Cottbus

Weltmeisterin Hinze muss sich Olympia-Ticket noch sichern

Emma Hinze       -  Konnte ihr Regenbogentrikot noch nicht oft auf der Bahn präsentieren: Bahnrad-Weltmeisterin Emma Hinze.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa | Konnte ihr Regenbogentrikot noch nicht oft auf der Bahn präsentieren: Bahnrad-Weltmeisterin Emma Hinze.

Es ist gerade einmal ein Jahr her, und doch sind es für Emma Hinze Bilder aus einer völlig anderen Zeit. Bei der Heim-WM in Berlin Ende Februar krönte sich die Ausnahmeathletin unter großem Jubel zur dreimaligen Bahnrad-Weltmeisterin - und das im Olympia-Jahr.

Mehr Rückenwind ging nicht. Doch dann kam wenige Tage später Corona. Hinze wurde ausgebremst, nicht einen Wettkampf konnte sie seit dem Triple bestreiten. Ihre drei Regenbogentrikots blieben im Schrank, nur zum Training kramt sie die begehrten Jerseys manchmal hervor. „Dann weiß ich, was ich erreicht habe. Das macht mich stolz, ich bin aber auch hungrig auf mehr”, sagt die 23-Jährige.

Im Velodrom von Berlin hatte sie alle verblüfft und die Nachfolge von Rekord-Weltmeisterin Kristina Vogel angetreten, die seit ihrem schlimmen Unfall querschnittsgelähmt ist. Hinze triumphierte im Teamsprint, Keirin und Sprint. Das machte sie automatisch zur Topfavoritin auf drei Goldmedaillen in Tokio. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. „Ich bin immer noch jung”, betont die Sportsoldatin. „Es wurde halt einfach vertagt. Ich werde trotzdem versuchen, meine Chance zu nutzen.”

Am Ende hatte die Olympia-Verlegung auch ihre positiven Seiten. Hinze verletzte sich vergangenes Jahr am Knie, erst im Dezember konnte sie wieder voll ins Training einsteigen. „Für Emma war die Verschiebung der Olympischen Spiele ein glücklicher Umstand, um ihre Knieprobleme zu beheben. Sie macht jetzt wieder einen sehr stabilen Eindruck”, sagt Bundestrainer Detlef Uibel.

Ihr Ticket für Tokio muss sie sich aber erst wieder erkämpfen. Uibel verfügt in Hinze, Lea-Sophie Friedrich und Pauline Grabosch über drei herausragende Sprinterinnen, nur zwei können nach Japan. „Wir wissen noch nicht, wer am Ende fahren wird. Auch ich habe als dreifache Weltmeisterin keine offizielle Nominierung”, betont Hinze. Laut Uibel sind die Olympia-Nominierungskriterien überarbeitet worden. „Bestehende Leistungen werden aber nicht negiert”, versichert der Bundestrainer. Trotzdem wird es noch eine interne Ausscheidung geben.

Olympia ohne Hinze? Kaum vorstellbar. Aber nach einem Jahr ohne Wettkämpfe weiß keiner, wo er steht. „Mir fehlen die Wettkämpfe. Die haben mich im letzten Jahr sehr weit gebracht. Ich kann mich im Wettkampf anders motivieren. Ich freue mich darauf, wenn es wieder losgeht”, erklärt sie. Doch wann wird das sein? Ende April soll es mit dem Nations Cup in Newport/Wales den Neustart geben, aber Großbritannien zählt zu den sogenannten Virusvariantengebieten. Und ob danach in Hongkong und im kolumbianischen Cali im Mai und Juni gefahren werden kann, bleibt fraglich.

„Andere Sportarten kriegen das auch hin”, erwidert Hinze, und will sich gar nicht ausdenken, dass Olympia erneut abgeblasen werden könnte: „Dann zieht es einem wieder den Boden unter den Füßen weg. Das wäre nochmal schlimmer.” Deshalb würde die Blondine im Notfall auch auf Zuschauer verzichten, selbst wenn das „komisch” wäre. „Ich würde das alles akzeptieren, um den Wettkampf fahren zu können. Bis 2024 zu warten, wäre für mich schlimmer”, sagt die gebürtige Hildesheimerin, die inzwischen in Cottbus heimisch geworden ist. Und schließlich will sie ihre Weltmeistertrikots auch mal auf großer Bühne präsentieren.

© dpa-infocom, dpa:210223-99-563741/4

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