Aubstadt

Josef Francic: Der TSV Aubstadt ist mittlerweile eine Marke

Warum der Sportdirektor trotz mancher Herausforderung für den Regionalligisten optimistisch in die Zukunft blickt.
Josef Francic (im Bild) fühlt sich in seiner Rolle als Sportdirektor beim TSV Aubstadt wohl.  Foto: foto2press/Frank Scheuring       -  Josef Francic (im Bild) fühlt sich in seiner Rolle als Sportdirektor beim TSV Aubstadt wohl.  Foto: foto2press/Frank Scheuring
| Josef Francic (im Bild) fühlt sich in seiner Rolle als Sportdirektor beim TSV Aubstadt wohl. Foto: foto2press/Frank Scheuring

Für die Fußballer des TSV Aubstadt ging es in den letzten Jahren stetig nach oben. Auch in ihrer zweiten Regionalliga-Saison sorgen die Grabfelder wieder für Furore und überwintern auf dem starken fünften Tabellenplatz. Einen großen Anteil am Höhenflug der Aubstädter hat Josef Francic , der 2011 zum TSV kam und die Mannschaft als Cheftrainer von der Landesliga bis in die Regionalliga führte. Im Juli 2020 machte er auf der Trainerbank Platz für seinen Nachfolger Victor Kleinhenz und übernahm stattdessen den Posten des Sportdirektors . Im Interview spricht der 54-Jährige über seine neue Aufgabe, verrät, warum der Wartmannsrother Victor Kleinhenz ihn an seine Anfangsjahre als Trainer erinnert und erklärt, welche Spieler als Neuzugänge für den TSV Aubstadt in Frage kommen.

Als Sie im Juli 2020 nach neun Jahren auf der Trainerbank des TSV Aubstadt freiwillig Platz gemacht und stattdessen den Posten des Sportdirektors übernommen haben, war das für viele eine große Überraschung.

Josef Francic : Für uns intern nicht. Wir haben schon länger darüber gesprochen, dass man einen Nachfolger für mich im Blick haben sollte. In der Regionalliga wurde uns schnell bewusst, dass wir uns in einigen Bereichen umstrukturieren müssen. Mit der selben Personalanzahl und Aufgabenverteilung wie in der Bayernliga wären wir nicht mehr zurecht gekommen. Ich persönlich habe gemerkt, dass mir die Trainer- und Managerrolle in einem zu viel wurde. Da die vergangene Saison durch Corona eine Sonderrunde war und wir im Sommer 2020 nur noch wenige Punkte für den Klassenerhalt gebraucht haben, fand ich den Zeitpunkt günstig.

Haben Sie sich mittlerweile in Ihrer neuen Rolle als Sportdirektor zurechtgefunden?

Sportdirektor ist für mein Aufgabengebiet vielleicht die falsche Bezeichnung. Das passt nicht so wirklich zum TSV Aubstadt , sondern eher zu großen Traditions- und Profivereinen, aber irgendeinen Titel mussten wir ja nehmen. Ich war lange Trainer und bin daher einer, der gut mit den Spielern reden und den Trainerstab unterstützen kann. Ich kenne den Verein sehr gut und kann daher zwischen den verschiedenen Ebenen entsprechend vermitteln. Es bedeutet mir viel, das über viele Jahre Aufgebaute weiterhin zu pflegen. Als Trainer habe ich viele Dinge allein entschieden, das ist jetzt natürlich ganz anders. Zukunftsorientierte Themen muss man in größeren Gremien besprechen und auch nach den Interessen des Vereins schauen.

Gefällt Ihnen Ihre neue Rolle oder reizt es Sie manchmal nicht doch noch, wieder als Trainer mit der Mannschaft auf dem Platz zu arbeiten?

Ich war 18 Jahre ununterbrochen Fußballtrainer und wir haben in dieser Zeit viele Erfolge gefeiert. Aber irgendwann braucht man auch mal eine Pause. Aktuell spüre ich auch keinen großen Drang, wieder als Trainer arbeiten zu wollen. Das kann natürlich in ein paar Jahren ganz anders aussehen.

Mit Victor Kleinhenz haben Sie Ihren sehr jungen Nachfolger auf der Trainerbank selbst ausgewählt. Was hat Sie glauben lassen, dass er in Ihre Fußstapfen treten und die Erfolgsgeschichte des TSV Aubstadt fortschreiben kann?

