Frankfurt/Main

Bayern schwächeln im Titelkampf - Weckruf von Rummenigge

Niederlage       -  Der FC Bayern um Nationaltorhüter Manuel Neuer verlor in Frankfurt.
Foto: Arne Dedert/dpa | Der FC Bayern um Nationaltorhüter Manuel Neuer verlor in Frankfurt.

Hansi Flick blieb nach der zweiten Liga-Pleite seiner im Titelkampf schwächelnden Sixpack-Bayern in diesem Jahr relativ cool, dafür gab es vor dem Start in die K.o.-Phase der Champions League einen kräftigen Weckruf von Karl-Heinz Rummenigge.

„Wir müssen uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir in den ersten 30 Minuten zu unkonzentriert und zu inkonsequent gespielt haben. Wir haben eine gute Mannschaft, wir müssen nur hin und wieder ein Stück engagierter spielen. Wir ersparen uns manchmal den letzten Meter”, kritisierte der Vorstandschef des Fußball-Rekordmeisters aus München nach dem 1:2 (0:2) bei Eintracht Frankfurt im „Aktuellen Sportstudio” des ZDF den eine Halbzeit lang nicht meisterwürdigen Auftritt.

Innerhalb kürzester Zeit hat der Titelverteidiger, der zu Wochenbeginn gegen Arminia Bielefeld nur ein 3:3 geschafft hatte, einen Großteil seines komfortablen Polsters verspielt. Nach dem 3:0-Sieg von Verfolger RB Leipzig bei Hertha BSC beträgt der Vorsprung nur noch zwei Zähler. „Es gibt sicher viele Fans, die es gut finden, dass die Spitze enger zusammengerückt ist. In unserem Interesse ist das nicht. Wir wollen deutscher Meister werden”, sagte Rummenigge und stellte angesichts der Patzer am 21. und 22. Spieltag fest: „Fünf Punkte sind für den FC Bayern ungewöhnlich viel.”

Am Ende einer turbulenten Woche mit weiteren personellen Ausfällen, vielen Debatten abseits des Rasens und zwei sportlichen Rückschlägen war Flick daher sichtlich bemüht, keine zusätzliche Unruhe aufkommen zu lassen. „Wenn wir von Anfang an so spielen wie in der zweiten Halbzeit, heißt der Sieger Bayern München. Nach der Pause war die Mannschaft wach. Leider haben wir die Chancen nicht in einen Punkt ummünzen können. Den hätten wir verdient gehabt”, sagte der Trainer und rückte die Steigerung nach dem Wechsel in den Fokus.

Das 26. Saisontor von Robert Lewandowski, der damit weiter den Bundesliga-Torrekord von Gerd Müller (40) aus der Saison 1971/71 jagt, war am Ende jedoch zu wenig. Entsprechend bedient war Nationaltorhüter Manuel Neuer, der bei den Frankfurter Gegentreffern durch Daichi Kamada (12. Minute) und Amin Younes (31.) machtlos war. „Es muss von Beginn an Aggressivität auf dem Platz sein”, monierte Neuer. „Wir haben nicht aus dem Bielefeld-Spiel gelernt. Es reicht gegen solch eine Mannschaft nicht.”

Ähnliche Kritik kam von Leon Goretzka, der bei seinem 45-minütigen Comeback nach überstandener Corona-Infektion in der zweiten Halbzeit das Bayern-Spiel belebte. „Es war ein Spitzenspiel. Es ist normalerweise die große Qualität des FC Bayern, dass wir dann da sind. Heute war es nicht der Fall. Die erste Halbzeit haben wir komplett verpennt”, rügte der Nationalspieler.

Die momentane Schwächephase der Bayern hatte sich schon vor dem erfolgreichen Abstecher zur Club-WM in Dubai angedeutet. Rummenigge sprach die Probleme der vergangenen Wochen offen an. „Offenbar stimmt etwas nicht in der Abstimmung. Die ganze Mannschaft muss in der Defensive helfen”, sagte der Bayern-Boss. 31 Gegentore hat der Serienmeister nach 22 Spielen bereits kassiert - so viele wie seit 29 Jahren nicht mehr.

Vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Königsklasse bei Lazio Rom am Dienstag (21.00 Uhr/Sky) knirscht es im Gebälk der Münchener, die ihre gewohnte Souveränität derzeit eingebüßt haben. Flick nahm seine Schützlinge dennoch in Schutz: „Wir haben turbulente Tage hinter uns, das darf man nicht vergessen. Wir sind auch nur Menschen.”

Der Coach setzt jetzt auf den Faktor Zeit und die Rückkehr von wichtigen Säulen wie Thomas Müller oder Serge Gnabry. „Es ist eine lange Saison. Wir bauen auf der Leistung der zweiten Halbzeit auf”, sagte Flick. Auch die Spieler lassen sich in ihrem Selbstverständnis nicht erschüttern. „Jetzt ist es wieder spannend. Wir werden zusehen, dass wir wieder Gas geben und Punkte sammeln”, sagte Goretzka. „Nach und nach werden auch Spieler zurückkommen, deshalb machen wir uns keine Sorgen.”

© dpa-infocom, dpa:210221-99-530429/4

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