EISHOCKEY

Warum die Dogs einem Haßfurter Fan leid taten

Wer kommt zuerst an den Puck? Schweinfurts Jeff Murray (Mitte) im Duell mit den Haßfurtern David Hornak (links) und Timo Zürcher.
Wer kommt zuerst an den Puck? Schweinfurts Jeff Murray (Mitte) im Duell mit den Haßfurtern David Hornak (links) und Timo Zürcher. Foto: Ralf Naumann

„Die Schweinfurter tun mir ja fast schon leid“. Selbst ESC-Edelfan Manfred Licha war die 5:1-Führung der Haßfurter „Hawks“ nach dem zweiten Spielabschnitt im zweiten Testspiel am Freitagabend gegen die „Mighty Dogs“ nicht ganz geheuer. Doch wie er sahen alle der 768 Zuschauer im sehr guten gefüllten Eisstadion einen am Ende noch höheren Sieg. Der Landesligist behielt zum vierten Mal in Folge die Oberhand über den Bayernligisten – und das „vollkommen verdient“, wie Schweinfurts Michael Dippold seinem Haßfurter Trainerkollegen und Freund Volker Hartmann fair gratulierte.

Sicher war der 50-Jährige maßlos enttäuscht, schließlich hatte auch er nach zuvor drei Derbyniederlagen wieder einmal ein Erfolgserlebnis des Favoriten gefordert. Die Hauptursache für die neuerliche Pleite hatte Dippold aber schnell parat: „Mit einem Wort: Chancenverwertung“ verwies er vor allem auf den zweiten Abschnitt, als seine – zugebenermaßen etwas dezimierte – Mannschaft nach nur zwölf Minuten ein Übergewicht von 15:3 Torschüssen aufwies. Ins Schwarze trafen Kapitän Andreas Kleider und Co., die zumindest im ersten und letzten Drittel auch „optisch überlegen“ agierten, aber nicht.

Schweinfurter Unvermögen

Sowohl das eigene Unvermögen, vor allem aber ein überragender Timo Jung im ESC-Gehäuse, machten einen Treffer unmöglich. „Dann habe ich mein Statistikbuch in die Ecke geschmissen. Es war einfach wie vernagelt.“ Und die zweite Seite der Medaille? „Wir haben uns auch zu dumm angestellt, das muss man ganz ehrlich sagen. Und wenn dann eine gute Mannschaft auf dem Eis ist wie Haßfurt, dann nutzen die das halt aus.“

„Dann habe ich mein Statistikbuch in die Ecke geschmissen.“
Michael Dippold, Trainer Mighty Dogs

Recht hatte er, denn während die ersten bereits hartumkämpfen 20 Minuten noch mit einem 1:1 endeten (Viktor Ledin brachte die Gäste in Führung, 6., während Jan Trübenekr die passende Antwort hatte, 9.), sahen die Zuschauer ab Mitte des zweiten Abschnittes im Vergleich zur Diez/Limburg-Klatsche völlig veränderte Hausherren, die neben dem langzeitverletzten Adrian Persch auch auf den erkrankten David Franek verzichten mussten. Dennoch spielten sie sich kurzeitig in einen wahren Rausch und kauften ihrem Gegner den Schneid ab. Bis zur zweiten Schlusssirene sorgten erneut Jan Trübenekr (31.) sowie Michal Babkovic bei seiner diesjährigen ESC-Premiere (32.), Georg Lang (38.) und der getestete Ex-Kissinger Christian Masel (40.), der laut Hartmann „einen sehr guten Eindruck hinterlassen“ hat, mit tollen Kombinationen für eine nicht zu erwartende 5:1-Führung. Wobei: Mit „sehen“ hatte das Ganze über weite Strecken leider nur wenig zu tun, denn teils dichter Nebel machte es nicht nur den beiden Fanlagern schwer, das turbulente Geschehen auf der Eisfläche zu verfolgen.

Feierstimmung bei den „Hawks“

Zu diesem Zeitpunkt stand aber ohnehin schon das lautstarke Feiern der „Hawks“-Anhänger an erster Stelle. Und das änderte sich auch nicht im Schlussdrittel, denn nachdem Daniel Hora den Puck bei eigener Überzahl zum 6:1 in die Schweinfurter Maschen gehämmert hatte (50.), konnte Jonas Manger mit dem 6:2-Anschluss lediglich etwas Ergebniskosmetik betreiben (51.). Den Schlusspunkt zum 7:2-Endstand setzte schließlich David Hornak (53.), der „Mighty Dogs“-Schlussmann Philipp Schnierstein erneut das Nachsehen gab.

„Wir haben im zweiten Drittel zum richtigen Zeitpunkt die Führung herausgeschossen und waren dabei in einem Lauf“, analysierte Haßfurts Trainer Volker Hartmann, der sich riesig über den zweiten Derbysieg im zweiten Spiel freute. „Er fiel allerdings etwas zu hoch aus, das muss ehrlich zugeben.“

Für den Bayreuther war der Test natürlich eine tolle Generalprobe vor dem Ligaauftakt am 5. Oktober bei seinem Heimatverein EHC Bayreuth, der für in „ganz klare Priorität“ hat. „Das zählt für mich, denn erst da geht es um Punkte.“ „Wir werden daran arbeiten“, hofft auch Michael Dippold, dass die „Dogs“ ihre Fehler bis zu ihrem Saisonstart gegen Klostersee abstellden können. „Ansonsten ist das heute kein Beinbruch. Das war noch ein Vorbereitungsspiel und Haßfurt hat sich den Sieg verdient. Sie haben gut gespielt. Aus.“

Die Statistik des Spiels

Eishockey, Testspiel: ESC Haßfurt – ERV Schweinfurt 7:2 (1:1, 4:0, 2:1) Haßfurt: Jung, Dietz – Hora, Thebus, Hornak, Stahl, Marx – Deske, Krein, Trübenekr, Lang, Babkovic, Dietrich, Zürcher, Kratschmer, Breyer, Masel. Schweinfurt: Pohlmann, Schnierstein – L. Kleider, Köder, Cypas, A. Kleider, Faust – Schlick, Manger, Seibel, Ledin, Murray, Tratz, Grüner, Kouba, Fröhlich. Schiedsrichter: Bauer – Schnabel/Beigel. Zuschauer: 768. Tore: 0:1 (6.) Ledin (Kouba, Murray), 1:1 (9.) Trübenekr (Hora, Zürcher), 2:1 (31.) Trübenekr (Babkovic), 3:1 (32.) Babkovic (Hornak, Trübenekr), 4:1 (38.) Lang (Zürcher, Breyer) 5-4, 5:1 (40.) Masel (Zürcher, Lang), 6:1 (50.) Hora (Hornak, Trübenekr) 5-4, 6:2 (51.) Manger (Grüner, Köder), 7:2 (53.) Hornak (Hora, Babkovic). Strafzeiten: Haßfurt 10 / Schweinfurt 14.

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