Ich hatte mich mit Victor in der Vergangenheit ein paar Mal ausgetauscht. Er war schon immer sehr neugierig und daher wollte ich ihn gerne als Co-Trainer haben. Bei ihm habe ich wahnsinnig viel Energie gespürt, was mich auch an meine Anfangsjahre als Trainer erinnert hat. Bei den ersten Gesprächen habe ich schnell gemerkt, dass in ihm sehr viel Potenzial steckt. Ganz sicher kann man sich natürlich nie sein. Aber ich habe mich einfach auf meinen Eindruck verlassen. Dass er aus der Bezirksliga kam und keine Landes- oder Bayernligaerfahrung hatte, war mir nicht so wichtig. Ich war auch kein fertiger Trainer und habe allein im ersten Regionalliga-Jahr wahnsinnig viel gelernt, beispielsweise durch die Spielanalyse mit anderen Trainerkollegen oder aber auch durch eigene Fehler bei der Aufstellung oder im taktischen Bereich. Wenn man sieht, wo wir aktuell stehen, haben wir eine wahnsinnig schwierige Aufgabe sehr gut gelöst.

Die Bilanz kann sich mehr als sehen lassen. Angesichts von 40 Punkten aus 24 Spielen scheint der Klassenerhalt so gut wie sicher. Laufen die Planungen für die nächste Regionalliga-Saison schon auf Hochtouren?

Die Planungen laufen während der kompletten Saison immer weiter. Ziel ist es, dass wir uns auf Dauer in der Regionalliga etablieren. Nur weil es in dieser Saison gut läuft, muss es nicht automatisch in der nächsten Runde auch so sein. Es gibt Beispiele von Vereinen, die weit oben mitgespielt haben, dann in Bedrängnis kamen und sogar abgestiegen sind. Die Regionalliga ist sehr komplex und daher geht es auch nicht nur um die Planung des Spielerkaders. Zwei Jahre Regionalliga sind kein Zufallsprodukt und dennoch müssen wir schauen, dass wir in einigen Bereichen noch professioneller arbeiten. Nur so können wir gegenüber den Profivereinen einigermaßen konkurrenzfähig bleiben. Wichtig ist dabei vor allem die medizinische und logistische Betreuung. Daher freuen wir uns, dass wir am Sportplatz nun auch ein eigenes Therapiezentrum bekommen.

Bei zwei Drittel der Spieler laufen die Verträge im Sommer aus. Droht ein größerer personeller Umbruch?

Die Mannschaft soll im Großen und Ganzen zusammen bleiben. Kontinuität ist uns bei den Planungen sehr wichtig. Wir haben mit unseren Spielern natürlich Vorgespräche laufen und erste Ergebnisse werden wir in naher Zukunft sicherlich präsentieren können. Ich glaube, dass wir mittlerweile sportlich eine Marke und für viele Spieler interessant sind. Unsere Neuzugänge haben gemerkt, dass wir sie hier in Aubstadt zufrieden stellen können. Überraschungen wird es sicher immer wieder mal geben. Und wir wissen auch, dass durchaus mal ein oder zwei Spieler ungeplant abwandern können. Insgesamt haben wir aber eine sehr gute Stimmung innerhalb der Mannschaft und daher glaube ich, dass es im Sommer keinen großen Umbruch geben wird.

Befürchten Sie, dass nach Julius Benkenstein und Daniel Leicht weitere langjährige Leistungsträger den Verein verlassen könnten?

Wir sind absichtlich mit einem sehr breiten Kader in diese Saison gegangen. Man hat bei den Englischen Wochen im Juli und August gesehen, dass diese Entscheidung notwendig war. Natürlich gibt es Spieler, die mit ihren Einsatzzeiten nicht ganz so zufrieden waren oder denen aus privaten und beruflichen Gründen der Aufwand für die Regionalliga zu hoch ist. Daher habe ich auch absolutes Verständnis, wenn ein verdienter Spieler wie Daniel Leicht den Verein dann verlässt. Klar ist aber auch, dass wir unsere erfahrenen Spieler unbedingt brauchen und auch zufrieden stellen wollen. Die Regionalliga ist von der Trainings- und Spielintensität noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Spieler, die schon lange bei uns sind, müssen sich da natürlich besonders umstellen und in einigen Bereichen professioneller arbeiten. Das machen sie aber vorbildlich und daher bin ich überzeugt, dass sie eine erfolgreiche Zukunft bei uns haben und wir uns einigen können.

