Bad Königshofen im Grabfeld

Filip Zeljko: Zwischen Sport und Studium

Wie der Tischtennis-Profi des TSV Bad Königshofen vom Ersatzmann zum Stammspieler wurde und was er für den Sport alles auf sich nimmt.

Filip Zeljko ist Berufspendler zwischen Zagreb (Kroatien) und Bad Königshofen. Es ist seine fünfte Saison für den Tischtennis-Bundesligisten aus dem Grabfeld. Nur wenn Spiele zeitnah zueinander stattfinden, bleibt er in seiner zweiten Heimat Bad Königshofen. Was ihm Christian Fischer mehr als erträglich macht, sieht er in Filip doch, wie zuvor im Japaner Mizuki Oikawa, seinen zweiten Ziehsohn, dem er versucht, Vater-Ersatz zu sein. Um ihm Deutsch lernen zu helfen, spricht er nur Deutsch mit ihm.

In diesen Wochen, in denen die Tischtennis-Bundesliga (TTBL) die Saison mit zwei Spielen pro Woche durchpeitscht, wohnt und arbeitet Filip in Bad Königshofen: Als Teilzeit-Profi und Teilzeit-Student. Er trainiert mit den Itagakis Koji und Akito und verfolgt am Laptop Vorlesungen einer Zagreber Universität , an der er für ein Hybrid-Studium, mit Präsenz und Online, in Wirtschaft und Touristik im dritten Jahr eingeschrieben ist. "Nach dem vierten habe ich den Bachelor, nach dem fünften den Master." Reich werden im Tischtennis nur die Besten. Einer wie er kann davon gerade so leben und kaum etwas zurücklegen. Deshalb das zweite mögliche Standbein.

Alle drei Zeljko-Brüder spielen Tischtennis: Der Älteste, Ivan (28), in der kroatischen Superleague, der Mittlere, Dominik (26), in der österreichischen Bundesliga. Nur der Jüngste wird voraussichtlich sein Land bei Olympia in Tokio vertreten. Filip sieht die Welt nicht mehr nur in rosaroten Farben. Gewiss hat er mit 24 noch Visionen im Sport, sieht er doch seine positive Entwicklung, seit er mit dem Nationalkader und insgesamt professioneller trainiert als noch vor zwei, drei Jahren.

Aus einem sehr guten Zweitliga-Spieler, er war Teil der Aufstiegsmannschaft, wurde zunächst ein wenig erfolgreicher Bundesligaspieler. Der von der Ersatzbank nur ins Team rückte, wenn sich ein Kollege mit einer Verletzung herum plagte. Dann verzauberte er sein Königshöfer Publikum, das ihn trotz seltener Erfolge ins Herz geschlossen hatte. Mehr, weil er so unglaublich kämpfen kann, nie aufgibt, seine Siege gar so herzlich feiert. Andernfalls bekam er das, was Sportler nicht brauchen können: Mitleid . Dass dem sympathischen Jungen jeder das Beste gönnte, genügte ihm auf Dauer nicht - und Manager Andy Albert auch nicht.

Über Erfolge in der Bundesliga empfehlen

Seine größten internationalen Erfolge feierte Filip Zeljko in seiner Jugend. Der Glanz der Medaillen, Gold bei der europäischen Jugend-Top-10, Bronze bei der Jugend-Europameisterschaft, beide 2014, ist aber verblichen. Bei internationalen Turnieren weit nach vorne zu kommen, ist bei der Weltranglisten-Position von der Setzung und Auslosung her sehr schwer und zurzeit eh nicht möglich. Also kann er sich nur über Erfolge in der Bundesliga empfehlen. In Bad Königshofen unter Vertrag zu stehen, bedeutet für ihn demnach das höchste Glück, obwohl er sich von der Dotierung her in Bescheidenheit üben muss. Der TSV mit dem ganzen familiären Drumherum ist für ihn dennoch nicht der Spatz, sondern die Taube in der Hand.

Dass sein Vertrag immer wieder verlängert wurde, ist eben nur in einem so familiär geführten Profi-Club möglich, in dem nicht nur der Sportler und seine Erfolge , sondern auch der Mensch und sein Charakter gesehen werden. Doch vor dieser Runde hatte Albert Informationen aus seinem dichten, weltweiten Netzwerk, dass "er uns heuer helfen wird und wir noch unsere Freude an ihm haben werden." Beides ist eingetroffen. Wenn man es so werten will, hat Filip Zeljko (Weltranglisten-276.) das Duell um Platz 3 im Team gegen den viel höher geführten Abdel-Kader Salifou (179.) gewonnen und mit ihm den Platz auf der Ersatzbank getauscht.

Viele Versionen bei der Aussprache

Womit die 1600 Kilometer Zagreb - Bad Königshofen - Zagreb, die er so oft stemmen musste, ohne spielen zu dürfen, erträglicher sind. Deutschlands Tischtennis-Publikum konnte Filip Zeljko also bereits ein Jahr in der 2. Bundesliga und dreieinhalb in der 1. Bundesliga sehen, die Hallensprecher und Livestream-Kommentatoren der elf anderen Erstligisten seinen Namen richtig oder falsch aussprechen. Doch alle zwölf können sicher sein, ihn bisher völlig verschieden und doch falsch ausgesprochen bzw. betont zu haben. Bei jedem Auswärtsspiel hören die sportdeutschland-tv-Zuschauer eine andere Version der Aussprache, wobei die Königshöfer immer der Meinung waren, die einzig wahre zu kennen.

Was Filip noch nicht über sich wusste

An dieser Stelle muss Zeljko schon lachen, hört er doch diese falschen Aussprachen seines Namens immer wieder. Da wird das Anfangs-Z wie ein deutsches "Z" oder ein "Tsch" oder wie ein "Sch" gesprochen. Beim Mittel-"eljk" war schon die Betonung auf dem "e" und auf dem "i" zu hören, aber auch ein Zeliko, Zelzko, Zelsko oder ein Zeltschko. "Dann schreibe das halt mal richtig in die Zeitung", lacht Zeljko, und Fischer, den er auch im Trüben fischen ließ, unterstützt ihn dabei. "Richtig ist ein ganz weiches, stimmhaftes "S" am Anfang, "Sselko". Wobei "Zeljko" auf serbisch und kroatisch sogar ein männlicher Vorname, weiblich Zeljka, ist und übersetzt so viel bedeutet wie "der/die Erwünschte, das Wunschkind." Das allerdings wusste Filip Zeljko selber noch nicht.Rudi Dümpert

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