Hausen bei Bad Kissingen

Tobias Burigk liebt Pekingsuppe und Kiezklub

Tobias Burigk vom TSVgg Hausen verfolgt neben dem Fußball zwei weitere Leidenschaften. Beide können dem 29-Jährigen unter widrigen Umständen den Tag retten.
Tobias Burigk in seinem Lieblingslokal in der Bad Kissinger Altstadt. Nach langen Partyabenden nehmen er und einige Mannschaftskameraden gern die erste Mahlzeit des folgenden Tages zu sich. Foto: Steffen Standke
Tobias Burigk in seinem Lieblingslokal in der Bad Kissinger Altstadt. Nach langen Partyabenden nehmen er und einige Mannschaftskameraden gern die erste Mahlzeit des folgenden Tages zu sich. Foto: Steffen Standke

T obias Burigk ist Anführer und Antreiber der TSVgg Hausen. Im Interview berichtet der 29-jährige Logistiker, warum es mit dem Aufstieg diese Saison wohl nichts mehr wird. Außerdem erläutert der zentrale Mittelfeldspieler und Kapitän, warum für ihn Trainer an der Linie besonders wertvoll sind und er sowohl für den FC St. Pauli als auch für Pekingsuppe eine große Leidenschaft empfindet.

Servus Tobi, zwei Spieltage vor Schluss sieht es danach aus, als würde Hausen wie im Vorjahr auf dem undankbaren dritten Rang einlaufen. Hast du noch Hoffnung auf Platz zwei und die Chance auf den Aufstieg in die Kreisklasse?

Tobias Burigk: Ja, es scheint wiedermal der dritte Platz zu werden. Von Woche zu Woche nimmt die Hoffnung etwas ab, da jetzt Machtilshausen durch den Nichtantritt der SG Thulba II/Frankenbrunn kampflos drei Punkte überlassen bekommen hat. Es sind aktuell fünf Zähler, welche wir in zwei Spielen auf den Relegationsplatz aufholen müssten. Schwierig, aber das Schöne im Fußball ist ja, dass immer noch alles passieren kann, siehe Liverpool gegen Barcelona in der Champions League. Darum werde ich Sonntag nach Abpfiff die BFV-App belagern und auf das Ergebnis der Konkurrenz warten.

Ein Rückschlag waren sicher die beiden Niederlagen gegen die direkten Konkurrenten aus Machtilshausen und Oberthulba. Gegen Oberthulba, das jüngst die Meisterschaft perfekt machte, habt ihr 20 Minuten vor Ende mit 2:0 geführt. Warum hat es da nicht für einen Dreier gereicht?

Der Frage haben wir uns leider nicht nur ein-, zweimal stellen müssen. Wir haben das Spiel bis zur 70. Minute ausgeglichen gestaltet. Gingen durch Sergej Huck sogar 2:0 in Führung, was wir uns durch eine geschlossene Mannschaftsleistung erarbeitet hatten. Dass wir Oberthulba mit seinem guten Offensivspiel nicht 90 Minuten vom eigenen Tor weghalten konnten, bekamen wir 20 Minuten vor Schluss zu spüren. Einer unglücklichen Aktion im eigenen Sechzehner folgten ein Strafstoß und eine gelb-rote Karte, was uns völlig aus dem Konzept gebracht hat. Oberthulba legte nochmal alles in die Waagschale und erzielte sogar zwei weitere Treffer. Ein gebrauchter Tag, der eigentlich richtig gut begonnen hatte.

Danach folgten vier Siege in Serie gegen Teams aus dem hinteren Bereich. Jetzt am Sonntag steht das letzte Heimspiel gegen den FC Hammelburg an. Danach geht es zur (SG) FC Thulba II/DJK Frankenbrunn. Da sollten zwei Siege rausspringen, oder?

Unser eigener Anspruch am Anfang der Saison war, die 60-Punkte-Marke zu knacken. Mit zwei weiteren Siegen würden wir auf 56 Zähler kommen - was nicht allzu weit vom Ziel entfernt ist. Dementsprechend sind definitiv sechs Punkte eingeplant, mit denen wir im Großen und Ganzen zufrieden sein können, wenn auch sehr viel mehr dringewesen wäre.

