Frankfurt/Main

Bayerns Kiel-Schmach lässt Jäger vom Titel träumen

DFB-Pokal       -  Manuel Neuer und Co. müssen den DFB-Pokal im Jahr 2021 auf alle Fälle abgeben.
Foto: John Macdougall/AFP/POOL/dpa | Manuel Neuer und Co. müssen den DFB-Pokal im Jahr 2021 auf alle Fälle abgeben.

Für die titelhungrigen Verfolger ist die DFB-Pokal-Schmach von Triple-Sieger FC Bayern Chance und Warnung zugleich.

Der völlig überraschende Münchner Elfmeter-K.o. im  Schneegestöber bei Fußball-Zweitligist Holstein Kiel bietet Borussia Dortmund, RB Leipzig und Co. zwar eine riesige Gelegenheit, die seit Jahren gewachsene Titelsehnsucht in diesem Mai endlich zu stillen.  Doch zeigte das erste Zweitrunden-Aus der Bayern seit 2000/2001 auch, wie schnell in der dicht gedrängten Corona-Saison eine vermeintliche Pflichtaufgabe zum Stolperstein für alle Titelträume werden kann.

An diesem Dienstag und Mittwoch stehen die Achtelfinals auf dem Programm. Und während Robert Lewandowski und seine Kollegen es sich vor dem Fernseher gemütlich machen müssen und kurz vor der Club-WM ein paar Tage zum Verschnaufen haben, schlüpfen Dortmund, Leipzig und die zuletzt in der Bundesliga mehrfach gestrauchelte Werkself von Bayer Leverkusen in ihre neuen Rollen als Pokal-Favoriten. „Dass Bayern nicht mehr dabei ist, macht es sicherlich nicht schwerer. Aber jetzt sehen viele Clubs ihre Chance”, sagte Leipzigs Nationalspieler Lukas Klostermann im MDR: „Man darf sich keinen Ausrutscher leisten.”

Gemeinsam hat das Trio neben den gestiegenen Titelchancen durch das Bayern-Aus auch das vermeintliche Losglück, das allen drei Clubs machbare Achtelfinale-Aufgaben beschert hat. Der 2020er-Finalist Leverkusen gastiert am Dienstag (18.30 Uhr/Sky) beim letzten verbliebenen Viertligisten Rot-Weiss Essen. Dortmund empfängt am Dienstag (20.45 Uhr/ARD und Sky) Zweitligist SC Paderborn. Und auch für den Tabellenzweiten Leipzig ist das Heimspiel gegen Zweitligist VfL Bochum am Mittwoch (18.30 Uhr/Sky) eine Pflichtaufgabe.

Dass die Dauersieger aus München erstmals seit 2009 nicht das Pokal-Halbfinale erreichen, vergrößert nicht nur die Ambitionen der in der Liga so erfolglosen Jäger. Sondern auch die mediale Präsenz.  Denn üblicherweise ist das Bayern-Spiel im Free-TV stets gesetzt, diesmal zeigt die ARD am Dienstag Dortmund gegen Paderborn (20.45 Uhr) und am Mittwoch Stuttgart gegen Mönchengladbach (20.45 Uhr).

„Ein  Topspiel am Mittwochabend, dazu live im Fernsehen, vor der breiten Masse, kein Pay-TV. Das ist ein super Wettbewerb. Das ist unsere Champions League. Wir wollen alles investieren und weiterkommen”, sagte Stuttgarts Sportdirektor Sven Mislintat.

Der sportlichen Spannung in Fußball-Deutschland dürfte die neue Konstellation in jedem Fall gut tun, zumal Bayern in der Bundesliga angesichts von sieben Punkten Vorsprung dem neunten Titel in Serie entgegeneilt. Im Pokal gab es für die Münchner unter Hansi Flick und Vorgänger Niko Kovac zuletzt zwei Titel in Serie, davor durften immerhin Eintracht Frankfurt (2018) und Dortmund (2017) einen der seltenen Triumphe bejubeln. Beide Clubs besiegten in der jeweiligen Saison auch die Bayern.

Diese sportliche Meisterprüfung hat den Topclubs in dieser Saison bereits ein Zweitligist abgenommen. Auch Borussia Mönchengladbach und Kapitän Lars Stindl hoffen aus diesem Grund noch mehr auf den erstmaligen Finaleinzug seit 1995. „Den Traum von Berlin würde ich mir gerne noch erfüllen, und gerade in diesem Jahr, da die Bayern raus sind, ist da eine große Chance. Wir werden alles daran setzen, sie zu nutzen”, sagte Stindl der „Rheinischen Post”. 2017 war die Borussia erst im Elfmeterschießen des Halbfinals an Eintracht  Frankfurt gescheitert.

Wie ungewöhnlich offen der Kampf um den Pokalsieg in dieser Spielzeit ist, zeigt auch ein Blick auf die Buchmacher. Lässt sich mit einem Titel-Tipp auf den FC Bayern sonst nicht allzu viel Geld verdienen, kristallisiert sich nach dem Aus der Münchner kein klarer Favorit heraus. Selbst für einen Pokalsieger-Tipp Dortmund oder Leipzig gibt es im Erfolgsfall mehr als den dreifachen Einsatz zurück.

© dpa-infocom, dpa:210201-99-253767/3

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