Im Auge behalten müssen Sie auch die U23-Regelung. Sie besagt, dass an jedem Spieltag mindestens vier Spieler im Kader stehen müssen, die am 2. Juli der jeweiligen Saison das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. In der nächsten Saison fallen viele Stammspieler nicht mehr in diese Kategorie...

Ja, hier müssen wir unbedingt tätig werden. Wir werden jetzt im Winter auch Verträge mit zwei, drei unserer U19-Spieler abschließen. Sie sollen langsam an die Regionalliga-Bedingungen herangeführt werden, sodass sie auch wachsen können. Zunächst sollen sie nur mit der ersten Mannschaft trainieren und bei der U23 zum Einsatz kommen.

Sofort weiterhelfen werden diese Spieler in der neuen Saison aber noch nicht.

Das ist richtig. Man kann sicherlich mal ein paar Spieler aus der U19-Bayern- oder Landesliga integrieren. Aber wenn man Leistungsträger sucht, ist das deutlich schwieriger. Da kommt dann ein ganz anderer Spielermarkt in Frage. In diesem Bereich laufen auch schon die ersten Gespräche, aber aktuell haben wir noch keine Eile. Wir wollen richtige Entscheidungen treffen, ansonsten kann man auch viel kaputt machen. Wenn mehrere solche Transfers nicht passen, wirkt sich das schon gravierend auf den Erfolg und die Ziele des Vereins aus.

Welche Spieler kommen da überhaupt für den TSV Aubstadt in Frage?

Es gibt viele Spieler, die im U19-Profibereich unterwegs waren und vielleicht nur ein Jahr mal in der A-Junioren-Bundesliga gespielt haben. Viele dieser Spieler überlegen, sich neben dem Fußball ein zweites Standbein aufzubauen. Die haben den Profigedanken noch nicht ganz verloren, wollen weiterhin ordentlich trainieren und in einer guten Mannschaft spielen. Besonders interessant sind für uns natürlich Spieler, die hier in der Region studieren oder arbeiten oder aber ursprünglich aus der Region kommen und wieder zurück möchten. Wichtig ist uns, dass sie einen Plan B haben, denn dann können wir sie auch als Amateure behandeln. Solche Spieler passen genau in unser Konzept: Gut ausgebildet, noch mit Perspektive und gerade dabei, zu studieren oder eine Ausbildung zu beginnen.

Im Vergleich zu unter Profi-Bedingungen arbeitenden Regionalliga-Vereinen sind die infrastrukturellen und finanziellen Möglichkeiten in Aubstadt begrenzt. Wie können Sie dennoch junge, qualitativ gute Spieler überzeugen?

Wir werden aktuell von vielen anderen Vereinen gelobt und als Überraschungsmannschaft der Regionalliga bezeichnet. Die Spieler, die zu unserem "Dorfverein" gewechselt sind, haben gesehen, dass hier ordentlich trainiert und ein sehr gepflegter Fußball gespielt wird. Diese Erfahrung beeinflusst natürlich auch die Zukunftsplanung einiger Spieler und potenzieller Neuzugänge. Für manche ist es das Ziel, auf Dauer Regionalliga zu spielen. Einige Jüngere hoffen aber vielleicht auch, dass noch einmal ein Profifenster aufgeht und sie sich für höhere Aufgaben empfehlen können. Hierfür sind wir durchaus eine gute Adresse. Sportlich wie auch medizinisch sind wir richtig gut aufgestellt und unsere Spieler werden rund um die Uhr betreut. Das ist ein Zeichen von Professionalität und das spielt auch eine große Rolle bei den Vertragsgesprächen.

Fürchten Sie, dass der ein oder andere Spieler vielleicht doch noch einmal den Sprung ins Profigeschäft wagen möchte?

Wir werden natürlich beobachtet. Ich kenne das noch aus unserer ersten Regionalliga-Saison, als wir zur Winterpause 32 Punkte hatten und plötzlich die Angebote da waren. Die Spieler, die aktuell bei uns sind, haben aber auch einen gewissen Lebensstil. Sie lernen oder studieren und müssen daher genau abwägen, wie viel Zeit für richtiges Profitum da ist. Ich glaube, der Großteil unserer Spieler hat eine klare Vorstellung und ist bei uns aktuell sehr zufrieden . Wenn uns doch jemand verlässt und Profi wird, haben wir bewiesen, dass wir Spieler weiterentwickeln und nach oben bringen können.

Das Gespräch führte Florian Karlein

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