LKR Bad Kissingen

Klaus Sieß: Ohne Zweikämpfe geht es im Handball nicht

Als Abteilungsleiter beim FC Bad Brückenau kennt der Bezirksvorsitzende die Sorgen und Ängste der kleinen Vereine bis ins Detail.
Ohne Zweikampf und körperliche Nähe ist Handball nicht denkbar. Doch wie kann der beliebte Hallensport in naher Zukunft betrieben werden? Klaus Sieß, Unterfrankens oberster Handballer, hat sich dazu Gedanken gemacht.  Foto: Sebastian Schmitt       -  Ohne Zweikampf und körperliche Nähe ist Handball nicht denkbar. Doch wie kann der beliebte Hallensport in naher Zukunft betrieben werden? Klaus Sieß, Unterfrankens oberster Handballer, hat sich dazu Gedanken gemacht.  Foto: Sebastian Schmitt
Ohne Zweikampf und körperliche Nähe ist Handball nicht denkbar. Doch wie kann der beliebte Hallensport in naher Zukunft betrieben werden? Klaus Sieß, Unterfrankens oberster Handballer, hat sich dazu Gedanken gemacht. Foto: Sebastian Schmitt

Mit dem Abbruch der Saison 2019/2020 hat der Bayerische Handballverband ein klares Zeichen im Sinne der Gesundheit seiner Sportler gesetzt. Die regionalen Vereine tragen diesen tiefgreifenden Beschluss mit. "Ich bin sehr stolz auf die unterfränkischen Vereine, die sich allesamt sehr vorbildlich verhalten haben. Unruhe gab es nicht, die Vereine gehen sehr souverän mit der schwierigen Situation um", sagt Klaus Sieß.

Der neue Bezirksvorsitzende weiß, dass der Weg zurück zur Normalität lang werden wird. Der Trainingsbetrieb wird wohl zunächst auf Freiluft-Sportanlagen aufgenommen werden. In Kleingruppen. Ohne Körperkontakt. Und zunächst auch ohne Pass-Spiel. "Die eigentliche Entscheidung, ab wann wieder trainiert werden soll, liegt beim Verein. Auch der Träger der Sportanlagen muss seine Genehmigung erteilen, sonst geht da gar nichts. Letztlich sind natürlich auch die politischen Entscheidungen maßgeblich für die Zukunft des Handballsports", erläutert der 58-Jährige das Prozedere. Zusätzlich muss im Verein ein Corona-Beauftragter benannt werden.

Bis ins kleinste Detail macht sich der Handballverband Gedanken über Hygienemaßnahmen, kontaktfreie Sportausübung und den verantwortungsvollen Umgang mit dem Trainingsbetrieb. Dabei geht es auch um Dokumentation, Gruppengrößen, Einverständniserklärungen von Eltern, die An- und Abreise beim Training und die Schulung der Trainer und Betreuer. "Die zahlreichen Maßnahmen stellen gerade die kleineren Vereine vor große Herausforderungen. Handballsport ohne Zweikämpfe gibt es nämlich nicht", macht Sieß klar.

"Das Video-Training des Bayerischen Handballverbandes in Zusammenarbeit mit Dominik Klein ist eine tolle Möglichkeit, mit der sich Handballer zu Hause fit halten können", sagt der Bezirksvorsitzende. Mit solchen digitalen Lösungen, wie auch dem E-Learning, werden sich die Funktionäre und Handballer beschäftigen, damit der Sport nicht gänzlich zum Erliegen kommt. Mit dem "Return to Play", dem Acht-Stufen Konzept des Deutschen Handballbundes DHB, beschäftigen sich die Funktionäre im Handballsport intensiv. In Telefonkonferenzen tauschen die Bezirke Informationen und Neuigkeiten aus. "Ich stehe immer wieder in engem Kontakt mit dem Präsidium. Es werden Optionen und Lösungen erarbeitet. Das ist alles sehr aufwändig."

Sieß geht davon aus, dass man in den meisten Vereinen mit dem Erwachsenenbereich beginnen wird, um dort Erfahrungen zu sammeln, die man bei den Jugendlichen und Kindern später nutzen kann. "Wir haben auch beim FC Bad Brückenau vorgesehen, dass der Seniorenbereich zuerst mit dem Trainingsbetrieb starten wird." Ohnehin werde man sich für den Jugendbereich noch viele Gedanken machen müssen, denn die Qualifikationsspiele, die eigentlich dazu dienen, die Jugendmannschaften in die Ligen gemäß ihrer sportlichen Fähigkeiten und Talente einzugruppieren, mussten allesamt abgesagt werden. "Das finde ich sehr bedauerlich, dass es gerade die Kinder und Jugendlichen in dieser Krise so hart trifft. Wir machen uns viele Gedanken darüber, wie wir den Nachwuchs bei der Stange halten können. Da geht es um die Zukunft dieser Sportart. Wir müssen es irgendwie schaffen, weiterhin präsent und im Bewusstsein der Jugendlichen zu bleiben."

Auch in Sachen Finanzen rauchen bei den Vereinen längst die Köpfe. "Wir müssen heuer zum Beispiel in Bad Brückenau auf das Stadtfest komplett verzichten. Alleine dadurch brechen für die Handballer Einnahmen weg, die wir eigentlich dringend benötigen", so Sieß. "Es gibt keine Feste und Turniere mehr, die Geld in die Kasse spülen. Es gibt keine Einnahmen mehr durch Zuschauer. Es geht gerade den kleineren Vereinen schon an die Substanz. "Es drohen Insolvenzen . Verständlicherweise haben Unternehmen im Moment ganz andere Sorgen als die Unterstützung des Handballsports. Wir müssen aufpassen, dass die Vereine und Strukturen nicht den Bach hinunter gehen."

Die Entscheidung des Bayerischen Handballverbandes , die Saison abzubrechen und die abschließende Tabelle nach der Quotientenregel zu erstellen, unterstützt Sieß voll und ganz. Auch die Regelung, dass es keine Absteiger, sondern nur Aufsteiger im bayerischen Amateurhandball geben wird, sei bei fast allen Vereinen sehr gut aufgenommen worden.

Dass der FC Bad Brückenau durch den Abbruch der Saison zumindest sportlich gesehen profitiert habe, weil die Damenmannschaft nicht aus der Bezirksoberliga absteigen muss, sieht Sieß als "eine Chance, die man annehmen muss." Gerade der Frauenhandball hatte an den drei Standorten Bad Brückenau, Hammelburg und Garitz/Nüdlingen zuletzt einen deutlich stärkeren Zuspruch der aktiven Sportler und Fans erlebt. "Ich habe aber auch bei den Bad Brückenauer Herren in der Bezirksoberliga eine tolle, spielerische Weiterentwicklung gesehen. Dass das Team auf dem dritten Platz gelandet ist, darauf kann der Verein stolz sein. Das ist absolut nicht selbstverständlich."

Sieß macht kein Geheimnis daraus, dass die unermüdliche Arbeit von Coach Oliver Hibert-Probeck das Team sehr weit nach vorne gebracht habe. Der FC-Coach wird seiner Mannschaft eine weitere Saison zur Verfügung stehen. Weil Sieß jeden Spieler schon aus dem Bad Brückenauer Juniorenbereich persönlich kennt, sehe er die positive Entwicklung jedes Mal mit sehr viel Freude. Und wenn eines Tages im Römershager Hexenkessel wieder der Ball fliegt, wird diese Freude zurückkehren.

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