LKR Bad Kissingen

Für Zeitlofs/Rupboden und Oberbach war es eine Achterbahnfahrt in der Sauna

SC Schwarz-Weiß Oberbach und der SV Zeitlofs/Rupboden lieferten sich vor 13 Jahren eine Hitzeschlacht. Mit nachhaltigen Folgen für den Gewinner.
Der verschossene Strafstoß des Oberbachers Tran Son Tung brachte dem  SV Zeitlofs/Rupboden unter glühender Sonne den Sieg. Foto: ssp       -  Der verschossene Strafstoß des Oberbachers Tran Son Tung brachte dem  SV Zeitlofs/Rupboden unter glühender Sonne den Sieg. Foto: ssp
| Der verschossene Strafstoß des Oberbachers Tran Son Tung brachte dem SV Zeitlofs/Rupboden unter glühender Sonne den Sieg. Foto: ssp

I m Juni 2007 kreuzten der SC Schwarz-Weiß Oberbach und der SV Zeitlofs/Rupboden die Klingen, um die Vizemeisterschaft in der A-Klasse Rhön 3 auszufechten. Die Hitzeschlacht an der B27 sollte bis ins Elfmeterschießen gehen. Dieses ist bis heute in der Region unvergessen.

Im Duell der beiden Rhöner Konkurrenten unter glühender Sonne ging es auch darum, die Berechtigung zur Relegation in einem Entscheidungsspiel auszufechten; da kamen nicht weniger als 600 zahlende Zuschauer zum Sportplatz an der B27 bei Oberleichtersbach.

Von derart üppigen Kulissen können beide Vereine seit langer Zeit nur noch träumen. Der SV Zeitlofs-Rupboden verschwand Jahre später völlig von der Fußball-Landkarte und schloss sich dem FC Bad Brückenau an. Der SC Oberbach spielt mittlerweile gemeinsam mit SV Riedenberg II, SV Wildflecken und FC Bad Brückenau II in der B-Klasse Rhön 1 mit einer aus allen beteiligten Ortschaften zusammengewürfelten Mannschaft - die ihre Sache kontinuierlich durchaus engagiert macht.

Mangelndes Engagement konnte man den beiden Teams im Jahre 2007 nicht vorwerfen, die sich nach 90 kraftraubenden Minuten mit 2:2 aus der regulären Spielzeit verabschiedeten. Um in der Verlängerung auf beiden Seiten die "Buden" gewissenhaft zu vernageln.

Ohnehin hatten die Oberbacher in der vorausgegangenen Saison mit einer bärenstarken Defensive glänzen können und lediglich 30 Gegentreffer kassiert. Die SVler aus Zeitlofs und Rupboden hatten nur zwei Gegentore mehr auf dem Konto und stellten damit die zweitbeste Abwehr der Liga.

"Wir hatten eine sehr junge Mannschaft damals", erinnert sich Harald Kolb, der die Zeitlofser und Rupbodener in der Saison 2006/07 trainierte. "Ich musste mit Sascha Wagner einen 18-Jährigen in der Startformation aufbieten, weil ich aufgrund von Verletzungssorgen keine erfahrenen Spieler mehr in der Hinterhand hatte. Personell gesehen ist uns am Ende der Saison ein bisschen die Luft ausgegangen. Dass wir das Spiel in der Sauna von Oberleichtersbach im Elfmeterschießen gewinnen würden, war so vorher nicht zu erwarten gewesen", sagt Kolb.

Zu viel Kraft gekostet

"Die 120 Minuten haben so viel Kraft gekostet, dass wir im anschließenden ersten Relegationsspiel gegen die DJK Frickenhausen überhaupt keine Chance mehr hatten", bedauert Kolb noch heute. "Nur zwei Tage nach dem Entscheidungsspiel gegen Oberbach mussten wir in der Relegation in Stangenroth antreten.

Das war im Grunde so etwas Ähnliches wie Wettbewerbsverzerrung und für eine junge Amateurmannschaft mit wenigen Alternativen auf der Bank so nicht zu machen." Gegen die DJK Frickenhausen hätten die Zeitlofser und Rupbodener kein Land mehr gesehen und seien sofort aus der Relegation ausgeschieden.

