. Sicher auch an diesem Mittwoch, an dem der gebürtige Cottbuser im Kurstift in Bad Brückenau seinen 90. Geburtstag feiert.

Von der Saale an die Sinn

Obwohl aus familiären Gründen von der Saale an die Sinn gezogen, ist der Jubilar im gewissen Sinne immer noch Stadtgespräch. "Die Leute in Hammelburg erkundigen sich regelmäßig nach dem Erich", sagt Walter Bay, der mit seinem guten Freund regelmäßig telefoniert oder diesen in Bad Brückenau besucht. "Erich ist seinem Sport und seiner Stadt immer noch sehr verbunden. Er will wissen, was los ist beim FC oder beim TV/DJK", sagt Walter Bay, der viele Anekdoten parat hat, wenn er an seinen Kumpel denkt. "Beim Hallenfußball mit den Alten Herren haben wir uns immer gekabbelt, wie viele Tore der Erich wirklich geschossen hat. Sein Laufradius war ja überschaubar, und er hat dann immer auf die perfekten Zuspiele gewartet."

Walter Bay und seine Frau gehören zu den Personen, die ihrem Erich unter die Arme griffen, als Gattin Renate im Jahr 2013 verstarb und sich das ein oder andere Zipperlein einstellte. Die andere "Fraktion" stellen der Obererthaler Friedbert Brust und der Untererthaler Thomas Hammer, die ebenfalls engen Kontakt halten und das Hammelburger Unikum regelmäßig besuchen - als Hobbyradfahrer geschieht dies auch schon mal auf zwei Rädern. "Über den Fußball und die Arbeit im Sportkuratorium habe ich schon lange mit Erich zu tun. Irgendwann sind wir auch Geburtstagsgäste geworden", sagt Friedbert Brust.

Zu dieser Gruppe gestoßen ist vor einiger Zeit der Fuchsstädter Jürgen Sykora. "Ich kenne Erich jetzt seit über 50 Jahren. Bei der Bundeswehr war er mein 'Spieß'. So wie er seine Befehle gegeben hat, war er auch als Typ: zackig. Später war er dann meine Kontaktperson bei der Zeitung , als ich Trainer beim FC Hammelburg oder FC Fuchsstadt war. Und er hat nie meinen Geburtstag vergessen."

Unvergessene Auftritte

Noch in lebendiger Erinnerung sind Sykora Schneiders Auftritte als Moderator. "Bei den Weinfesten hatte Erich wirklich alle unterhalten. Wenn der seinen Mund aufgemacht hat, haben alle zugehört. Legendär war auch sein Auftritt als Knecht Ruprecht bei einer Weihnachtsfeier des FC Fuchsstadt, als die Spieler die Rute zu spüren bekamen." Flotte Sprüche und eine ansteckend gute Laune gehören zum Wesen von Erich Schneider , der längst Ehrenmitglied des FC Hammelburg und des Sportkuratoriums ist, in diesem Gremium fast 50 Jahre Geschäftsführer war. "Über viele Jahre hinweg war Erich die Sportredaktion der Saale-Zeitung - in der Wahrnehmung nach außen wie nach innen. Gut möglich, dass die tägliche Arbeit mit uns der Jungbrunnen war", hatte mit Karlheinz Franz ein ehemaliger Hammelburger Redakteur in der Zeitungs-Laudatio sehr treffend zum 85. Geburtstag geschrieben.

Geschenkt wurde dem Hammelburger Original im Leben nichts. In den Wirren des 2. Weltkriegs verschlug es Erich Schneider aus dem Osten der Republik zweimal nach Niedersachsen, unterbrochen von einer Anstellung im Erzbergwerk Aue. Es folgte der nächste Umzug ins Ruhrgebiet, wo Schneider als " Kumpel " arbeitete, bevor er 1956 in die Bundeswehr eintrat. Der 1961er-Offiziers-Lehrgang hatte Ausbilder Schneider als "Granaten-Ede" in Erinnerung behalten. "Damals hatten wir keine Knallkörper, deshalb rief ich bei der Ausbildung nur: Granate! Alle flüchteten sich sogleich nach links und rechts. Ich war halt immer derjenige mit der größten Schnauze", hatte Erich Schneider in einem früheren Interview zum Besten gegeben.

Auf abenteuerlichen Wegen

Erste Berichte verfasste der Fan des 1. FC Schalke 04 für die Bundeswehr , um dann seine Schreibtätigkeiten immer mehr auf das lokale Sportgeschehen für den Landkreis Bad Kissingen auszuweiten. Selbst die Versetzung an das Heeresamt in Köln im Jahr 1974 konnte die neue Passion nicht stoppen. Teils auf abenteuerlichen Wegen fanden die Artikel den Weg von der Rhein-Metropole an die Saale . Die finale berufliche Wirkungsstätte sollte Aschaffenburg sein, ehe der Stabsfeldwebel im Jahr 1983 pensioniert wurde - und fortan mehr Zeit für seinen geliebten Lokalsport hatte, immer aktiv unterstützt von seiner Frau " Medi ".

Erich Schneider war aktiver Spieler, gründete beim 1. FC Hammelburg die AH-Abteilung, regte die Bildung einer Frauenfußballmannschaft an, organisierte Hallenturniere und Stadtmeisterschaften und war nicht zuletzt der Initiator für das Hammelburger Weinfest. Ein Lebemann und ein echter Typ. Lieber Erich, von den Kolleginnen und Kollegen der Saale-Zeitung sowie allen Sportlern nur das Allerbeste zum Geburtstag .

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