Dein Trainer Jochen Haberle kann einen riesigen Erfahrungsschatz im Fußball vorweisen ob als Trainer, Scout oder Funktionär. Beschreib ihn doch mal als Coach.

Er ist ein sehr akribischer Typ und wie du schon sagtest, zeichnet ihn aus, auf so einen riesigen Erfahrungsschatz zurückgreifen zu können. Er konnte durch kleinste Änderungen aus vielen Spielern so einige Prozente rausholen. Zum Beispiel ein Marc Lauter, der sonst nur auf der Außenbahn zu finden war, hat eine überragende Saison auf der 'Sechs' gespielt. Ein mehr oder weniger Ergänzungsspieler, der im Sturm seine Einsatzzeiten bekam, spielte eine stabile Saison als Außenverteidiger. Jochen Haberle hat den Blick fürs Detail und dass er als Scout so erfolgreich geworden ist, beweist er sogar in der A-Klasse. Des Weiteren fördert er das Coaching untereinander, verteilt gewisse Verantwortung auf einige Spieler, was dazu führt, dass sich jeder weiterentwickelt. Einer, der davon profitiert, bin ich selbst.

Du hast in Hausen einige Trainer erlebt und bist als Spielführer der verlängerte Arm auf dem Platz. Gibt es große Unterschiede in der Herangehensweise, sprich Trainingsgestaltung, Matchplan oder auch Ansprache?

Es gibt sogar deutliche Unterschiede. Wir hatten jahrelang einen Spielertrainer, was ich persönlich nicht bevorzuge. Ein Coach gehört mit klarem Blick an die Seitenlinie, um das Spielgeschehen in die richtige Richtung zu lenken. Jeder Trainer lebt da seinen eigenen Stil was Taktik, Strategie, Aufstellung und Emotionen betrifft - und das ist gut so.

Jochen Haberle nennt Dich ein "richtig gutes Vorbild für die Mannschaft", sagt aber, dass Du mit Dir selbst oft zu hart ins Gericht gehst. Warum ist das so?

Ich versuche mich auf und neben dem Platz zu engagieren, mit anzupacken, wenn Dinge gemacht werden müssen. Auch habe ich, seitdem ich in der Logistik tätig bin, einen gewissen Drang zur Organisation - sei es Trainingsklamotten, Weihnachtsfeier und anderes. Auf dem Platz schieß' ich manchmal übers Ziel hinaus - wenn es nicht so läuft, wie ich das gerne hätte. Ich ärgere mich zu lange über vergebene Chancen, über die eigene Leistung, wenn sie nicht entsprechend war. Da bin ich teils Tage später noch angefressen. Es herrscht Verbesserungspotenzial.

Wie bewertest Du Deine eigene Saison?

Insgesamt bewerte ich sie als ausgeglichen. Auch für mich war es eine etwas komische Runde. Ich habe mir oft so Kleinigkeiten wie Zerrungen eingefangen, die mich gezwungen haben, das ein oder andere Spiel zuzuschauen. Das kannte ich so nicht. Zudem hatte ich lange mit Schmerzen beim Sprinten zu kämpfen, was eine beidseitige Leisten-OP im Winter zur Folge hatte. Im Augenblick arbeite ich mich an den Fitnessstand der Hinrunde ran.

Wie wird die 'Häusler' Kameradschaft bei euch gelebt?

Als Käpt`n steht man auch da in der Verantwortung. Die ist bei uns allgegenwärtig. Viele Spieler verbringen sogar einen Großteil ihrer Privatzeit miteinander. Seien es Grillabende, Konzertbesuche oder auch eher 'unangenehme' Dinge wie Umzüge. Da pflegen wir eine große Hilfsbereitschaft. Hin und wieder wird sich auch mit einer internen Kabinen-Spaß-Feier belohnt. Auch steht der diesjährige Rimini-Cup vor der Tür, bei dem der ganze Verein zusammenlangt, um das Event über die Bühne zu bringen. Ohne Kameradschaft wäre das nicht zu bewältigen.

Trifft man Dich auch auf anderen Plätzen der Region als Zuschauer?

Wenn wir mal nicht spielen, ja. Das gehört zum Sonntag dazu. Klar schaue ich mir meistens die anderen Teams aus der Liga an, manchmal auch ein paar Freunde aus Oerlenbach und wenn's zeitlich gut hinhaut, geht's des Öfteren ins Stadion. An und für sich gehört aber der regionale Fußball zum Sonntag wie die Butter auf dem Nutella-Brot.

