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Udo Baum kann das Spielen nicht lassen

Udo Baum steht mit 47 Jahren noch beim SV Morlesau/Windheim im Tor. Und er hat mit seinem Verein und als Sportler noch jede Menge vor.
Udo Baum vom SV Morlesau/Windheim steht mehr als vier Jahrzehnte im Tor. Mit 47 Jahren ist längst nicht Schluss.ssp
Udo Baum vom SV Morlesau/Windheim steht mehr als vier Jahrzehnte im Tor. Mit 47 Jahren ist längst nicht Schluss.ssp

Mit Superlativen soll man vorsichtig sein. Sie nutzen sich schnell ab. Doch auf Udo Baum passt einer definitiv: Torwart-Legende. Mit 47 Jahren steht er immer noch zwischen den Pfosten, in der Kreisklasse beim SV Morlesau/Windheim. Obwohl er gar nicht mehr in der Region wohnt. Im Interview spricht Baum darüber, was ihn noch antreibt, warum er sich nicht wie 47 fühlt und vor allem: wie lange er noch weitermachen will.

Am Wochenende habt ihr in Aura knapp verloren; du wurdest zweimal hart attackiert. Warum tust du dir das Fußballspielen mit 47 Jahren noch an?

Weil es mir immer noch Spaß macht und ich noch fit bin. Wenn es gesundheitlich nicht mehr gehen würde, würde ich das nicht mehr machen.

Wird man als 47-Jähriger nicht von den jungen Mannschaftskameraden belächelt?

Im Gegenteil. Die sehen mich als guten Torwart und sind froh, dass ich bei ihnen mitmache. Das zeigen sie mir auch immer und bedanken sich. Die Leute sagen auch, dass man noch sieht, dass ich ein Ausnahmetalent war und nicht wie 47 spiele. Ich bin auch froh, dass ich es gemacht habe. Es macht viel Spaß.

Beim SV Morlesau/Windheim stehst du seit vergangener Saison im Tor. Wie kam es dazu?

Der Morlesauer Torhüter hatte sich verletzt und ich in der Saison davor in Schondra ausgeholfen. Der Kontakt kam dann über Stefan Düsel, meinen Ex-Torwarttrainer in Thulba, zustande. Wir saßen eines Abends zusammen; ich habe gesagt: 'Ich würde gern noch Fußball spielen, kann ohne nicht sein.'. Morgens um 5 Uhr waren wir uns einig.

Wie lautet euer Saisonziel?

Wir spielen gegen den Abstieg und es wird schwer. Morlesau/Windheim ist ein kleiner Verein und wir haben viele Verletzte. Gegen Sulzthal am Wochenende sollte aber mindestens ein Punkt her. Langfristig wollen wir eine gute Mannschaft aufbauen. Du wohnst im Odenwald und arbeitest an Bahnstrecken zwischen München und Stuttgart. Wie lange möchtest du die weiten Strecken hierher noch fahren?

Bis der verletzte Morlesauer Torwart wieder fit ist oder auch die Runde zuende. Wie es sich ergibt.

Dein großes Vorbild ist Feldspieler oder Torwart?

Torwart natürlich. Gianluigi Buffon ist ein Ausnahmetalent. Generell gibt es ja auf meiner Ebene nur noch wenige gute Torhüter. Die Zeiten haben sich geändert. Fußball war für uns alles. Jetzt gibt es wegen Spielermangels bei den Vereinen immer mehr Zusammenlegungen. Diese Entwicklung finde ich sehr schade. Mit welchem größeren Verein fieberst du?

Definitiv FC Bayern München. Das war mein Lieblingsclub, eh und je. Ich würde es Neutrainer Niko Kovac gönnen, Meister zu werden. Das erste Spiel gegen Hoffenheim sah schonmal gut aus. In der Champions League hoffe ich auf 's Finale. Es wird mal wieder Zeit. Wenn du am Wochenende Zeit hättest: Zu welchem Spiel welcher Mannschaft würdest du hingehen und warum?

