Bad Kissingen

Vom überfälligen Ende einer Hängepartie

Der Abbruch der Saison sorgt endlich für Klarheit und neue Impulse. Leichter Optimismus bei den Vereinsvertretern.
So wünschen sich Spieler und Verantwortliche ihren Handballsport: Mit Zuschauern, so wie hier in Bad Brückenau. Foto: Sebastian Schmitt       -  So wünschen sich Spieler und Verantwortliche ihren Handballsport: Mit Zuschauern, so wie hier in Bad Brückenau. Foto: Sebastian Schmitt
| So wünschen sich Spieler und Verantwortliche ihren Handballsport: Mit Zuschauern, so wie hier in Bad Brückenau. Foto: Sebastian Schmitt

Nachdem der Bayerische Handball-Verband (BHV) am 17. Februar bekanntgegeben hatte, dass die Saison 2020/21 abgebrochen wird, schloss sich der Bezirk Unterfranken nach einer online-Konferenz der Beschlussvorlage des Verbandes vollumfänglich an. "Wir tragen die Entscheidung voll mit und setzen sie in allen Details auf Bezirksebene um", sagt Bezirksvorsitzender Klaus Sieß. Überraschend kommt der Abbruch der Saison für alle Beteiligten nicht. Weshalb der Blick schon wieder in die Zukunft geht und von vorsichtigem Optimismusgeprägt ist. "Sobald es möglich und erlaubt ist, fangen wir wieder an zu trainieren. Es fehlt ja an allem, wie Kondition und Zusammenspiel. Vielleicht kann man irgendwann wieder an Turnieren teilnehmen, Trainingslager veranstalten oder ins Fitness-Studio gehen. Aber das vorrangige Ziel ist: Wieder trainieren zu können", sagt Nicole Schröter vom TV/DJK Hammelburg .

Was bedeutet diese Entscheidung nun konkret? "Die Saison 2020/21 wird sportlich nicht gewertet. Es gibt daher weder Auf- noch Absteiger", macht Sieß deutlich. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Mannschaften, die sich vor dem 18. September 2020 aus dem regulären Spielbetrieb zurückgezogen haben, müssen absteigen, wenn sie denn überhaupt wieder antreten wollen. "Natürlich müssen wir den Vereinen Möglichkeiten geben, Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen. Die rechtlichen Schritte legt der Bezirk den Vereinen dar", erläutert Sieß. "Es könnte ja sein, dass Vereine mit dem Abbruch nicht einverstanden sind." Geplant ist jedenfalls, dass die kommende Saison 2021/22 in genau der Konstellation und mit der Ligeneinteilung vom 18. September 2020 gespielt wird.

Nüdlinger Herren-Team auf der Kippe

Das Damoklesschwert eines Mannschaftsrückzuges hängt derweil über der DJK Nüdlingen. "Bei den Herren hatten wir ja schon im vergangenen Jahr Personalsorgen. Da müssen wir tatsächlich erst einmal abwarten, wer uns für die kommende Saison noch zur Verfügung steht. Mein Wunsch ist aber schon, dass wir wieder eine Herrenmannschaft in Nüdlingen stellen können", sagt Bernd Hofmann aus der Abteilungsleitung. Besser schaut es bei den Damen der SG Garitz/Nüdlingen aus, denen der sportliche Erfolg sicher leichter beim Überwinden der Krise hilft. "Unser Ziel ist auf jeden Fall, dass bei den Frauen wieder zwei Mannschaften für den Spielbetrieb gemeldet werden können. Und die personelle Situation macht uns da recht viel Hoffnung, dass es erneut gelingen kann", so Hofmann.