Auf Seiten der Oberbach erinnert sich Martin Rüttiger noch sehr gut an das Entscheidungsspiel in Oberleichtersbach. "Wir waren eine eingeschworene Truppe damals. Ohne Stefan Dorn im Tor wären wir aber nie so weit gekommen."

Bis heute denken die Oberbacher gerne an den Spaßvogel der Mannschaft und Mittelfeldmotor Peter Tulinski zurück, der die Kickstiefel in Oberbach mittlerweile an den Nagel gehängt hat. Auch Coach Frank Käß ist den Sinngrund-Kickern positiv in Erinnerung geblieben: "Er hat uns immer aufgebaut und war ein Super-Trainer."

Im Entscheidungsspiel gegen die Zeitlofser und Rupbodener habe man aber gemerkt, dass gerade die jüngeren Spieler im Oberbacher Dress extrem nervös waren angesichts beeindruckender Zuschauerkulisse.

"Kurios war auch, dass mein Bruder Florian Rüttiger zwei Tore in der regulären Spielzeit gemacht hat. Der kam in der Runde nie wirklich in die gegnerische Hälfte", schmunzelt Martin Rüttiger. "Im Elfmeterschießen haben bei uns ganz klar die Nerven blank gelegen und Zeitlofs war einfach ausgebuffter."

Dennoch verbuchten die Oberbacher die Saison als großen Erfolg. "Ich hatte damals schon 17 Jahre für die erste Mannschaft auf dem Buckel und war schon 36 Jahre alt. Unser Edelfan Hermann Müller hat uns 100 Liter Bier versprochen, wenn wir aufsteigen sollten. Aufgestiegen sind wir zwar nicht. Getrunken haben wir dann aber trotzdem."

Für den SC Schwarz-Weiß Oberbach kickte damals auch Peter Sperl, der seinen Elfmeter im entscheidenden Penaltyschießen krachend an die Latte setzte. "Das Spiel an sich war spielerisch sicherlich kein Leckerbissen", erinnert sich Sperl. "Es war auf jeden Fall viel zu heiß und es waren eine Menge Zuschauer rund um das Oberleichtersbacher Sportgelände verteilt. Das weiß ich noch."

Mit dem ersten Angriff der Partie waren die Oberbacher überraschend in Führung gegangen. Nach einem von Sebastian Kehm getretenen Eckball fiel der Ball Florian Rüttiger auf den Fuß, der kurzentschlossen einnetzte. Doch dann kam die Zeitlofser Elf von Coach Harald Kolb besser ins Spiel. Lohn der Mühen war der Ausgleichstreffer: Von Andreas Kenner in Gasse geschickt, schob Hendrik Kenner ins lange Eck ein.

Zehn Minuten später gingen die Schwarz-Weißen erneut in Führung. Nach einem Freistoß von Peter Tulinski drückte Florian Rüttiger das Leder über die Torlinie.

Noch vor dem Seitenwechsel glichen wiederum die Zeitlofser und Rupbodener aus. Nach Foul von Maher Chagour verwandelte Alexander Spahn den fälligen Strafstoß. "Das war eine klare Sache. Da gab es wenig zu diskutieren", erinnert sich Sperl.

Nach der Pause verflachte die faire Partie ein wenig. Sebastian Kehm hatte beim Pfostenschuss in der 48. Minute für die Oberbacher eine gute Gelegenheit. In der 72. Minute lenkte Oberbachs Keeper Dorn einen Flugkopfball von Manuel Knüttel an die Latte. So ging das Match in die Verlängerung.

Als in der 117. Minute der Peter Tulinski eine verunglückte Flanke an die Querlatte bugsierte, hatten die SC-Fans den Torschrei auf den Lippen, doch daraus wurde nichts. Die Entscheidung musste am Kreidepunkt fallen, wo alle Oberbacher Träume in Minutenschnelle platzten.

Das Elfmeterschießen belohnte die 600 Zuschauer für ihre Engelsgeduld bei sengender Hitze, denn es entwickelte sich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Die SVler hatten den ersten Schuss (im Kasten die unvergessliche Elfer-Chronik).

" Elfmeterschießen haben wir selten trainiert", schmunzelt Peter Sperl heute. "Martin Bielecki im Zeitlofser Kasten hat das gar nicht schlecht gemacht. Er hat sich immer in eine andere Ecke bewegt. Ich wollte deswegen hoch ins Tor treffen. Wer konnte denn ahnen, dass der Schuss an die Latte kracht."

