Wolfsburg/Berlin

Nun auch Khedira: Hertha-Hoffnung fehlt im „Muss-Spiel”

Sami Khedira       -  Droht länger auszufallen: Hertha-Profi Sami Khedira.
Foto: Swen Pförtner/dpa | Droht länger auszufallen: Hertha-Profi Sami Khedira.

Hätte Pal Dardai doch bloß auf sein Bauchgefühl gehört. Das schmerzhafte Aus für Sami Khedira ahnte der weiter glücklose Hertha-Trainer beim 0:2 gegen den VfL Wolfsburg schon in der Halbzeitpause voraus.

Der Ex-Weltmeister wollte sich aber nicht auswechseln lassen. „Ich kenne meine Spieler besser als die sich selber”, ärgerte sich Dardai. Am Sonntag blieb neben den immer akuter werdenden Abstiegssorgen dann nur das bange Warten auf die Diagnose für den noch recht wirkungslosen Leitspieler. „Leider hat er jetzt eine Verletzung. Wenn das ein kleiner Faserriss ist, ist es nicht schön. Weil Wade und Faserriss - das dauert”, sagte Dardai.

Kurz darauf kam aus der medizinischen Abteilung der Berliner eine vorsichtig optimistische Prognose. Khedira wird wie die ebenfalls in Wolfsburg verletzten Matheus Cunha und Nemanja Radonjic demnach vorerst nur das nächste Spiel gegen den FC Augsburg verpassen. Ausgerechnet im von Dardai bewusst zum „Muss-Spiel” ausgerufenen Duell in der Fußball-Bundesliga am kommenden Samstag wird der zum großen Hoffnungsträger auserkorene, bislang im blau-weißen Trikot aber noch sieglose Khedira jedoch auf jeden Fall fehlen.

Das war schon klar, nachdem der 33-Jährige in Wolfsburg mit bandagiertem Unterschenkel vom Feld gehumpelt war. Auch bei den angeschlagenen Matheus Cunha (Oberschenkel) und Radonjic (Adduktoren) standen in Berlin am Sonntag noch weitere Untersuchungen an. Auch hier hieß es: Kein Mitwirken gegen Augsburg.

Eigentor, Pfosten, ein zurückgenommener Elfmeter und dann auch noch der Aus von Khedira und dem schnellen Offensiv-Doppel. Hertha läuft dem Glück und dem Erfolg weiter verzweifelt hinterher. Wie es besser werden soll, ist unklar. Dardai wehrt sich aber auch nach dem neunten sieglosen Spiel insgesamt und dem fünften ohne Dreier unter seiner Regie gegen jeden Negativismus. „Fußball ist ein Sport, da kommt der Moment, in dem du erfolgreich bist”, lautete seine neueste Hoffnungsformel. „Keine Panik”, ist mittlerweile eine Standardphrase.

Die Khedira-Verletzung passt in das Muster des Absturzes. „Dieses Risiko haben wir einkalkuliert, damit müssen wir klarkommen”, lautete Dardais überraschend ehrliche Einschätzung. Man hatte es ja förmlich kommen sehen, nach der überraschenden Verpflichtung von Juventus Turin Anfang des Monats. Nach mehr als einem halben Jahr ohne Wettkampfhärte schien es eine Frage der Zeit, bis Khedira Probleme mit der fast schon chronisch anfälligen Muskulatur hat. Ein Zwicken in eben dieser linken Wade verhinderte schon 2014 kurzfristig den Einsatz im WM-Finale.

Den Verdacht eines Fehlers im Aufbau von Khedira oder gar generell falsche Trainingssteuerung angesichts vieler Wehwehchen dieser Art im Kader wies Dardai aber energisch zurück. „Alles ist angemessen”, sagte der Ungar. Nur eben Khedira schien erwartbar. „Sami ist unser Produkt. Das ist ein Sonderfall.” Die Hertha brauchte seine Präsenz so sehr, dass Dardai das Risiko offenbar einging.

Nach vier Wochen Berlin lautet die Hertha-Bilanz für Khedira: Vier Teilzeit-Einsätze, zwei davon in der Startelf - und ein einziger Punkt. Dardai lässt aber nichts auf das Personalprojekt mit Khedira kommen. „Wie wir spielen, hat er uns gut getan. Er spielt kaum Fehlpässe. Er gibt Ruhe für die Mannschaft.”

Nun muss diese Mannschaft mindestens einmal wieder ohne Khediras Ruhe klar kommen. Das große Manko bleibt eh die Torausbeute. Ganze drei Tore gelangen in den vergangenen neun Spielen. „Es kommt, es kann nicht sein, dass es nicht kommt”, beschwört Dardai das abhandengekommene Stürmerglück. Oft bezieht sich der Coach auf seine erste Trainerzeit bei der Hertha. Hektik sei der falsche Ratgeber. Auch den damaligen Topstürmer Vedad Ibisevic habe er durch Flauten manövriert. „Ich habe ihn in Ruhe gelassen in seiner Welt”, sagte Dardai.

© dpa-infocom, dpa:210228-99-625690/4

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