Fussball: 2. Bundesliga

Club nur der Beste im Schneckenrennen

Durch das 0:0 gegen Bochum setzt sich Nürnberg im Abstiegskampf nicht von Karlsruhe und Wehen ab. Nur die verbesserte Defensive gibt Hoffnung für das unangenehme Restprogramm.
Einen Schritt zu spät: Robin Hack links) im Duell mit Bochums Torwart Manuel Riemann, Kurz vor Schuss scheiterte der Nürnberger an der Latte - die beste von ganz wenigen Club-Chancen.
Einen Schritt zu spät: Robin Hack links) im Duell mit Bochums Torwart Manuel Riemann, Kurz vor Schuss scheiterte der Nürnberger an der Latte - die beste von ganz wenigen Club-Chancen. Foto: Daniel Karmann

Es war die Szene, die dem Club Erlösung im Abstiegskampf der 2. Bundesliga hätte bescheren können. Mit einem feinen Trick verschaffte sich Robin Hack Raum im Bochumer Strafraum, schoss aus der Drehung und VfL-Torwart Manuel Riemann sah dem Ball machtlos hinterher. Doch die Latte stand dem möglichen Nürnberger Siegtor im Weg. Es war die 84. Spielminute; Bochum hätte also nur noch wenig Zeit gehabt, zu reagieren.

„Ärgerlich“  nannte es Hack nach dem 0:0, dass sein genialer Moment im vierten Nürnberger Anlauf wieder nicht den ersten Sieg nach der Corona-Pause gebracht hatte. Die Wahrscheinlichkeit, dass die TSG Hoffenheim nach der Saison die angeblich vorhandene Rückkaufoption für den 21-Jährigen ziehen wird, ist mit dieser Aktion trotzdem wieder ein Stück gestiegen. Unter den 16 Spielern, die der vor einem Jahr installierte Sportvorstand Robert Palikuca seit dem letzten Sommer nach Nürnberg geholt hat, haben nur wenige überzeugt. Hack, dessen sieben Treffer schon für Platz eins in der Nürnberger Torschützenliste reichen, gehört dazu. Und  Innenverteidiger Konstantinos Mavropanos, der eine Halbzeit lang gegen Bochum mit der ihm eigenen Wucht, Entschlossenheit und Übersicht agierte, bis er mit Muskelbeschwerden in der Kabine bleiben musste.

Trainer Jens Keller („Die Mannschaft hat engagiert gearbeitet“) wollte nichts riskieren, am nächsten Samstag im Spiel bei Tabellenführer Arminia Bielefeld braucht er den jungen Griechen wieder. Ohne die Leihgabe des FC Arsenal, der ihn zum Saisonende wieder abziehen dürfte, war der Club in der Abwehr deutlich anfälliger und ließ mehrere unbedrängt abgegebene Bochumer Abschlüsse zu. So war das 0:0 schon in Ordnung, trotz des Nürnberger Lattentreffers.

Wenige Lichtblicke in der sportlich mageren Transferbilanz

Hack, Mavropanos, dazu vielleicht noch Tim Handwerker und der aus der zweiten Mannschaft hoch gezogene Fabian Nürnberger – das sind die wenigen Lichtblicke in Palikucas sportlich magerer Transferbilanz. Zu den großen Enttäuschungen zählt Mittelfeldspieler Johannes Geis, der in Nürnberg eigentlich einen Neubeginn seiner ins Stocken geratenen Karriere starten wollte. Gegen Bochum tat Geis zwar deutlich etwas gegen seinen Ruf als schlechter Zweikämpfer, aber mit zunehmender Spieldauer tauchte er – von guten, aber ungenutzten Standards abgesehen – ab. Grundsätzlich bringt er zu wenig Tempo mit. Der mit 2,5 Millionen Euro Ablösesumme teuerste Einkauf Nikola Dovedan vermochte die Vorschusslorbeeren, die er aus Heidenheim mitbrachte, nicht zu rechtfertigen. Die mangelnde Konzentrationsfähigkeit, die man dem kleinen Österreicher vorhält, äußert sich in Ballverlusten bei Galerie-Dribblings, aber auch im Auslassen von klaren Torchancen. Der zwei Millionen teure Portugiese Iuri Medeiros war gar ein kompletter Flop. Gerne würde man ihn in seine Heimat abgeben.

