Leverkusen

Eintracht-Kampf gegen Königsklassen-Angst

André Silva       -  Frankfurts Stürmer André Silva war nach der Niederlage in Leverkusen enttäuscht.
Foto: Thilo Schmuelgen/Reuters-Pool/dpa | Frankfurts Stürmer André Silva war nach der Niederlage in Leverkusen enttäuscht.

Seine Spieler kriegen langsam die Champions-League-Flatter, doch Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter hat seinen Humor nicht verloren.

Als auf der Pressekonferenz nach dem 1:3 bei Bayer Leverkusen eine Frage nicht zu verstehen war, sagte der Österreicher nonchalant: „Kein Problem. Wir haben heute auch ein bisschen Probleme mit der Technik gehabt.”

Wenn es nur das gewesen wäre. In nahezu allen Belangen war die Eintracht unterlegen. Und es schien deutlich: Der Druck, so kurz vor der ersten Champions-League-Teilnahme der Club-Geschichte lastet schwer auf den Hessen. „Vor ein paar Wochen war es noch so, dass wir die Champions League erspielen können”, sagte Abwehrchef Martin Hinteregger: „Jetzt ist das Gefühl umgeschwenkt in die Richtung, dass wir die Champions League verlieren können.”

Den heißen Atem der Dortmunder spüren die Frankfurter schon in ihrem Nacken. Von den sieben Punkten Vorsprung nach dem 2:1 beim BVB Anfang April ist ein einziger geblieben. Die Krönung der besten Saison der Vereinsgeschichte ist in Gefahr. Und Hütter und Sportvorstand Fredi Bobic - das ist absehbar - werden sich im Falle des Verpassens anhören müssen, dass ihre Abschieds-Ankündigungen zum Saisonende für den entscheidenden Bruch sorgten.

Die beiden Baumeister des Erfolgs kämpfen deshalb nicht nur um das Happy End für den Verein, sondern auch um ihr persönliches. Und gegen die grassierende Versagens-Angst. „Wir sind sicher international dabei”, sagte Hütter: „Deshalb können wir nicht mehr viel verlieren. Aber wir können etwas ganz, ganz Großes erreichen. Etwas, was wir noch nie erreicht haben.”

Dafür, versicherte Hütter, „brauchen wir Lockerheit und Leichtigkeit. Wenn man beginnt zu verkrampfen, ist das nie gut.” Natürlich habe Dortmund „Druck aufgebaut”, sagte der Coach, der ab Sommer Borussia Mönchengladbach trainieren wird: „Aber man darf nicht zu viel dramatisieren. Wir sind immer noch vorne, die anderen haben ein schweres Restprogramm, wir ein machbares.”

Auch Bobic, ab Sommer mit Hertha BSC möglicherweise in der 2. Liga, aber sicher nicht in Europa vertreten, müht sich um Ruhe. „Wir machen uns mit Sicherheit nicht in die Hosen”, sagte er: „Wenn wir alle drei Spiele gewinnen, ist alles andere egal. Wir haben es selbst in der Hand und müssen nur auf uns schauen.”

Wer Bobic und Hütter beerben wird, ist noch offen. Doch gegen die Unruhe auf dieser Baustelle stemmt sich Präsident Peter Fischer. „Wir haben das verdammt gut im Griff”, versicherte der rührige Club-Chef im „Aktuellen Sportstudio” des ZDF. Der 65-Jährige steht kurz vor der Krönung seines Lebenswerkes, und auch er geht die Schlussphase der Saison entschlossen und optimistisch an. „Hätte ich vor der Saison gesagt, dass wir nach dem 31. Spieltag Vierter sind, hätte man mir den berühmten Pullover gekauft, mir die Arme auf dem Rücken zusammengebunden und mich in die Anstalt eingewiesen”, sagte er und forderte mit rauchiger Stimme: „Wir müssen positiv nach vorne gucken und das Ding rocken. Es ist immer noch ein Märchen.”

© dpa-infocom, dpa:210425-99-343343/2

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