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Diese Spiele liebst du"

Weitere Spieler des SC Schwarz-Weiß Oberbach und des SV Zeitlofs/Rupboden erinnern sich an die legendäre Hitzeschlacht im Juni 2007 in Oberleichtersbach:

Hendrik Kenner (erzielte den ersten Treffer für den SV Zeitlofs/Rupboden im Entscheidungsspiel): "Unser späterer Gegner in der Relegation, die DJK Frickenhausen , hat uns 120 Minuten lang in Oberleichtersbach bei Gluthitze beobachtet. Die standen alle ganz interessiert um das Spielfeld herum und haben sich natürlich gefreut , dass wir uns zwei Stunden lang abrackern und richtig kämpfen mussten. Denen war da schon klar, dass wir zwei Tage später nicht mehr genügend Kraftreserven haben würden."

Manuel Knüttel (Sturmspitze beim SV Zeitlofs/Rupboden): "Auch wenn wir in der Relegation sang-und klanglos gescheitert sind, so hat sich der harte Kampf mit Verlängerung und Elfmeterschießen gegen Oberbach doch gelohnt. Für solche Entscheidungsspiele lebst du doch als Fußballer , so etwas möchte jeder Sportler gerne einmal miterleben. Nur 48 Stunden später haben wir natürlich nicht mehr die Luft gehabt, aber das war kein Weltuntergang . Die wichtigsten Spiele des Jahres waren damals sowieso immer gegen den SV Detter/Weißenbach. Schade, dass es dieses Derby nicht mehr gibt. Bis zur Saison 2013/2014 haben wir uns als eigenständige Mannschaft noch durchgebissen. Aber es wurde Jahr für Jahr immer schwerer. Zuletzt haben wir kaum noch Spiele gewinnen können."

Florian Rüttiger (zweifacher Torschütze für den SC Oberbach): "Es war ziemlich heiß und ein wunderbares Gefühl vor so vielen Leuten zu spielen, inklusive Schiedsrichtergespann und unseren lautstarken Fans. Die Zeitlofser haben letztendlich, meiner Meinung nach, verdient gewonnen, weil sie spielerisch doch etwas stärker waren. Auch hatte wohl keiner mit einer Entscheidung im Elfmeterschießen gerechnet, weil plötzlich keiner schießen wollte. Die Party anschließend war aber trotzdem überragend unabhängig vom Ausgang des Spieles."

SC Oberbach - SV Zeitlofs/Rupboden 6:7 n. E. (2:2, 2:2)

Tore 1:0 Florian Rüttiger (3.), 1:1 Hendrik Kenner (24.), 2:1 Florian Rüttiger (34.), 2:2 Alexander Spahn (36./Foulelfmeter).

Elfer-Chronik 1:0 Oliver Adam, 1:1 Marco Kirchner, 2:1 Manuel Kenner, 2:2 Marco Bramer, 3:2 Hendrik Kenner, Peter Sperl (Oberbach) schießt an die Latte, Alexander Spahn (Zeitlofs) schießt vorbei, 3:3 Florian Rüttiger, 4:3 Tobias Göbel, 4:4 Peter Tulinski, Andreas Kenner (Zeitlofs) schießt an die Latte, Maher Chagour (Oberbach) schießt an den Pfosten, 5:4 Boris Wagner, Tran Son Tung (Oberbach) scheitert an Martin Bielecki.

SV Zeitlofs/Rupboden Martin Bielecki, Dominik Ullrich (86., Jens Adam), Markus Ullrich,

Andreas Kenner, Boris Wagner, Oliver Adam, Hendrik Kenner (55., Tobias Göbel), Manuel

Kenner, Sascha Wagner, Alexander Spahn, Manuel Knüttel.

SC Oberbach Stefan Dorn, Tobias Schuhmann, (74., Andreas Sperl), Maher Chagour, Jürgen Gundelach, (95., Marco Bramer), Peter Sperl, Tran Son Tung, Peter Tulinski, Florian Rüttiger, Sebastian Kehm (57., Markus Belz), Marco Kirchner, Martin Rüttiger.

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