„Wir spielen für einen Traditionsverein. Wir haben große Verantwortung gegenüber der Region und den Fans, die Liga zu erhalten.“
Club-Torwart Christian Mathenia

Palikucas zentrale Aufgabe, der Neuaufbau nach dem Bundesliga-Abstieg, ist misslungen. Deshalb droht der Club von der ersten Bundesliga in die 3. Liga durchgereicht zu werden. Erst einmal in seiner 120-jährigen Vereinsgeschichte ist der stolze Verein bisher in die Drittklassigkeit abgesunken, das war 1996/97 in der Regionalliga Süd. „Wir spielen für einen Traditionsverein. Wir haben große Verantwortung gegenüber der Region und den Fans, die Liga zu erhalten“, sagte Torwart Christian Mathenia. Das konnte man als Appell an die Einstellungen der Kollegen interpretieren, aber an der zweifelt der Torwart grundsätzlich nicht. Eine lebhaftere Mannschaft als in den Spielen zuvor habe er gesehen, sagte Mathenia, das leere und daher leise Stadion habe man zu besserer Kommunikation untereinander genutzt.

Die große Siegchance für den Club: Beim Schuss von Robin Hack konnte Bochums Torwart Manuel Riemann nur hinterher sehen. Der Ball prallte in der 84. Spielminute von der Latte zurück ins Feld.
Die große Siegchance für den Club: Beim Schuss von Robin Hack konnte Bochums Torwart Manuel Riemann nur hinterher sehen. Der Ball prallte in der 84. Spielminute von der Latte zurück ins Feld. Foto: Daniel Marr / Sportfoto Zink / Pool/ via Heiko Becker/ HMB Media

Zum Glück des Tabellen-15. haben auch die beiden direkten Konkurrenten, die es hinter sich zu lassen gilt, am Pfingstwochenende nicht gewonnen. Der Karlsruher SC (zwei Punkte hinter Nürnberg auf dem Relegationsplatz) schaffte nur ein 1:1 gegen St. Pauli. Und Mitaufsteiger SV Wehen-Wiesbaden (vier Punkte hinter Nürnberg auf dem ersten Abstiegsplatz) unterlag knapp mit 2:3 beim HSV.

Gegen wen gewinnen in den letzten fünf Saisonspielen?

Der Beste in diesem Schneckenrennen zu bleiben, ist ein Nervenspiel. Es zu verlassen, funktioniert nur über Siege. Nur gegen wen gewinnen in den letzten fünf Saisonspielen? In Bielefeld beim Fast-Erstligisten ist der Club Außenseiter. Dann folgt das Heimspiel gegen Greuther Fürth - nur zwei von zwölf  Frankenderbys  der letzten zehn Jahre hat der FCN gewonnen. Anschließend geht es zum vielleicht vorentscheidenden Duell nach Wiesbaden. Das letzte Heimspiel steigt gegen den VfB Stuttgart, der seinen Aufstieg dann vermutlich noch nicht gefeiert hat. Und auch der Saisonausklang in Kiel ist nicht ohne.

Spielerisch ist der Club nicht besser als sein Tabellenplatz. Im Angriff sind die meisten Zweitligisten stärker besetzt. Gegen Bochum kamen sogar alle drei Mittelstürmer zum Einsatz: erst Mikael Ishak, in der Schlussphase dann Michael Frey und Adam Zrelak gar als Pärchen im Angriff. Die Bilanz des Trios: ein einziger Abschluss durch Frey. „Mit der letzten Entschlossenheit hätte man das eine oder andere noch konsequenter ausspielen können“, monierte Keller. Kritischer wird er gegenüber Spielern in der Öffentlichkeit aus Prinzip nicht. Die beim Spiel in Regensburg geweckte Hoffnung, dass der Schwede Ishak in seinen letzten Tagen in Nürnberg noch einmal zum Heilsbringer wird, ist schon wieder verflogen. Gegen Bochum verpasste Ishak im Fünfmeter-Raum eine scharfe Dovedan-Hereingabe, mehr gab es von ihm nicht zu sehen. Und Kapitän Hanno Behrens, zuletzt als Mittelfeldspieler stets der torgefährlichste Cluberer, trat zum Ende der anstrengenden englischen Woche weniger in Erscheinung. Er brauchte offenbar mal ein Päuschen.

So bleibt Keller unterm Strich nur diese Hoffnung: das verbesserte Abwehrverhalten, das der Mannschaft gegen Bochum zum Erreichen des Minimalziels verhalf (Mathenia: „Wir wollten die Null halten“), möge auch in Bielefeld anhalten. Und dass ein Schuss wie der von Robin Hack auch mal reingeht.

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