Fußball: 2. Bundesliga

Der Club verpasst einen Befreiungsschlag

Nürnberg muss sich mit einem 1:1 gegen Aue begnügen und bleibt mitten im Abstiegskampf. Erneut hapert es an der Chancenverwertung. Ein Eigentor musste helfen.
Enttäuschung bei Robin Hack: Der 1. FC Nürnberg kam nicht über ein 1:1 gegen Aue hinaus, Hack vergab eine große Kopfball-Chance und ist derzeit nicht mehr in der Form vergangener Tage.
Enttäuschung bei Robin Hack: Der 1. FC Nürnberg kam nicht über ein 1:1 gegen Aue hinaus, Hack vergab eine große Kopfball-Chance und ist derzeit nicht mehr in der Form vergangener Tage. Foto: Daniel Marr/ Sportfoto Zink

Das erste Heimspiel des 1. FC Nürnberg unter Corona-Konditionen brachte nicht den erhofften Befreiungsschlag im Abstiegskampf der 2. Bundesliga. Der Club konnte seine Abschlussschwäche nicht ablegen und kam trotz einer Steigerung in der zweiten Spielhälfte nicht über ein 1:1 (0:0) gegen Erzgebirge Aue hinaus. Beide Treffer erzielten die Gäste, die trotzdem ihren ersten Punktgewinn überhaupt in Nürnberg feierten. "Wir sind in einer sehr ernsten Situation, auch wenn die Leistungen in Ordnung sind", sagte der enttäuschte Club-Kapitän Hanno Behrens.

Der Mannschaftsbus von Aue war auf der Anreise nach Nürnberg am Donnerstag auf der A72 in einen Verkehrsunfall verwickelt worden und entging dabei nur knapp einer Katastrophe. Trümmer eines verunglückten, schleudernden Pkw prallten auf den Bus, die Fahrt musste später mit Privat-Pkw fortgesetzt werden. Der vorne sitzende Trainer Dirk Schuster bekam Glassplitter ab, insgesamt kamen die Sachsen aber mit dem Schrecken davon. Kein Auer Spieler wollte trotz des Schocks auf einen Einsatz in Nürnberg verzichten, so ließ Schuster die gleiche Startformation wie beim 3:1 gegen Sandhausen beginnen.   

Der Club tat sich in der ersten Hälfte sehr schwer, gefährlich in den Strafraum von Aue zu kommen. Schon der erste Sperrriegel der Gäste an der Mittellinie war mit biederem Aufbauspiel schwer zu überwinden. Das Nürnberger Zentrum war weitgehend lahmgelegt, weil Johannes Geis und Hanno Behrens mit Dimitri Nazarov und Louis Samson zwei wirkungsvolle Sonderbewacher hatten. Von Robin Hack, dem torgefährlichsten Nürnberger, war nur noch wenig zu sehen, nachdem er heftig gefoult worden war (17.). Gar nicht mehr weiter ging es für Lukas Mühl, der für Georg Margreitter (Gleichgewichtsstörungen) in die Innenverteidigung gerutscht war. Mühl schied mit einer Fussverletzung aus, Asger Sörensen kam für ihn (26.). Tim Handwerker und Fabian Nürnberger versuchten mit ihrer Frische und weiten Wegen anzukurbeln, aber auch das gelang nicht oft genug. 

Jeweils eine große Chance für beide Mannschaften, sonst wenig los

So dauerte es bis zur 35. Spielminute, als der Club seine erste Chance bekam. Die aber hätte die Führung bringen können - oder gar müssen. Nach Handwerker-Flanke ließ Adam Zrelak den Ball prallen, aber Behrens ("Den hätte ich machen müssen") scheiterte mit seinem zu zaghaften Flachschuss an Aues Torwart Martin Männel (35.). Der Club versuchte nachzulegen, lief aber in einen Konter. Doch auch Aue ließ seine Großchance aus. Der von Jan Hochscheidt geschickte Florian Krüger war zu schnell für zwei Nürnberger Verteidiger, schoß den Ball jedoch knapp am Tor vorbei (39.).  Club-Torwart Felix Dornebusch, der den gesperrten Christian Mathenia ersetzte, konnte sich zum einzigen Mal zeigen, als er einen Hochscheidt-Freistoß um den Pfosten drehte (45.).

Die zweite Hälfte begann lebendiger, aber nicht zum Vorteil des FCN. Geis drehte einen Freistoß aus sehr guter Schussposition knapp über die Querlatte (51.). Fast im Gegenzug schlug Aues  Krüger eine perfekte Flanke auf den zweiten Nürnberger Pfosten, die Dimitri Nazarov per Kopf unbedrängt und routiniert zu seinem zehnten Saisontor verwertete (51.). "Das Tor hat mich wahnsinnig aufgeregt. Es wäre aus meiner Sicht leicht zu verteidigen gewesen", sagte Club-Trainer Jens Keller. Wenig später gab es im Strafraum der Gäste eine ähnliche Situation. Aber der Club nutzte sie nicht zum schnellen Ausgleich, weil Hack den von Dovedan hereingebrachten Ball zu zentral auf Männel köpfte und der parierte (54.).  

Jubel bei Hanno Behrens: Der Club-Kapitän hat mit energischem Einsatz das Auer Eigentor zum 1:1 erzwungen.
Jubel bei Hanno Behrens: Der Club-Kapitän hat mit energischem Einsatz das Auer Eigentor zum 1:1 erzwungen. Foto: Daniel Marr/ Sportfoto Zink

Behrens erzwingt den Ausgleich und scheitert am Pfosten

Dafür wurde der energische Einsatz von Behrens mit dem 1:1 per Eigentor belohnt. Der Club-Kapitän setzte sich an der Torauslinie im zweiten Versuch durch, seine Hereingabe beförderte Aues Sören Gonther beim Klärungsversuch unglücklich ins eigene Netz (63.). Ein wenig Jubel brandete da natürlich auch im fast leeren Max-Morlock-Stadion auf. Nürnberg machte weiter Druck, Aue wurde müde und bot nun auch mehr Raum an. Mit Patrick Erras (für Geis) und Michael Frey (für Zrelak) brachte  Keller zwei frische Kräfte (67.). Später kam dann auch noch Sebastian Kerk (für Dovedan). Kampf war gefragt, Kampf wurde geboten, und Behrens hätte zum Matchwinner werden können. In Mittelstürmer-Manier grätschte er in eine Handwerker-Flanke, aber die Kugel landete nur am Pfosten (81.).

Die letzten Minuten bis zum Abpfiff von Fifa-Schiedsrichter Felix Brych, der wegen der angepassten Regeln derzeit auch im heimischen Freistaat pfeifen darf, wurden fast zu einem Nürnberger Powerplay. Doch es blieb beim dritten Heimspiel in Folge ohne Sieg und nun zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz, da Konkurrent Wehen in Heidenheim verlor (0:1). Wenigstens ein Lichtblick.

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