Schweinfurt

Ohne Willy: Der FC 05 spielt demnächst wohl im Sachs-Stadion

Die NS-Vergangenheit des Namengebers soll eine Umbenennung nach sich ziehen. Die Entscheidung trifft der Stadtrat.
Seine Unverwechselbarkeit bekommt die Heimspielstätte des FC 05 Schweinfurt vor allem durch den Baumbestand im weiten Rund. Foto: Martin Kreklau       -  Seine Unverwechselbarkeit bekommt die Heimspielstätte des FC 05 Schweinfurt vor allem durch den Baumbestand im weiten Rund. Foto: Martin Kreklau
| Seine Unverwechselbarkeit bekommt die Heimspielstätte des FC 05 Schweinfurt vor allem durch den Baumbestand im weiten Rund. Foto: Martin Kreklau

Der Willy soll weg. Nur noch Sachs-Stadion wird die Heimstatt des FC 05 Schweinfurt wohl künftig heißen. Acht von neun im Stadtrat vertretene Parteien und Wählergruppen haben diese Umbenennung ebenso gefordert wie die über 100 Mitglieder der schon länger existierenden "Initiative gegen das Vergessen". Zudem soll dem früheren Industriellen die Ehrenbürgerwürde aberkannt werden aufgrund seiner Nazi-Vergangenheit.

Bestrebungen dieser Art hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, aber womöglich nicht die dafür notwendige politische Mehrheit. Es ist ja kein Geheimnis, dass der im Jahr 1896 geborene und einzige Sohn des Gründers der Schweinfurter Präcisions-Kugellagerwerke Fichtel & Sachs, ein Nationalsozialist und Mitglied der SS, SA und NSDAP war. Und damit bestimmt kein Mitläufer. Die Freundschaft zu SS-Reichsführer Heinrich Himmler und enge Kontakte zu anderen Nazi-Größen wie Hermann Göring sind bildlich wie textlich bekundet. Himmler und Göring waren übrigens Ehrengäste zur Einweihung im Jahr 1936.

Unter Denkmalschutz

Das Willy-Sachs-Stadion ist neben dem Berliner Olympiastadion eine der wenigen weiträumigen Sportanlagen aus den 1930er Jahren, die unter Denkmalschutz stehen. Das Fassungsvermögen beträgt aktuell rund 15 000 Plätze, darunter knapp 900 Sitzplätze auf der überdachten Haupttribüne. Der Zuschauerrekord stammt laut Wikipedia-Eintrag aus dem Jahr 1954, mit 22 500 Zuschauern bei einem Freundschaftsspiel gegen den Fritz-Walter-Club 1. FC Kaiserslautern.

Die Führungsriege im FC 05 um seinen Vorsitzenden Markus Wolf hält die Umbenennung des Stadionnamens für "konsequent und richtig". Auch in der Fanszene sei darüber eine lebhafte Diskussion entbrannt. Immer wieder gab es einen Austausch zwischen Verein und Fans. "Auch wenn etliche Fans der Umbenennung nicht zustimmen, können sie sich mit einem politisch unbelasteten 'Sachs-Stadion' anfreunden. Jegliche anderen möglichen Stadionnamen, insbesondere eine Benennung nach Sponsoren, werden in der aktiven Fanszene entschlossen abgelehnt", heißt es in einer Presseerklärung des Vereins, der Mitglied ist im Bündnis " Schweinfurt ist bunt" und sich aktiv einsetzt "für einen respektvollen und freundschaftlichen Umgang mit Sportlern, egal welcher Herkunft."

Gegen das Vergessen

Auf einer Erinnerungstafel am Stadion, das im städtischen Besitz ist, soll auf die Baugeschichte und den früheren Namen hingewiesen werden. "Das halten wir für wichtig, denn sie sollen und dürfen nicht vergessen werden", heißt es von Seiten des FC 05, der Mieter und Hauptnutzer der weiträumigen Anlage an der Niederwerrner Straße ist.

Diese Causa erinnert durchaus an die Umbenennung der Würzburger Carl Diem-Halle, wie die heutige s.Oliver-Arena bis 2003 hieß. Der im Jahr 1882 in Würzburg geborene Sportfunktionär gilt als Erfinder der olympischen Fackelläufe und war einer der Haupt-Organisatoren der (Propaganda-) Spiele von 1936 in Berlin. Trotz seiner Nähe zum Nazi-Regime war Carl Diem eher kein überzeugter Nationalsozialist, zumal dessen Frau jüdischer Herkunft war.

Voraussichtlich am 1. Dezember wird sich der Stadtrat mit dieser Angelegenheit befassen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das nächste Regionalliga-Spiel im "Sachs-Stadion" angepfiffen wird. Bis es soweit ist, hat der Verein genügend Zeit, um die Akte "Willy" zu schließen.

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