Schondra

Vier Jahrzehnte Frauenfußball in Schondra

Vorurteile und Skepsis begleiteten die Spielerinnen der DJK. Vierzig Jahre später ist die Geschichte noch nicht zu Ende geschrieben.
Ein Prosit auf den Aufstieg in die Bezirksliga: 2017 feierte die DJK Schondra die Meisterschaft in der Kreisliga.  Foto: Sissy Martin       -  Ein Prosit auf den Aufstieg in die Bezirksliga: 2017 feierte die DJK Schondra die Meisterschaft in der Kreisliga.  Foto: Sissy Martin
| Ein Prosit auf den Aufstieg in die Bezirksliga: 2017 feierte die DJK Schondra die Meisterschaft in der Kreisliga. Foto: Sissy Martin

Das durchaus bemerkenswerte Jubiläum kann in Corona-Zeiten zwar vorerst nicht gebührend gefeiert werden. Und doch denken die ehemaligen und aktuellen Aktiven nur allzu gerne an die ziemlich bewegten und ereignisreichen Jahre zurück. 40 Jahre Frauenfußball in Schondra gingen nicht ohne Höhen und Tiefen über die Bühne.

Als 1980 die erste Frauenmannschaft in Schondra aus der Taufe gehoben wurde, die in der Saison 1981 regulär in die Kreisliga Rhön einstieg, gab es etliche Skeptiker und Bedenkenträger. Doch die Rhönerinnen ließen sich nicht beirren. "Wir hatten mit massiven Vorurteilen zu kämpfen", erinnert sich Gründungsspielerin Elisabeth Rubi. "Doch nachdem wir die ersten zwei Spiele gegen Modlos und Oehrberg gewonnen hatten, haben wir uns schon etwas Respekt verschafft. Oehrberg war damals die heimliche Hochburg im Damenfußball im Kreis Rhön, und die haben groß getönt: Der Verlierer zahlt den ganzen Abend. Unseren 3:2-Sieg haben wir daher so richtig ausgekostet", schmunzelt Rubi. Damenteams gab es in der Rhön unter anderem in Rupboden, Zeitlofs, Schönderling oder Oberwildflecken. "Wir konnten mehrere Meisterschaften in der Kreisliga Rhön erringen und wurden 1991 Meister der Bezirksliga Unterfranken, haben aber auf den Aufstieg in die Bayernliga aus Personal- und Kostengründen verzichtet", sagt Rubi.

Im Jahr 1997 mussten die Schondraerinnen ihre Mannschaft vom aktiven Spielbetrieb abmelden, weil bei einigen Frauen die Familienplanung in den Vordergrund rückte. Doch der Zusammenhalt der Rhöner Kickerinnen war so groß, dass mit dem Jahr 1997 auch der Startschuss für die "Junggebliebenen" fiel. Erst die Corona-Pandemie sollte die regelmäßigen lockeren Trainingseinheiten der Frauen ausbremsen. "Seit nunmehr 23 Jahren treffen wir uns zu gemeinsamen Unternehmungen", berichtet Elisabeth Rubi. "Ganz wichtig sind regelmäßige Veranstaltungen, wie die alljährliche Kreuzbergwanderung und der Drei-Tages-Ausflug, zu welchem sogar unsere weggezogenen Damen von München und Ansbach anreisen."

Was im Dunkeln blieb...

"Im Sommer 2010 wurde die Entscheidung gefällt, dem Damenfußball in Schondra wieder mehr Leben einzuhauchen", blickt Sissy Martin zurück, damals eine treibende Kraft. "Zweifelte Michael Schröter anfangs noch, ob tatsächlich etwas zustandekommen würde, konnten wir mit ihm als Coach im Oktober 2010 das erste Training am alten Sportplatz in Schondra abhalten", erinnert sich die DJK-Abteilungsleiterin. "Begriffe wie Kondition, Taktik, Abwehrstärke, Sturmspitze und auch die einfachsten Fußballregeln waren zu diesem Zeitpunkt bei den meisten Mädels Fehlanzeige", schmunzelt Sissy Martin heute.

