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Was in Diebach und Wollbach vom Mythos Bezirksliga übrigblieb

Mitte der 2000er-Jahre erlebten der SC Diebach und der TSV Wollbach als Mitglieder der Bezirksliga ihre besten Zeiten. Erfolge, die zu wiederholen heute aus verschiedenen Gründen nur noch schwer möglich erscheinen.
Mit fokussiertem Blick sprintet Marco Krapf (links) vom TSV Wollbach mit Michael Schipper (SC Diebach) 2004/05 dem Ball hinterher. Foto: Hopf       -  Mit fokussiertem Blick sprintet Marco Krapf (links) vom TSV Wollbach mit Michael Schipper (SC Diebach) 2004/05 dem Ball hinterher. Foto: Hopf
| Mit fokussiertem Blick sprintet Marco Krapf (links) vom TSV Wollbach mit Michael Schipper (SC Diebach) 2004/05 dem Ball hinterher. Foto: Hopf

Es hängt noch immer im Sportheim des TSV Wollbach - das Foto des Teams, das 2000/01 den Aufstieg in die Bezirksliga schaffte. Fünf Jahre hielt sich der TSV dort. Und kreuzte mehrfach mit dem SC Diebach die Klingen, der sich noch länger in Unterfrankens höchster Spielklasse hielt. So am 20. März 2005, als Wollbach 2:0 auswärts gewann.

Marco Krapf aus Premich gehörte sowohl zum Aufstiegsteam als auch zu dem, das an besagtem 20. März in Diebach siegte. Der heute 39-Jährige steuerte in der 73. Minute sogar den Treffer zur endgültigen Entscheidung bei.

Daran und an das Spiel selbst erinnert sich Krapf nicht mehr - nur, dass Begegnungen zwischen Diebach und Wollbach stets eng ausgingen. Beide Mannschaften punkteten mit Tugenden wie Kampfgeist und Laufbereitschaft; spielerisch gab es bessere.

Das bestätigt Bernd Resenberger, der in diesem teils hektischen Duell auf Seiten des SC Diebach stand. "Gegen Wollbach waren es immer intensive, knappe Spiele, die lange offen blieben. Beide Teams haben kompakt gestanden; es fielen nicht viele Tore. Wer das 1:0 schoss, der gewann meist auch." Auch der 46-Jährige erinnert sich nicht mehr an konkrete Szenen.

Wer den Spielbericht der Heimatzeitung von damals liest, könnte meinen, der große Favorit aus Wollbach trifft auf einen schwächelnden SC. Denn die TSVler brachten eine Serie von sechs Partien ohne Niederlage aus dem alten Jahr 2004 mit - und feierten zum Start der Rückrunde in Diebach ihren fünften Auswärtssieg. Beim Heimteam wurde von einem "klassischen Fehlstart" geschrieben. Das Gegenteil war der Fall. Nie in seiner zehnjährigen Bezirksliga-Geschichte hat der SC besser dagestanden als nach der Hinrunde 2004/05. Als Tabellenzweiter schnupperten die Mannen von Trainer Peter Mammitzsch am Aufstieg in die Bezirksoberliga.

Doch dann folgte etwas, was Bernd Resenberger als typisch für den SC jener Zeit ansieht. Nach einer glänzenden Vorrunde brachen die Diebacher noch ein, erreichten in der Saisonabrechnung nur Platz 5, mit galaktischen 19 Punkten Rückstand auf BOL-Aufsteiger FC Thulba (60 Punkte). Resenberger erinnert sich noch gut, wie der letzte Saisonkick gegen den Staffelsieger 2:4 verloren ging.

Nach der Hinrunde hatte es Diebach auf stolze 31 Zähler gebracht. Nur ein Punkt weniger als Thulba. "Der Mannschaft ist förmlich die Luft ausgegangen", nennt der 46-Jährige konditionelle Gründe für den folgenden Absturz. Unter Bernd Heid; Trainer bis Sommer 2004, habe die Truppe Kondition gebolzt. "In der ersten Halbserie waren wir da topp." Nachfolger Peter Mammitzsch habe mehr das Spielerische betont. Was sich ja in der Hinrunde auszahlte. Im März und April 2005 aber verlor der SC Diebach viele Spiele. Und gewann im Mai unter Spielertrainer Steffen Stockmann erst wieder, als es um nichts mehr ging. "Vielleicht waren wir zu satt, haben zu wenig gemacht in der Vorbereitung auf die Rückrunde", sagt Resenberger.

Trotzdem: Platz fünf in der Endabrechnung 2004/05 bedeutete ein sehr gutes Ergebnis. Denn eigentlich war es laut dem 46-Jährigen meist so, dass Diebach in zehn Jahren Bezirksliga "meist drei Viertel der Saison gegen den Abstieg gespielt hat. Wir waren immer froh, die Liga halten zu können. Richtung Bezirksoberliga zu schielen: Das haben wir nie wieder gepackt."