In der Liga gibt es Akteure, die dem Spiel ihrer Mannschaft den Stempel aufdrücken. Wer waren für Dich herausragende Kicker?

Markus Markert - der Motor von Oberthulba. Ganz feiner Kicker. Wen ich noch aus früheren Kreisliga/-klasse-Zeiten kenne: James Galloway von Römershag. Auch er ist einer, der den Unterschied ausmachen kann. Dann René Leurer aus Obereschenbach - wer fast so viele Tore wie Spiele hat, darf nicht fehlen.

Du bist ein großer Sportfan. Was steht bei Dir außer der Jagd nach dem runden Leder auf dem Plan?

Puh - quer durch die Bank. Das fängt im Sommer bei Volleyball, Wakeboarden und Surfen an. Das beherrsche ich zwar nicht perfekt; aber ich arbeite dran. Im Winter geht es weiter übers Snowboarden bis zum klassischen Fitnessstudio. Ohne Sport geht nichts. Auch Reisen ist eine große Leidenschaft geworden.

Bald ist Sommerpause. Heißt es für Dich Beine hochlegen und abschalten oder wird der Fokus auf die neue Runde gelegt?

50:50. Wenn man auf die 30 steuert, freut man sich auf die spielfreie Zeit, was ich früher nie nachvollziehen konnte (lacht). Trotzdem liegt der Fokus auf der neuen Runde. Aktuell planen wir ein Trainingslager, so wie wir das letztes Jahr in Kühtai/Österreich abgehalten haben. Das war ein Erfolg und wir konnten uns auf 1800 Höhenmetern und aufwärts ordentlich vorbereiten. Die TSVgg Hausen wird definitiv wieder angreifen.

Dein Coach sagt, eine Deiner größten Macken wäre, FC-St.-Pauli-Fan zu sein.

Haha, der alte Borusse (lacht). Nein, im Ernst: Unter unseren treuesten Fans gibt es jemanden, der, seit ich das Häusler-Trikot trage, schon immer von St. Pauli schwärmte. Bis er mich, als ich Anfang 20 war, zu einem Auswärtsspiel gegen den Club mitgenommen hat. Dort hat's mich erwischt. Der Support, der Zusammenhalt, die Freundlichkeit unter den Fans und die politische Richtung, die St. Pauli vertritt, trug dazu bei, dass ich gesagt hab': 'Japp, das passt ganz gut.' Das Gekicke ist manchmal holprig und zweitklassig; aber dafür habe ich gelernt, dass Fußball so viel mehr sein kann: gemeinschaftlich für eine Meinung oder Einstellung einstehen. Ich denke, der Verein ist in Liga zwei gut aufgehoben, auch wenn ich nichts gegen ein Europapokalspiel am Millerntor hätte.

Schauen wir rüber auf die Insel, wo Jürgen Klopp mit Liverpool äußerst erfolgreich ist. Schaffen sie es noch, City zu kriegen?

Dadurch, dass ManCity daheim gegen Leicester mit dem 1:0-Sieg die letzte wirkliche Hürde genommen hat, ist die Meisterschaft den Citizens leider wohl nicht mehr zu nehmen. Die Sympathie steht klar bei Klopp; aber er wird wohl mit unglaublichen 97 Punkten in der englischen Liga auf dem zweiten Platz sitzen bleiben. Ich hätte es ihm tierisch gegönnt. Nach dem Spiel am Dienstagabend gegen Barcelona (4:0/d.R.) sollte der Einzug ins Finale und der mögliche Gewinn der Champions-League aber Trost genug sein.

Kommen wir zum Foto. Warum hast Du diesen Ort vorgeschlagen?

Mein Lieblingslokal, das "Hanoi" in der Bad Kissinger Innenstadt. Wir sind mit fünf, sechs Leuten aus dem Team öfters vorm Spiel zum Mittagessen dort. Auch haben wir hier ein paar vietnamesische Fans hinzugewonnen. Und ganz besonders wichtig, wenn der Samstag mal wieder etwas länger ging: Peking-Suppe, Nummer 31a, rettet Leben. Das Gespräch führte Stephan Penquitt

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