Hammelburg

Frühere Volleyballer des TV/DJK Hammelburg erinnern sich: "Die Stimmung war gigantisch"

Vor 34 Jahren besiegten die Volleyballer des TV/DJK Hammelburg den ASV Neumarkt mit 3:1. In Erinnerung geblieben sind den Protagonisten von damals aber vor allem die Zuschauer.
Umkämpftes Spiel gegen Neumarkt: Joachim Bindrum (rechts) liegt am Boden, doch Clubkamerad Christoph Zankel gelingt es fast akrobatisch, den Neumarkter Schmetterball zu entschärfen. Foto: Reith/Archiv       -  Umkämpftes Spiel gegen Neumarkt: Joachim Bindrum (rechts) liegt am Boden, doch Clubkamerad Christoph Zankel gelingt es fast akrobatisch, den Neumarkter Schmetterball zu entschärfen. Foto: Reith/Archiv
| Umkämpftes Spiel gegen Neumarkt: Joachim Bindrum (rechts) liegt am Boden, doch Clubkamerad Christoph Zankel gelingt es fast akrobatisch, den Neumarkter Schmetterball zu entschärfen. Foto: Reith/Archiv

Der erste Satz verlief alles andere als nach Plan. Mit 0:1 geriet der TV/DJK Hammelburg im bayerischen Prestigeduell gegen den ASV Neumarkt in Rückstand. Das Spiel fand am 14. Februar 1987, also fast auf den Tag genau vor 34 Jahren, statt. Die Partie war zwar kein Spiel für die Geschichtsbücher , aber sie zeigt, wie Volleyball damals funktionierte.

Einer, der 1987 für die Hammelburger auf dem Feld stand, ist Joachim Bindrum. "Im Volleyball ist man eigentlich bestrebt, keinen Satz zu verlieren", sagt er im Rückblick. "Das baut definitiv Druck auf, weil man weiß: Nochmal einer, dann wird's eng." Gleichzeitig motiviere ein Rückstand aber auch.

Die Hammelburger sahen schon wie der Satzsieger aus

Im Spielbericht zum damaligen Match der beiden Mannschaften heißt es: "Bei den schier endlosen Ballwechseln sahen die Gastgeber schon wie der Satzgewinner aus. 8:4 führten sie. Dann ,hauten‘ Bindrum und Rauschmann einige Male glatt am Ball vorbei, der Block um Petterka, Marx, M. Seelbach und W. Seelbach zeigte sich sehr löchrig, sie griffen oft ins Leere. Bei den Angriffen der Neumarkter blieb den Zuschauern und auch den Spielern allzu oft nur das Staunen."

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Im zweiten Satz gelang den Hammelburgern dann jedoch der Ausgleich zum 1:1. Mit veränderter Aufstellung "demonstrierten die TV/DJKler in den folgenden Durchgängen Volleyball in höchster Vollendung und zeichneten sich, stark motiviert, durch Spielfreude und Kampfesbereitschaft aus." 15:9 lautete das Ergebnis des zweiten Satzes. Es folgten ein 15:7 im dritten und ein 15:10 im vierten Satz. Endstand: 3:1 für die Saalestädter.

Erinnerung an das Spiel ist verblasst

"Das ist ja wirklich schon einige Jahre her", sagt Bindrum auf das Spiel angesprochen. Und auch Markus Seelbach, damals ebenfalls im Kader und auf dem Feld, antwortet auf die Frage, ob er sich noch an das Spiel erinnere: "Gewiss nicht. Wir hatten so viele Spiele." Auch zum Derby mit den Oberpfälzern aus Neumarkt kam es des Öfteren, wie sich Bindrum erinnert. "Man kannte viele der Spieler persönlich von verschiedenen Turnieren oder aus der Bayernauswahl." Daher sei man sehr engagiert gewesen, wenn es gegen die Neumarkter ging.

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1987 bestand sogar laut Zeitungsbericht noch "die winzige theoretische Chance" auf den Aufstieg aus der Regionalliga Süd in die Zweite Liga. "Ganz klar, da ist man motiviert bis in die Haarspitzen", sagt Bindrum im Rückblick. Nach dem 3:1 gegen den ASV Neumarkt und einem weiteren 3:1 gegen den SV Fellbach lagen die Hammelburger auf Platz 3 der Tabelle hinter dem TV Landau und der DJK Schwäbisch Gmünd.