"Unser erstes Testspiel fand in Ebenhausen statt. Zum Glück zählte der Schiedsrichter vor Beginn der zweiten Halbzeit die Spielerinnen durch, sonst hätten wir diese unbemerkt mit nur zehn Spielerinnen bestritten. Da dort am alten Sportplatz das Flutlicht die Ecken des Sportplatzes nicht ausleuchtet, konnte zum Glück auch niemand unsere miserablen Eckstöße sehen", nimmt es die Mittelfeldspielerin nachträglich mit Humor. Das erste offizielle Rundenspiel in der Freizeitliga fand am 9. April 2011 gegen Zeitlofs statt. "In der ersten Saison zeigten wir gute Spiele, wurden oft von den ,Junggebliebenen" sowohl auf dem Feld als auch vom Spielfeldrand unterstützt, blieben aber meistens sieglos.

Gefeiert wird immer

Umso größer war die Freude über das erste Saisontor im Spiel gegen Bastheim, welches 1:14 endete. Wir feierten wie die Großen und die Bastheimer Mädels schauten ganz verwundert. Grundsätzlich galt bei uns schon immer: Wir feiern, ob Sieg oder Niederlage." Das müsse wohl auch über all die Jahrzehnte das Erfolgsrezept des Frauenfußballs in Schondra gewesen sein. "Im Jahr 2014 wagten wir dann den großen Schritt, wir wechselten in die Kreisliga. Die Freizeitligasaison fand von März bis Oktober statt, die Kreisligasaison startete wie üblich im August. Da verbrachten wir ziemlich viel Zeit auf dem Sportplatz, aber wir wurden belohnt. Auch konnten wir das Kreispokalfinale 2014 im Derby gegen Schönderling für uns gewinnen. Bei diesem Derby war der Jubel immer besonders groß."

In der Saison 2016/2017 folgte ein neuerlicher Höhepunkt. "Für das entscheidende Spiel mussten wir uns kurz vorher in der Kabine noch Mut antrinken." Das half offenbar, denn der Aufstieg in die Bezirksliga wurde geschafft. "Da kamen wir viel herum, Fahrten zu Spielen in den Würzburger Raum zählten zum wöchentlichen Programm. Leider traf uns in dieser Saison erstmals das Problem mit dem Spielermangel. Einige Verletzungen und Ausfälle zwangen uns dazu, Spiele mit weniger als elf Spielerinnen anzutreten." Somit ging es nach der einen Saison in der Bezirksliga direkt wieder zurück in die Kreisliga.

Die Nachwuchsarbeit trägt Früchte

Der Abschluss dieser besonderen, wenngleich auch recht schwierigen Saison sollte trotzdem Erinnerung bleiben, weshalb der harte Kern der Mannschaft 2018 ein gemeinsames Wochenende auf Mallorca feierte. Auch der Nachwuchs im Mädchenfußball wurde in Schondra nie außer Acht gelassen. Mit dem Projekt "Ballbina kickt" starteten die Schondraerinnen mit Unterstützung des BFV im Bereich des Mädchenfußballs in die Saison 2016/2017. Unter der Leitung von Sissy Martin und Katharina Kleinhenz konnte Mädchen jeden Alters wöchentlich ein Training angeboten werden.

"In der Saison 2019/20 meldeten wir erstmals eine U17-Mädchenmannschaft in einer Spielgemeinschaft mit Thulba. Drei Mädchen aus der ursprünglichen Ballbina-Gruppe wechseln in der neuen Saison in die Damenmannschaft wechseln. Das zeigt, dass sich die Jugendarbeit lohnt", macht Sissy Martin klar. "Sollte im Sommer keine Jubiläumsfeier für die DJK-Frauen stattfinden können, werden wir dies vorerst per Online-Meeting feiern und die große Party nachholen."

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