Finanzielle Entlastungen

Finanziell soll den bayerischen Handballvereinen durch den kompletten Saisonabbruch kein zusätzlicher Schaden entstehen. Aus diesem Grund sollen Spielbeiträge auf Verbands- und Bezirksebene nicht zur Zahlung fällig werden. Bereits getätigte Zahlungen können für die kommende Saison angerechnet werden. Vorgesehen ist auch ein Ausgleich für die Schiedsrichterkosten, wenn in der jetzt abgebrochenen Saison bereits Spiele stattgefunden haben. Dies ist bei einigen Mannschaften allerdings gar nicht der Fall, gerade in den unteren Klassen. Für Klaus Sieß ist der Abbruch der Saison angesichts der Corona-Pandemie der einzig mögliche Weg, um sich voll auf die nähere Zukunft des Handballsports zu konzentrieren. Und der Handballsport wird noch viele Herausforderungen bewältigen müssen. "Besonders im Bereich der Kinder und Jugendlichen ist die aktuelle Situation schwierig. Wir müssen schauen, dass wir den Nachwuchs nicht verlieren", macht Sieß deutlich.

Gerade bei den drei Frauenhandball-Bastionen SG Garitz/Nüdlingen, TV/DJK Hammelburg und FC Bad Brückenau hatte die Nachwuchsarbeit zuletzt Früchte getragen mit einer erfolgreichen Integration der Jugendspielerinnen in den Erwachsenenbereich. "An diese Erfolge wollen wir wieder anknüpfen. Da wird es aber auch noch viele Hürden geben, an die man so noch gar nicht so denkt. In Lohr beispielsweise steht den Handballern die Spessarttorhalle auf längere Zeit gar nicht zur Verfügung. Denn dort wurde das Impfzentrum eingerichtet", so Sieß.

Trainingsstunden online

Neue Impulse erhofft sich der Bezirksvorsitzende von Online-Trainingsmöglichkeiten, um so eine gemeinsame, wenn auch räumlich getrennte, sportliche Bewegung zu ermöglichen. Der TSV Lohr zum Beispiel sei hierbei im Bezirk Unterfranken bereits sehr aktiv und biete online Trainingsstunden an. Daran teilgenommen haben auch die Frauen vom FC Bad Brückenau. "Darüber hinaus muss man halt selbst etwas tun: Joggen oder Radfahren ", fordert FC-Spielerin Annalena Löser Eigenverantwortung ein. Im März starten im Bereich der Online-Angebote wiederum neue Initiativen auch in ganz Bayern. "Wir hoffen, dass wir auch die Jugendlichen so erreichen können. Es wird sicherlich Kinder geben, die wir auf Anhieb nicht mehr für den Handballsport zurückgewinnen können. Das ist zwar sehr schade. Aber die Tendenzen sind erkennbar", sagt Klaus Sieß.

Der Bezirksvorsitzende sieht die Notwendigkeit eines Stufenplans für den Handball , sobald Amateursport wieder möglich ist. Und: "Es braucht auch wieder Hygiene-Konzepte. Und die Vereine müssen wissen, was kostenmäßig auf sie zukommen wird. Das Ganze wird zudem personalintensiv sein. Die unterfränkischen Vereine haben sich in der Pandemie bisher vorbildlich verhalten. Da muss ich ein Riesen-Lob aussprechen. Das muss auch unser Anspruch für die Zukunft sein."

Die Kunst nach dem Lockdown

Für Oliver Hilbert-Probeck ist der Saison-Abbruch nach monatelanger Hängepartie die richtige Entscheidung gewesen. "Die Jungs hatten die ganze Zeit lediglich die Vorgabe, sich konditionell fit zu halten, einmal die Woche sieben Kilometer Laufen zu gehen. Ich versuche, das erstmal so beizubehalten und hoffe, dass wir spätestens im Juni dieses Jahres wieder in die Halle können, um uns körperlich und technisch auf die kommende Saison vorzubereiten", sagt der Trainer der Bad Brückenauer Herren. "Die Kunst nach dem Lockdown wird darin liegen, die Spieler wieder zu motivieren, an ihre Leistungsgrenze zu gehen."

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