Während das einzelne Spiel in der Erinnerung verblasst ist, erinnern sich sowohl Bindrum als auch Seelbach noch an die Stimmung in der Halle und die, so Bindrum, "eingeschworene Fangemeinschaft". Zuschauer und Spieler kannten sich. Keine Musik, keine Klatschpappen, um die Stimmung zu pushen. Nur die Fanrufe und Gesänge der Zuschauer. "Die Stimmung in der Halle war gigantisch", berichtet Seelbach. "Das war richtig schön."

Volleyball hat in Hammelburg Tradition

Die Stadt Hammelburg blickt auf eine langjährige Volleyball-Tradition zurück, wie Matthias Benner, damals Ergänzungsspieler und heute Abteilungsleiter beim TV/DJK, berichtet. "Es kamen schon immer sehr viele Zuschauer zu uns im Vergleich zu anderen Vereinen in der gleichen Liga." Damals hätten auch noch viele echte Hammelburger auf dem Feld gestanden. " Volleyball war in Hammelburg immer das sportliche Aushängeschild."

Der Verein und der Sport haben sich mit der Zeit weiterentwickelt. Während vor 30 Jahren lediglich mal ein Spieler aus Würzburg oder Schweinfurt im Kader zu finden war, hat sich das Verhältnis heute umgekehrt, wie Benner berichtet. Der Großteil der Spieler stammt aus Volleyball-Internaten wie Frankfurt oder Friedrichshafen und ist zum Studieren in Würzburg. Hammelburger Originale sind lediglich noch zwei bis vier Spieler. "Die Professionalisierung hat erheblich zugenommen", sagt Benner.

Zuschauer nehmen weiten Weg auf sich

Der Club spielt aktuell in der Zweiten Liga. Zu den Heimspielen kommen, jenseits von Corona, auch Leute aus Bamberg und Nürnberg, um den TV/DJK spielen zu sehen, wie der Abteilungsleiter berichtet. Früher, zu Regionalliga-Zeiten, sei der Einzugsbereich etwa bis Schweinfurt gegangen. "Das hat sich extrem verändert." Auch die Möglichkeit, die Spiele via Livestream zu verfolgen, habe es Ende der 1980er natürlich noch nicht gegeben.

"Den Sprungaufschlag gab es damals zum Beispiel noch gar nicht", erinnert sich Seelbach. Der Volleyball sei heute ein anderer - etwa, was die Geschwindigkeit betrifft und die Wucht der Aktionen. "Das Ganze ist athletischer und professioneller geworden. Gut anzusehen", sagt der ehemalige Aktive.

Nähe zum Volleyball blieb auch nach der aktiven Zeit

Alle drei Akteure von damals sind dem Volleyball treu geblieben. Benner ist als Abteilungsleiter noch am engsten aktiv mit dem Club verflochten. "Manchmal sage ich: Ich verbringe mehr Zeit mit den Vorstandskollegen als mit meiner Frau", erklärt der 56-Jährige und lacht. Bindrum wirkte später unter anderem als Spielertrainer oder auch als "stiller Helfer hinter den Kulissen", wie er sagt. Vor dem Corona-Lockdown war der 58-Jährige zudem als Saisonkartenbesitzer regelmäßiger Zuschauer bei Heimspielen des TV/DJK.

Seelbach zog es privat später nach Münnerstadt, wo er als Spielertrainer aktiv war. Erst 2006 riss ihn eine Verletzung aus dem aktiven Sportlerleben, wie der 54-Jährige erzählt. Die Mannschaftskollegen von damals seien inzwischen teils weit verstreut, berichten die Drei. Dem ein oder anderen laufe man gelegentlich mal über den Weg, etwa bei den Heimspielen.

Das sei wie mit einer großen Familie, sagt Seelbach. "Man kennt sich - auch nach 20, 30 Jahren." Benner spricht ebenfalls von einer "Volleyball-Familie". Das Netzwerk in der Szene sei stark aus- und von einem Zusammengehörigkeitsgefühl geprägt.

Die Partie am 14. Februar 1987 des TV/DJK Hammelburg gegen den ASV Neumarkt endete 3:1 (13:15, 15:9, 15:7, 15:10).

Im Kader des TV/DJK Hammelburg standen damals: Christoph Zankel, Joachim Bindrum, Thomas Rauschmann, Wolfgang Seelbach, Markus Seelbach, Heiko Marx, Wolfram Petterka, Stefan Buttler, Matthias Benner, Christof Schreiner, Ulrich Schaller; Coach: Roland Greinwald (in Abwesenheit von Rudolf Heckmann)

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