Fußball

Rote Karte: Kreisklassen-Trainer hat's als Ersten erwischt

Wurde von Schiedsrichter Christopher Allen aufgrund einer Schiedsrichter-Beleidigung vom Platz gestellt: der Trainer der dritten Mannschaft des FC Sand, Marcus Krines (Mitte). Foto: PresseFoto Evans / Ryan Evans

Gut eine Stunde war gespielt im Derby zwischen dem FC Sand III und dem FC Zeil. Es stand 1:1. Und bis dahin war es ein recht hitziges Duell der beiden nur durch den Main getrennten Ortschaften in der Kreisklasse Schweinfurt 3.

Früh in Durchgang eins hatte die Sander Dritte vorgelegt, dann aber nach gut 30 Minuten Kevin Benischek mit der Roten Karte verloren - aus Sicht der Sander völlig überzogen bis total unberechtigt. Und dann kassierten die Hausherren fünf Minuten nach Wiederbeginn auch noch den Ausgleich, "obwohl der Ball schon weit im Aus war", so die Kommentare der Korbmacher. Und angeblich hätte sogar der Schiedsrichter zunächst auf Abstoß entscheiden wollen, es sich dann aber doch noch einmal anders überlegt. Reichlich Stoff also für Emotionen.

"Du Blinder"

Und die kühlten auch in der Folge nicht ab, bis sie dann in der 65. Minute überkochten. Direkt vor der Sander Bank gab es ein Foul, einen Pfiff und einen Freistoß. Für Sands Trainer Marcus Krines endgültig zuviel des Guten. "Es gab ja bis dahin schon mehrere strittige Entscheidungen", so Krines im Gespräch mit dieser Redaktion. "Und wenn du da als Trainer ruhig bleibst, bist du in der falschen Position", will der Sander Coach gar nicht verhehlen, den Schiedsrichter anschließend beleidigt zu haben.

"Du Blinder" hätte er den Unparteiischen Christopher Allen vom SV Ebelsbach betitelt, gibt der 37-Jährige offen zu. Die Folge war klar: Rote Karte für den Trainer. Und genau das ist neu, nagelneu sogar. Erst seit Beginn dieser Saison gibt es den "Feldverweis auf Dauer", wie der rote Karton offiziell genannt wird, auch für Trainer. Die unmittelbare Konsequenz hingegen ist bekannt. Der Platzverweis bedeutet: Raus aus dem Innenraum, und zwar soweit, dass ein weiteres Coachen der Mannschaft nicht mehr möglich ist. "Der Schiedsrichter hat gesagt, ich muss aus seinem Sichtfeld verschwinden und darf nicht mehr eingreifen", so Krines.

"Wenn Du da als Trainer ruhig bleibst, bist Du in der falschen Position."
Marcus Krines, Trainer FC Sand III

Für Marcus Krines hieß das: einmal um den Platz laufen. Er hat sich dann auf der Tribünenseite des Sander Seestadions damit zufrieden geben müssen, das Spiel nur noch zu beobachten. Die Traineraufgaben haben andere wahrgenommen.

Doch wie geht es nun weiter? Erst im Oktober wird der DFB-Bundestag beschließen, welche Strafen konkret für Trainer ausgesprochen werden, die "rot" gesehen haben. Bis dahin haben die Sportgerichte quasi freie Hand. Günther Stottele vom Kreissportgericht Schweinfurt, der den "Fall Marcus Krines" demnächst auf den Tisch bekommen wird, geht davon aus, dass der Rotsünder mit einer Geldstrafe davonkommen wird. Eine automatische Sperre - wie sie bei Spielern ausgesprochen wird - sei bei Trainern nicht möglich. Auch Oskar Biegner, Beisitzer im Bezirkssportgericht Unterfranken, verweist darauf, dass es noch keine offiziellen Vorgaben gibt, wie mit Platzverweisen für Trainern verfahren wird.

Neuland für die Sportgerichte

Bislang hatte weder das Sportgericht des Bezirks noch des Kreises Schweinfurt eine Rote Karte gegen einen Trainer zu verhandeln. Nun gibt es mit Marcus Krines den ersten und in der Bezirksliga West im Spiel Spfr. Sailauf gegen TSV Neuhütten-Wiesthal einen weiteren. Auch die Sportrichter betreten damit demnächst Neuland.

Marcus Krines kann seiner Mannschaft aber definitiv am nächsten Sonntag beim Spiel in Unterschleichach wieder von der Seitenlinie aus helfen. Sein Verein, der FC Sand - dessen drei Mannschaften am Wochenende übrigens vier Rote und eine Gelb-Rote Karte kassierten - wird vermutlich auch die Geldstrafe übernehmen. Wie die aussieht, weiß aber auch Stottele noch nicht. Der Bericht des Schiedsrichters ist noch nicht da, und auch die Stellungnahme des FC Sand muss erst noch angefordert werden.

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