Der TSV Wollbach erreichte in jener Spielzeit mit 36 Punkten Platz 9. Für den ehemaligen Stürmer Marco Krapf auch ein gutes Ergebnis. "Wir haben das in der Bezirksliga ganz ordentlich gemacht. Es waren fünf erfolgreiche Jahre."

Der TSV-Erfolg entsprang - wie zu der Zeit auch in Diebach - einer guten Jugendarbeit. "Für uns gab es nur Fußball; jede freie Minute standen wir auf dem Platz. Wir haben alles versucht und getan, um beim Training dabeizusein", erinnert sich Krapf. Er sei öfter mal als Student aus Würzburg nach Wollbach zum Trainieren gefahren. Der Premicher traf schon in der Jugend auf viele Einheimische: Wollbacher und Burkardrother. Am weitesten "gereist" war wohl Timo Karch aus Eltingshausen . Der dann später auch in die Nähe, nach Waldfenster , zog.

Da war aber noch einer, der für den Wollbacher Erfolg in der Bezirksliga stand: Dominik Schönhöfer . Nicht nur, dass er im Spiel gegen Diebach 2004/05 in der 38. Minute das 1:0 markierte. Er prägte die Mannschaft auch als Spielertrainer über zehn Jahre.

Auf Diebacher Seite spielte ein ebensolcher "Typ", vielleicht sogar zwei "Typen". Steffen Stockmann und Ralf Franz. Dass beide am 20. März 2005 fehlten, erklärt für Bernd Resenberger auch die damalige 0:2-Niederlage. "Ein Ralf Franz konnte eben ein ganzes Spiel über einen wie 'Dom' Schönhöfer ausschalten." Als Stockmann ging und weitere Leistungsträger wegbrachen, ging es für den SC abwärts. Diebach musste aus der Bezirksliga absteigen, nur ein Jahr, nachdem Wollbach das selbe Schicksal ereilte.

Sowohl Resenberger als auch Krapf sind ihren Vereinen treu geblieben. Letzterer spielt sogar mit zwei weiteren "alten Recken" (Stephan Voll und Mathias Kirchner) noch in der 2. Mannschaft des TSV in der B-Klasse . "Wenn wir gebraucht werden", ergänzt der 39-Jährige schmunzelnd. Mit Mathias Keßler sitzt ein weiterer früher Mitspieler im TSV-Vorstand. Krapf hat "nach Burkardroth gebaut" und verfolgt die Spiele des Kreisligisten Wollbach regelmäßig.

Ein Vergleich zwischen der damaligen und der heutigen Bezirksliga fällt ihm schwer. "Dynamik und Schnelligkeit haben sich geändert. Die Spieler sind technisch versierter." Ähnlich denkt Bernd Resenberger. "Wir hatten mehr Zeit zum Ballannehmen. Damals konnten viele Dorfvereine mit einer guten Jugend höherklassig, zum Beispiel in der Bezirksliga, spielen. Heute haben es die Jungen schwer, in die 1. Männermannschaft zu kommen." Höher kickende Mannschaften seien immer mehr auf Auswärtige angewiesen, um sich zu behaupten.

Als Beispiel nennt Resenberger den FC Westheim. Mit immer noch vielen einheimischen Spielen und nur punktuellen Verstärkungen von außerhalb tue sich der Bezirksligist schwer.

Auch von seinen ehemaligen Mannschaftskameraden tragen viele Verantwortung im Verein: Steffen Stockmann als dritter SC-Vorstand, Christian Schipper als Schriftführer, Ex-Torjäger Rainer Brandenstein, Klaus Franz, Stefan Binder und Alexander Ziegler als Jugendtrainer. Bernd Resenberger selbst spielt seit zwölf Jahren kein Fußball mehr.

Wunderbare Jahre in der Bezirksliga

Diebach Der SC stieg nach der Spielzeit 97/98 aus der damaligen A-Klasse Nord in die Bezirksliga Unterfranken auf. Dort hielten sich die Saale-Anrainer zehn Jahre. Nach der Saison 2007/08 musste Diebach als 15. von 16 Mannschaften aber wieder absteigen, diesmal in die inzwischen neugegründete Kreisliga. Dort belegte der SC in der Spielzeit 2008/09 lediglich Platz 6. In der darauffolgenden Saison gelang gar nur Rang 9.

Wollbach Der TSV stieg in der Saison 2000/01 in die Bezirksliga auf und 2005/06 als 17. ab. In der Kreisliga reichte es nur zu Platz 12 von 16. Erst in der Relegation gelang mit dem 3:1 gegen den SV Obererthal der Klassenerhalt. Einem 8. Platz 2007/08 folgte Rang 9 in der Spielzeit 2008/09. Und 2009/10 mussten die Wollbacher erneut als Tabellen-12. bangen. Die Relegation gewannen sie mit 7:5 n.E. gegen den TSV Maßbach.st

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