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Im Landkreis: Der Ligapokal soll weg!

Der Bayerische Fußballverband hat fast unbemerkt Englische Wochen in seine Spielordnung geschrieben. Die Vereine im Landkreis würden diesen Weg teilweise mitgehen, aber ganz klar ohne den Zusatzwettbewerb.
Der Fußball liegt - wie hier die Akteure des FC Westheim und der Frankonen aus Thulba in einem Ligaspiel der ausgesetzten Saison - derzeit am Boden. Wenn es weitergehen sollte, dann ohne Ligapokal, meinen Verantwortliche beider Teams.  Foto: Archiv/S. Schmitt       -  Der Fußball liegt - wie hier die Akteure des FC Westheim und der Frankonen aus Thulba in einem Ligaspiel der ausgesetzten Saison - derzeit am Boden. Wenn es weitergehen sollte, dann ohne Ligapokal, meinen Verantwortliche beider Teams.  Foto: Archiv/S. Schmitt
| Der Fußball liegt - wie hier die Akteure des FC Westheim und der Frankonen aus Thulba in einem Ligaspiel der ausgesetzten Saison - derzeit am Boden.

Für Maxi Schaub ist der Re-Start der Liga nach dem Lockdown weit weg. Dass der BFV schon am 12. Dezember seine Spielordnung wesentlich änderte, hat der Abteilungsleiter Fußball und Spieler beim Bezirksligisten FC Westheim mitbekommen.

"Grundsätzlich sollte bei der Ansetzung von zwei aufeinanderfolgenden Verbandsspielen einer Mannschaft ein zeitlicher Abstand von zwei vollen Tagen zwischen den Verbandsspielen berücksichtigt werden", heißt es nun in Paragraf 59. Diese Zwei-Tages-Frist beginne mit dem Tag, der auf ein Verbandsspiel folge und ende mit Ablauf des darauffolgenden Tages.

Heißt: Sollte die Saison nach dem Lockdown wirklich zu Ende gespielt werden, könnten die Kreisspielleiter Englische Wochen anordnen. Je enger das Zeitfenster, umso mehr davon.

"Das berührt mich nicht so arg; das ist alles relativ weit weg", sagt Maxi Schaub. Er könne im Moment nicht einmal sagen, wie viele Ligaspiele der FC Westheim noch absolvieren müsse. Nach Recherchen dieser Redaktion sind es acht. Andere Vereine in anderen Ligen haben wesentlich mehr, der VfR Garching in der Regionalliga Bayern noch zwölf.

"Ich könnte mir schon vorstellen, die Runde im Mai oder Juni zu beenden", sagt Schaub. Bei einer Vorbereitungszeit von vier Wochen wären acht Spiele in sechs Kalenderwochen durchführbar - inklusive zweier Englischer Wochen. Spiele an Wochentagen seien "nichts Neues"; das habe man schon im Pokal gehabt.

Maxi Schaub: "Beendet den Spuk"

Allerdings hält es Schaub schon für ein Problem, unter der Woche genügend Spieler zusammenzubekommen. Eine erhöhte Verletzungsgefahr sieht der Westheimer pauschal nicht. "Das kommt drauf an, wie viele Spiele in kurzer Zeit absolviert werden. Fünf Englische Wochen und alle zwei Tage spielen wären schon knackig." Schaub will es aber nehmen, wie es kommt.

Eine klare Forderung äußert der Abteilungsleiter aber: "Beendet den Spuk von Ligapokal ." Da solle sich der BFV endlich klar positionieren.

Genauso denkt auch Oliver Mützel, Trainer des Ligakonkurrenten FC Thulba. "Ich hoffe, dass die Funktionäre zur Einsicht kommen und den Pokal streichen."Diese Saison sei keine, um daran festzuhalten. Für Mannschaften, die im Kader nicht so gut bestückt seien, seien Liga und Pokal "völliger Käse". Ähnlicher Meinung seien frühere Mitspieler wie Thomas Cäsar, die jetzt im schweinfurter Raum Trainer seien, so Mützel.

"Ich habe von vornherein gesagt, der Ligapokal hat für mich als Spielertrainer überhaupt keine Priorität." Der Trainer der Frankonen würde diese Zusatzbelastung am liebsten vermeiden: "Wenn ich es mir raussuchen dürfte, würde ich sagen: kein Ligapokal und keine Englischen Wochen, dafür genügend Zeit, den restlichen Ligabetrieb durchzuziehen."

Fünf bis sechs Wochen Vorbereitungszeit hält der Trainer für angemessen, "gerade unter dem Aspekt, dass wir so eine lange Pause hatten". Er geht zwar davon aus, dass seine Bezirksliga-Jungs sich klar an seine Fithalte-Vorgaben halten. Doch wenn es schließlich auf den Platz gehe, sei die Belastung eine ganz andere.

Trainer Oliver Scholz vom Kreisklassisten SV Obererthal fragt sich, ob man die Saison im Amateurbereich überhaupt noch durchziehen sollte - Englische Wochen hin oder her. "Die Spielzeit ist eh verkorkst und wird nicht besser mit Verlängerung des Lockdowns. Man sollte sie abbrechen und im September neu beginnen. Dann haben wir hoffentlich Corona im Griff." Eine besondere Situation erfordere besondere Maßnahmen.

Eigentlich müssten die Mannschaften schon im Trainingsmodus sein, so Scholz. Er geht aber von einem Lockdown im gesamten März aus. Im April sei das Wetter noch schlecht und man könne erst im Mai mit den Spielen beginne, rechnet der Obererthaler Trainer vor. Das Ganze gehe auf Kosten der Spieler, die ohne viel Vorbereitungszeit einer großen Verletzungsgefahr ausgesetzt seien.

Sollte es aber weitergehen, sagt Oliver Scholz ganz klar: "Wir wollen die Liga weiterspielen, aber nicht den Ligapokal ." Es sei so schon immer ein Kampf gewesen, für Letzteren elf Spieler zusammenzubekommen.

Björn Schlereth, Trainer beim SV Garitz in der A-Klasse, geht davon aus, "dass wir gar nicht mehr spielen. Wie wollen wir das hinkriegen, selbst mit Englischen Wochen?". Es fehle die Vorbereitungszeit; zwei, drei Spieler, die studieren, seien unter der Woche nicht verfügbar. Die Verletzungsgefahr sei groß.

Den Ligapokal nennt Schlereth "von Beginn an eine Totgeburt". Schon bei der Gruppeneinteilung habe es Probleme gegeben. "Vom BFV kommt nicht wirklich etwas. Man bräuchte definitive Ansagen", kritisiert der Garitzer Trainer. "Wir können nichts planen", schiebt er nach. Nun fürchtet er, dass einige Spieler, die um die 30 sind, ihre Karriere vorzeitig beenden.

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