TRIATHLON

Der Heilige Gral für Triathleten

Von Rügheim nach Hawaii: Martin Falk hat sich für einen Startplatz bei der legendären Ironman-Weltmeisterschaft in Kona, Hawaii qualifiziert. Am 12. Oktober stürzt er sich beim Start des Langdistanz-Triathlons in die Wellen des Pazifiks. Foto: Gudrun Klopf

Sonne, Palmen, Meer. Die hawaiianischen Inseln sind wie geschaffen für einen Traumurlaub. Einen Grund, sich dort übermäßig zu schinden, gibt es eigentlich nicht. Dennoch werden sich auch in diesem Jahr wieder rund 2500 Extremsportler voller Hingabe durch Fluten, Wind und Hitze quälen. Am 12. Oktober ist es so weit. Athleten aus der ganzen Welt stürzen sich an der Küste vor Hawaii in die Wellen des Pazifiks. Unter ihnen wird Martin Falk aus Rügheim sein. Er hat es geschafft und sich für den wohl härtesten Wettkampf der Welt für Triathleten qualifiziert. „Die Ironman-Weltmeisterschaft in Kona ist der heilige Gral für Triathleten“, freut sich Martin Falk auf das Rennen.

Ironman, das sind 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und ein abschließender Marathon über 42,195 Kilometer. Seit dem ersten Start am 18. Februar 1978 entwickelte sich der Ironman Hawaii zum Mekka der „Eisenmänner“. Wer beim ältesten und berühmtesten Ironman der Welt eine Startnummer ergattern will, muss sich vorher bei einem anderen Ironman-Langdistanzrennen bewähren. Jede Saison versuchen sich tausende Sportler aus aller Welt an den Wettkämpfen in Amerika, Europa, Asien, Afrika und Australien. Nur die Besten der Besten dürfen auf "Big Island" an den Start gehen.

Urlaub für die Familie

Der Rügheimer eroberte sich in Port Macquarie in Australien einen Platz unter den Schnellsten seiner Altersklasse. Australien? Von Rügheim aus nicht gerade der nächste Weg. Die Erklärung ist einfach: Martin Falks Frau Zarah stammt vom Kontinent im Südpazifik und mitsamt Tochter Anna nutzte die kleine Familie die Gelegenheit für einen Urlaub.

40 Slots (Startplätze) für den Ironman Hawaii wurden beim Rennen in Australien vergeben, vier davon in der Altersklasse des Rügheimers. Mit einer Zeit von 9:26:33 Stunden holte sich Falk einen dieser begehrten Slots. Damit wurde auch sofort die Startgebühr von stolzen 975 US-Dollar zuzüglich acht Prozent Servicegebühren fällig, knappe 1000 Euro also. Rechnet man noch den Flug und Unterkunft dazu, kommt allerhand zusammen. Ganz zu schweigen von den Kosten für die Ausstattung. Da wäre natürlich ein Sponsor gut. „Ich suche noch“, lacht Falk.

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Von Rügheim zum Ironman nach Hawaii

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Auf Hawaii erwarten den Rügheimer mörderische Bedingungen: Gestartet wird ohne Neoprenanzug im salzigen, etwa 27 Grad warmen Wasser des Pazifik. „Zwischen 2500 Schwimmern, vielleicht noch dazu starken Wellen, da darf man die Orientierung nicht verlieren“, sagt Falk. Schwierig seien auch die Wechsel. „Beim Umziehen muss jeder Handgriff sitzen. Das muss geübt sein.“ Raus aus dem Wasser, rauf aufs Rad. Auf dem Weg quer durch endlose Lavafelder greifen die starken Mumukuwinde den Radfahrer von der Seite an. Das Fahren im Windschatten ist verboten. Überholt werden muss innerhalb von 25 Sekunden. Falk sieht das positiv. Man sei auf sich alleine gestellt und nicht von anderen abhängig. Den etwa fünf Stunden Einsamkeit auf zwei Rädern folgt die Marathonstrecke – sicherlich kein Vergnügen bei sengender Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit.

„Während des Wettbewerbs muss immer was nachgelegt werden, sonst geht das Feuer aus.“
Martin Falk, Triathlet aus Rügheim

Wie bereitet man sich auf die gleichermaßen körperliche wie mentale Herausforderung vor? Vor allem dann, wenn man das Training mit einem 40-Stunden-Job als Lebensmittelchemiker bei Fränkische Rohrwerke in Königsberg und der Familie unter einen Hut bringen muss. „Ich bin eigentlich nicht so der Frühaufsteher.“ Doch um die 15 Stunden Training plus Kraft- und Regenerationstraining sowie Gymnastik unterzubringen, „muss ich mich eben zwingen, schon früh vor der Arbeit was zu tun.“ Bis zu 40 Kilometer Schwimmen, 1500 Kilometer Radfahren und 260 Kilometer Laufen kommen so im Monat zusammen.

Der Reiz ist die Mischung

Ausdauersport, vor allem Radfahren, war schon immer sein Ding. „Fußball war nichts für mich. Lieber bin ich Mountainbike gefahren“, erinnert sich Falk. Letztlich ist es die Mischung der drei Sportarten, die ihn reizt. Mit dem Eintritt in den Schwimmclub Haßberge im Jahr 2011 verbesserte er seine schwächste Disziplin, das Schwimmen. Mit 9:57:55 Stunden gelang ihm 2014 bei der Challenge Roth ein hervorragender Einstieg in den Langdistanztriathlon. Zwei Jahre darauf steigerte Falk seine Leistung beim Ironman Frankfurt auf 9:08:42 Stunden. Nur sechs Minuten fehlten damals für das Ticket nach Hawaii. Noch weitere drei Mal kämpfte der Athlet um den Slot für Hawaii. „Ich merkte, dass ich mich einfach nicht mehr steigern konnte.“

Seit Oktober 2018 nutzt Falk deshalb bei seinem zweiten Verein Böhnlein Sports Bamberg die Hilfe eines Trainers. Und lernt richtig viel dazu. Seitdem schwimmt und läuft er zum Beispiel technisch sauberer und effizienter. „Das kostet dann auch weniger Kraft und zögert den Leistungsabfall hinaus.“ Nach einem festen Plan hat sich Martin Falk noch nie ernährt. Er müsse nur darauf achten, während der Vorbereitungszeit kein Gewicht zu verlieren. „Und während des Wettbewerbs muss immer was nachgelegt werden, sonst geht das Feuer aus.“ Da helfen Gels, Riegel und flüssige Kohlenhydrate.

„Es ist ein ernstes Hobby“, unterstützt Zarah Falk ihren Mann. Natürlich opfere man der Leidenschaft für den Sport viel. Zwei Monate vor Langdistanz-Wettkämpfen bliebe kaum Zeit für die Familie. „Für mich ist das in Ordnung. Und es ist ja nicht das ganze Jahr über.“ Wenn irgend möglich, begleitet sie zusammen mit der vierjährigen Tochter Anna ihren Mann. „Wir radeln und er läuft nebenher oder wir feuern ihn am Wettkampfort an.“ Nach Hawaii fliegen die beiden allerdings nicht mit. „Das wäre dann doch zu kostspielig.“

Bevor er am 2. Oktober ins Flugzeug steigt, misst sich Martin Falk Ende Juli auf der Mitteldistanz mit den Teilnehmern des Hofheimer Triathlons. Doch egal, wie es hier oder dort ausgeht: „Ankommen ist alles.“

9:26:33 Stunden in Australien: Damit hatte Martin Falk die Qualifikation für Hawaii geschafft. Foto: FinisherPix®

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