Riedenberg

Keine Zukunft für die JFG Sinntal/Schondratal

Die Juniorenfördergemeinschaft aus der Rhön wird aufgelöst. Vom schleichenden Ende einer Zweckgemeinschaft.
Aus Teamkameraden wurden ´sportliche Rivalen: Nach dem Ausstieg der DJK Schondra aus der JFG Sinntal/Schondratal mussten ehemaligen Mannschaftskollegen im Jahr 2019 gegeneinander antreten. Jetzt löst sich die JFG endgültig  auf.  Foto: Sebastian Schmitt       -  Aus Teamkameraden wurden ´sportliche Rivalen: Nach dem Ausstieg der DJK Schondra aus der JFG Sinntal/Schondratal mussten ehemaligen Mannschaftskollegen im Jahr 2019 gegeneinander antreten. Jetzt löst sich die JFG endgültig  auf.  Foto: Sebastian Schmitt
| Aus Teamkameraden wurden ´sportliche Rivalen: Nach dem Ausstieg der DJK Schondra aus der JFG Sinntal/Schondratal mussten ehemaligen Mannschaftskollegen im Jahr 2019 gegeneinander antreten.

Die Juniorenfördergemeinschaft (JFG) Sinntal/Schondratal wird am 21. Mai um 20 Uhr endgültig aufgelöst. Fast genau acht Jahre nach der Gründung gibt es für das mit großem Engagement und gegen so manchen Widerstand geschaffene Gebilde zur Förderung des Juniorenfußballs im Altlandkreis Bad Brückenau keine Zukunft mehr. "Wir sind zu diesem Schritt gezwungen. Wir haben noch maximal 34 Spieler für drei Jugendmannschaften in unterschiedlichen Altersgruppen. Das ist zu wenig, um in eine neue Saison zu gehen", sagt JFG-Vorsitzender Michael Kast (SV Riedenberg ). Acht Jahre lang hat die JFG Sinntal/Schondratal den Jugendfußball der Region bereichert. In den meisten Spielzeiten waren mehr als 120 Kinder und Jugendliche für die JFG am Start. Viele Teams machten immer wieder durch herausragende sportliche Leistungen von sich reden.

Es braucht einen starken Partner

"Natürlich fällt uns dieser Schritt nicht leicht. Aber wir brauchen einen neuen, großen Partner, um dem Jugendfußball in der Region überhaupt eine Zukunft zu geben. Wir wollen auf jeden Fall wieder drei Mannschaften an den Start bringen: U18, U15 und U13. Dazu werden neue Spielgemeinschaften gegründet werden müssen. Nach der Auflösung geht die Arbeit dann erst richtig los", berichtet Kast.

Am 17. April 2013 hatten der SV Wildflecken , der SC Schwarz-Weiß Oberbach, der SV Riedenberg , die DJK Schondra /Breitenbach/Mitgenfeld und der 1. FC Bad Brückenau mit großen Hoffnungen die "1. JFG Sinntal/Schondratal" gegründet. Monatelang hatten die Jugendleiter Konzepte und Satzungen erarbeitet.

"Unser großes Ziel war immer, dass die Kinder und Jugendlichen möglichst vor Ort oder in der direkten Nachbarschaft Fußball spielen können. Auch in Zukunft werden wir uns darum bemühen müssen", sagt Kast. "Alle Spieler wurden mittlerweile darüber informiert, dass sich die JFG Sinntal/Schondratal in Kürze auflösen wird. Trotzdem können alle Kinder und Jugendlichen sicher sein, dass sie auch in der neuen Saison 2021/2022 für ihren Heimat-Verein Fußball in einer neuen Spielgemeinschaft spielen können. Es wird sich für die Spieler selbst also gar nicht so viel verändern."

Diesmal reicht eine einfache Stimmenmehrheit

Eigentlich sollte die JFG Sinntal/Schondratal bei der Mitgliederversammlung am 19. April bereits Geschichte sein. Doch eine Auflösung des Vereins ist laut Satzung im ersten Anlauf nur bei Anwesenheit von 4/5 der stimmberechtigten Mitglieder bei der Versammlung möglich. "Wir haben die Mitgliederversammlung online abhalten müssen, aber es war im Vorfeld schon klar, dass wir die notwendige Zahl an Mitgliedern nicht zusammenbekommen würden." Beim zweiten, wahrscheinlich wieder online stattfindenden Anlauf am 21. Mai im Riedenberger Sportheim wird eine Auflösung der JFG ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder möglich sein. Die Satzung sieht dann nämlich eine einfache Stimmenmehrheit als ausreichend an.