Beim FC Fuchsstadt würde ich gern mal wieder zuschauen. Das verfolge ich im Internet. Und auch Schwebenried wäre ein Kandidat, weil ich früher immer gerne gegen die gespielt habe. Außerdem sitzt mein derzeitiger Auftraggeber DMI Injektionstechnik dort. Besitzt du noch Erinnerungsstücke aus der Anfangszeit deiner langen Karriere, Torwarthandschuhe vielleicht?

Leider nein. Die Torwarthandschuhe habe ich eigentlich immer weggeworfen, wenn sie kaputt waren. Mit unseren Gesprächspartnern gehen wir fürs Foto an einen für sie besonderen Ort. Aus Zeitgründen klappt das nicht. Was wäre dein persönlicher Ort gewesen?

Auf jeden Fall der Sportplatz des SV Waigolshausen bei Schweinfurt. Dort habe ich mit vier Jahren mit dem Fußballspielen angefangen.

Das Gespräch führte Steffen Standke

Position "Ich war eigentlich immer Torwart", sagt Udo Baum. "Früher, in den wilden Jahren, habe ich als solcher auch mal gestürmt und Tore geschossen. Mit dem Kopf und für Fuchsstadt auch mal volley. Eine Zeitlang habe ich auch Elfmeter geschossen."

Stationen Udo Baum stammt aus dem Schweinfurter Raum. Mit elf Jahren ging er zum FC Westheim, wo er einige Jahre in der Jugend spielte. Mit 17 Jahren gab er sein Debüt in der 1. Männermannschaft in der Kreisliga. Dann wechselte Baum in die Bezirksliga nach Fuchsstadt. Dort spielte der 47-Jährige lange mit dem jetzigen Trainer Martin Halbig zusammen. Um die Jahrtausendwende verschlug es ihn für eine halbe Saison nach Elfershausen; dann spielte Baum jeweils vier Jahre für Bad Brückenau, Thulba und Schondra. Vor fünf oder sechs Jahren der große familiäre Schnitt: Der Torwart zog nach Osterburken-Adelsheim im Neckar-Odenwald-Kreis. Fortan spielte er noch Alte Herren in Fuchsstadt. Vorletzte Saison half Baum als Keeper in Schondra im Totopokal aus und seit vergangener Saison beim SV Morlesau/Windheim. Erfolge An ein spezielles Ereignis kann Baum nach eigenen Worten bei den vielen Auf- und Abstiegen nicht herausgreifen.

Schönster Moment "Meine schönste Zeit hatte ich mit meinem alten Trainer Jürgen Sykora beim FC Fuchsstadt. Wir sind heute noch Freunde und rufen uns oft an. Er besucht mich auch oft. Jürgen war auch lange mein Altherrentrainer in Fuchsstadt." Beruf Udo Baum leitet gemeinsam mit seinem Stiefsohn sein eigenes kleines Unternehmen mit sechs Beschäftigten. Es ist auf die Abdichtung von Tunnelsystemen spezialisiert und weltweit tätig. In den vergangenen Jahren war Baum unter anderem in Hongkong, Thailand und Ägypten unterwegs. Zurzeit arbeitet die Firma innerhalb des Mega-Projektes Stuttgart 21 an der Bahnstrecke zwischen München und Stuttgart. Deswegen kann er nicht immer bei Spielen der SV Morlesau/Windheim dabei sein.

Tippspiel So hat Udo Baum unsere fünf Spieltags-Begegnungen getippt: Kickers Würzburg - SV Wehen 1:3, FC Fuchsstadt - TSV Lengfeld 2:2, SV Morlesau/Windheim - VfR Sulzthal 2:2, FC Hammelburg - FC Elfershausen 3:1, FC Poppenlauer - SpVgg Haard 1:3. Wer hält dagegen? Zu gewinnen gibt es bekanntlich ein exklusives Tippsieger-T-Shirt der Saale-Zeitung.

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