Sulzthal

Vom Sulzthaler Spaziergang zum A-Klassen-Aufstieg

Vor dem Entscheidungsspiel um den Gang in die A-Klasse gegen Eltingshausen ergriff Sulzthals Trainer Lutz eine ungewöhnliche Maßnahme. Sie fruchtete.

Was tun, wenn das entscheidende Spiel der Saison ansteht? Wenn man als Spieler kaum weiß, wohin mit der Nervosität ? Erstmal Spazieren gehen. So machten es Trainer Robert Lutz und seine Kicker vom VfR Sulzthal vor dem Finale der Spielzeit 1972/73 in der B-Klasse . Es fruchtete: Die Sulzthaler schafften souverän den Sprung in die A-Klasse .

Dass der VfR überhaupt in Oberthulba ein Entscheidungsmatch gegen den FC Eltingshausen bestreiten musste, lag am damaligen Spielmodus. Zumindest glaubt sich der damalige Vorstopper Peter Bauer daran zu erinnern.

Anders als heute bestimmte bei Punktgleichheit nicht das Torverhältnis über Meister und Aufstieg einer Saison. Demnach hätte Sulzthal mit 37 Punkten und 70:32-Treffern hoch in die damals noch höherwertigere A-Klasse gedurft. Dahinter rangierte aber mit derselben Punktzahl der FC Eltingshausen - auch wenn dessen Tordifferenz bei 61:24 schlechter ausfiel.

Kurios auch: Fast wäre es nicht zu dem Duell am 12. Juni 1973 gekommen und Eltingshausen wäre Meister geworden. Sulzthal hatte eine Woche zuvor eine Art Nachholpartie gegen den TSV Reiterswiesen zu bestreiten. Zwar hatte diese Paarung im Laufe der Saison schon einmal stattgefunden und der VfR hatte 4:1 gewonnen. Doch aus heute nicht mehr ersichtlichen Gründen blieb das Spiel ohne Wertung (vielleicht war kein Schiri da). Also setzte des Sportgericht es neu an.

Hätten die "Sulzler" nur Unentschieden gespielt oder verloren - sie hätten die Tabellenspitze verpasst. Sie gewannen aber 2:0 und zogen mit Eltingshausen nach Punkten gleich. Von diesem Match und seinen Hintergründen weiß der heute 70-jährige Peter Bauer nichts mehr. Vom Finale gegen Eltingshausen umso mehr.

Unter anderem, dass Trainer Robert Lutz beim Spaziergang früh um 10 Uhr seinen Spielern die Taktik einschärfte und worauf sie beim Gegner achten sollte. Dann fuhren alle nach Oberthulba.

Im Spiel selbst bekam Bauer als "Zerstörer vor der Abwehr" die Aufgabe, den kleinen und flinken FC-Angreifer Paskowski zu zähmen. Was ihm zumindest in Hälfte eins im entscheidenden Moment nicht gelang. Jener Paskowski verwertete vor 2000 Zuschauern den Pass eines Mitspielers aus halblinker Position zum 1:0 für Eltingshausen .

VfR nicht wirklich im Spiel

Der VfR schien zu dem Zeitpunkt nicht im Spiel angekommen zu sein. Doch dann geschah Unerklärliches: " Eltingshausen hat sich zurückgezogen. Wir haben normal weitergespielt und es entstand Druck unsererseits", berichtet Bauer. Auch erinnert er sich an einen nervösen gegnerischen Torwart .

Und so zeigte der Eltingshausener Keeper laut einem damaligen Bericht der Heimatzeitung keine gute Figur, als VfR-Verteidiger Reinhold Moritz einen Alleingang zum 1:1 abschloss (42.). "Denn er ließ den angeschnittenen Ball aus den Händen gleiten."

Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte der nächste Fehler . Eltingshausens Goalie verlor einen sicher geglaubten Ball an Hans Miele, der mit Leichtigkeit das 2:1 erzielte.

Die Sulzler bestimmten nun das Spiel. Miele setzte den gerade erst vom SV Ramsthal gekommenen Roland Schaub ein, der Keeper Nöth und einen Verteidiger überwand - 3:1 und die Entscheidung. Die Chance zum 4:1 per Elfmeter nach Foul an Schaub nutzten die VfR-ler aber nicht mehr.

Peter Bauer erinnert sich, dass es unter den Altgedienten durchaus Diskussionen gab, Schaub überhaupt spielen zu lassen. Er belohnte sein Team mit immerhin einem Tor.

Alles in allem sieht Bauer den großen Mannschaftsgeist des damaligen Teams als Garant für den Erfolg an. Er selbst war 1971/72 vom FC 06 Bad Kissingen zum Verein gestoßen. Der VfR wurde in dieser Spielzeit Vizemeister. Kicker wie Werner Neder und Manfred Klein erhöhten die Qualität; 1972/73 gelang eine stabile Saison. Die eben mit dem Aufstieg gekrönt wurde.

Nach zwei oder drei Jahren ging es für den VfR Sulzthal wieder runter aus der A-Klasse . Die übrigens einiges mehr wert war als heute, weil darüber gleich die Bezirksliga, dann die Landes- und die Bayernliga kamen. Bis zu seinem Karriereende erlebte Peter Bauer drei oder vier Auf- und Abstiege. " Sulzthal , Eltingshausen und Reiterswiesen - das waren Mannschaften, die immer zwischen A- und B-Klasse gewechselt sind." Das habe immer davon abgehangen, wer ging, wer dem Verein treu geblieben sei, was aus der Jugend nachkam.

Unterschiedliches Engagement

Noch heute zahlt der Sulzthaler Bauer seinen Beitrag, schaut ab und zu Spiele an. Im Verein selbst engagiert sich der 70-Jährige nicht. "Das liegt auch daran, dass meine Kinder nie Fußball gespielt haben."

Anders ist es bei den früheren Mitspielern Reinhold Moritz und Franz Dietz. Ersterer fungierte als Trainer der Ersten, unter anderem, als die 1989/90 einmal mehr in die A-Klasse aufstieg. Letzterer bekleidete vom Schriftführer über den Kassier bis zum Vorsitzenden (in den 1980ern) viele Ämter im Vereinsvorstand.

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