Der Abend wird auch im Zeichen des Rückblicks stehen. Der formelle Akt der Auflösung steht erst an siebter Stelle der Tagesordnung. Danach wird es darum gehen, wer sich als Liquidator um den detaillierten Ablauf der Vereinsabwicklung kümmern soll.

Schon im Juni 2019 hatte sich ein mögliches Aus für die JFG Sinntal/Schondratal abgezeichnet, als die DJK Schondra als Gründungsmitglied ihren nicht ganz überraschenden Ausstieg ankündigte. Die DJK Schondra wollte möglichst wieder eigene Jugendmannschaften zusammen mit dem langjährigen Partnerverein DJK Breitenbach/Mitgenfeld etablieren. Immer mal wieder hatte es hinter den Kulissen gebrodelt, wenn es darum ging, welcher Verein welchen personellen Beitrag zum Gelingen des Gesamtkonzepts leistet.

Aus Mannschaftskameraden wurden Rivalen

Das führte zu der unglücklichen Konstellation, dass aus Mannschaftskameraden urplötzlich sportliche Rivalen wurden, die im Spielbetrieb gegeneinander antreten mussten. Die Verantwortlichen der DJK Schondra betonten seinerzeit, dass es "definitiv keine einfache Entscheidung" gewesen sei. Man habe keine Entscheidung gegen die JFG sondern rein für die DJK Schondra treffen wollen.

Langfristig sollte die Juniorenfördergemeinschaft angelegt sein, um in der Rhön Kindern in allen Altersklassen die Möglichkeit zu geben, Fußball zu spielen. Einig waren sich die Beteiligten damals, dass ein einzelner Verein auf lange Sicht kaum mehr in der Lage dazu sein werde, ein solches Angebot aufrechtzuerhalten. Im Jahr 2013 wurde sogar noch davon geträumt, dass die Herren-Mannschaften in allen betroffenen Ortschaften eigenständig bleiben sollen, um den Spielbetrieb auf eigenem Platz aufrecht zu erhalten. Die Realität holte die Vereine viel schneller ein, als damals möglicherweise gedacht.

Der SV Wildflecken spielt mittlerweile im Herrenbereich in einer Spielgemeinschaft zusammen mit dem SC Oberbach, SV Riedenberg II und FC Bad Brückenau II. Die DJK Schondra schloss sich mit dem FSV Schönderling zusammen und hat weiterhin die DJK Breitenbach/Mitgenfeld an Bord. Und der Verlust der Eigenständigkeit für die 1. Mannschaften in Bad Brückenau und Riedenberg scheint nur noch eine Frage der Zeit. Zumal beide Vereine mit ihrer traditionell großen Strahlkraft und ihrer ruhmreichen Historie längst von Kickern aus umliegenden Gemeinden unterstützt und getragen werden.

Ein Kommentar von Sebastian Schmitt

Das Ende der JFG Sinntal/Schondratal kommt zwar nicht überraschend und muss doch bedauert werden. Die fünf Gründungsvereine hatten einstmals große, gemeinsame Ziele und haben ihre Interessen doch nicht dauerhaft bündeln können. Es ist kein großes Geheimnis, dass sich der gesamte obere Sinngrund von Riedenberg über Oberbach bis nach Wildflecken nun langfristig in den Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld orientieren wird, um dort gemeinsam mit dem 100-jährigen VfR Stadt Bischofsheim im Jugendbereich neue Mannschaften an den Start zu bringen.

Für den Landkreis Bad Kissingen ein herber Schlag, der ja lokalsportlich betrachtet an den geographischen Rändern sowieso schon immer auszufransen drohte. In der Stadt Bad Brückenau hält längst der SV Römershag unangefochten das Monopol in Sachen Juniorenfußball. Der ruhmreiche FC Bad Brückenau hatte die einst so extrem erfolgreiche Jugendarbeit vor Jahren komplett aufgegeben und wird allmählich von Entscheidungen beziehungsweise Versäumnissen der Vergangenheit eingeholt. Und die DJK Schondra setzt all ihre Hoffnungen darauf, im Verbund mit den Schönderlingern, Breitenbachern und Mitgenfeldern eine gute sportliche Zukunft zu haben.

Die JFG Sinntal/Schondratal war alles andere als ein euphorischer Zusammenschluss befreundeter Vereine. Sie war ein reines Zweckbündnis, das den Kindern und Jugendlichen dienen sollte und schon bald der Vergangenheit angehören wird. Erst die Zeit nach der Pandemie wird zeigen, ob das Auflösen dieses Gemeinschaftsprojektes der richtige Weg ist.

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