IRONMAN

Ironman: Ein unbeschreiblicher Glücksmoment

Wind von vorne und von der Seite: Dei 180 Kilometer auf dem Rad verlangten Martin Falk alles ab. Foto: finisherpix

Rügheim „You are an Ironman“ – wie Sphärengesang klingen diese vier Worte den Athleten beim Zieleinlauf auf dem Ali?i Drive in Kailua-Kona in den Ohren. „Es ist ein ganz spezieller, unbeschreiblicher Moment“, schildert Martin Falk den Gefühlstaumel. Der Rügheimer war unter den 2446 Athleten aus 74 Nationen, die beim Ironman Hawaii 2019 an den Start gingen. Besonders stolz ist er darauf, dass er die Zehn-Stunden-Marke knacken konnte. Mit einer Zeit von 9:56:31 Stunden landete Martin Falk auf Platz 107 in der Altersklasse M 35.

„Man hört und sieht vorher viel von Hawaii“, sagt Falk. Jahrelang habe er Liveübertragungen des Rennens verfolgt. „Jetzt war ich selbst dabei. Und es ist alles genau so, wie man es sich vorstellt – und noch viel besser.“ Der Ort und die ganze Veranstaltung strahlten eine mitreißende Energie aus. „Kona ist einfach heiliger Boden und die Weltmeisterschaft der heilige Gral für Triathleten.“

Ein Zuckerschlecken ist das Spektakel allerdings nicht. Ohne Ehrgeiz, Disziplin, Durchhaltevermögen und eine gewisse Leidensfähigkeit kommt hier niemand ins Ziel.

Schwierige Anreise

Den begehrten Slot, der zur Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifiziert, holte sich Falk beim Rennen in Australien. Am 2. Oktober, zehn Tage vor dem großen Rennen, trat Martin Falk seine Reise zur Sehnsuchtsinsel an. „Soweit ich weiß, bin ich der erste Teilnehmer am Ironman Hawaii, der aus den Haßbergen stammt.“ Neben der schon vorhandenen Anspannung, zehrte der Flug über San Francisco an den Nerven des Rügheimer Triathleten. In den USA gibt es am Flughafen keinen reinen Transitbereich zum Umsteigen. Deshalb müssen Reisende immer durch Immigration und Zoll, ihr Gepäck vom Band holen und wieder aufgeben und erneut die Sicherheitskontrolle passieren. „Es war so viel los, dass die zweieinhalb Stunden Zeit fürs Umsteigen knapp wurden.“ Von den Triathleten, die Falk im Flughafen von San Francisco traf, schafften nicht alle den Umstieg.

Um nicht mitten im Trubel zu sein, buchte Falk eine Unterkunft in einem Vorort, etwa fünf Kilometer vom Zentrum entfernt. „Es hätte mich nur nervös gemacht, beim Blick aus dem Fenster immer Leute trainieren zu sehen.“ Mit einem Mietauto fuhr Falk die nächsten Tage Stück für Stück die Strecke auf dem Queen Kaahumanu Highway ab. Trainiert habe er nur noch wenig. „Man schont sich eher; hält den Motor am Laufen und gibt nur ab und zu Gas.“ Das Testschwimmen im Pazifik zusammen mit 700 anderen Triathleten sei für ihn wichtig gewesen. „Ich habe bei der Strömung Fehler gemacht, die ich später im Wettkampf vermeiden konnte.“ Mit Gymnastik und Yoga hielt Falk die Muskeln locker. Aufstehen zwischen vier und fünf Uhr morgens, den Tag um 19 Uhr ruhig beenden – so stellte der Sportler seinen Rhythmus auf den Wettkampftag ein.

Erstmals ins Meer

Und dann war es endlich soweit. Erstmals gab es in diesem Jahr beim Schwimmen keinen Massenstart mehr. Das Gesamtfeld wurde in elf Startgruppen aufgeteilt und nach dem halbstündigen Vorsprung der Profis im 5-Minuten-Takt ins Rennen geschickt. Um 6.55 Uhr ertönte das Signal für die Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen, zu der auch der 37-jährige Rügheimer zählt. „Trotzdem brodelt das Wasser und man hat zu tun, in dem Kuddelmuddel eine gute Linie zu finden.“ Hohe Wellen, starke Strömung, trübes Wasser, kein Neopren.

Nach 1:05:13 Stunden stieg Martin Falk aus dem Pazifik. „Es war für mich der erste Wettkampf im offenen Meer“, ist er mit seiner Zeit für die 3,86 Kilometer sehr zufrieden. Auch der Wechsel aufs Rad gelang ihm super. Auf der 180,2 Kilometer langen Rennstrecke mit immerhin 1772 Höhenmetern setzten dem Sportler die berüchtigten Winde der Insel zu. Bergauf kraftraubender Gegenwind, bergabwärts forderte heftiger Seitenwind den Radfahrern alles ab. Gegen einen Durchhänger nach 100 Kilometern kämpfte Falk mit Verpflegung an. „Ich weiß, wieviel ich verbrauche und wieviel ich brauche.“

„Trotzdem brodelt das Wasser und man hat zu tun, in dem Kuddelmuddel eine gute Linie zu finden“
Martin Falk, Ironman aus Rügheim

Auch der Wechsel vom Rad zum Laufen verlief perfekt. Auf den ersten 20 der insgesamt 42,195 Kilometer feuern viele Zuschauer die Läufer an. „Die Profis kommen einem entgegen. Man konnte schon die deutsche Doppelspitze sehen.“ Doch auf Falk wartete noch ein hartes Stück Weg durch die aufgeheizten Lavafelder. „Immer wieder anspruchsvolle, steile Anstiege und nicht mehr genügend Kraft, um noch viel Gas geben zu können.“

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Ironman Martin Falk

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Nach der Kehrtwende dann den weiten Rückweg im Blick und immer wieder Läufer, die von hinten überholen. „Das hat eine entscheidende mentale Komponente, wenn man ständig vor Augen hat, wie weit es noch ist.“ Da müsse man sich kleine Abschnitte vornehmen, die man einen nach dem anderen abläuft. „Doch sobald man das Ziel sieht und die Zuschauer hört, geht's wieder richtig gut.“ Und dann geht alles ganz schnell: Medaille, Kette und ab in den Erholungsbereich. „Und der Körper ist einfach froh, wenn er anhalten kann“, lacht Falk. Aber hinsetzen darf er sich noch nicht. „Sonst fällt das Aufstehen zu schwer.“

Am nächsten Tag ist Feiern angesagt – Show, Preisverleihung, Ehrungen, Essen und Trinken. Unter den 4000 Gästen ist alles dabei, was Rang und Namen hat. „Hautnah mit den Profis, das hat schon was Besonderes“, schwärmt Falk.

Zurück in Deutschland, machte der Rügheimer erst einmal Pause. „Ich war richtig verspannt und spürte die Nachwirkungen des Wettkampfes.“ Langsam geht er nun das Wintertraining in seinen beiden Vereinen, dem SC-Haßberge und dem Verein Böhnlein Sports in Bamberg an. Der Riesenaufwand habe sich auf jeden Fall gelohnt, zieht Martin Falk sein Hawaiifazit. „Aber das geht nicht gleich wieder.“ Da sind schließlich noch Familie, Job und der ins Haus stehende Nachwuchs. „Da muss man sehen, wie sich alles entwickelt.“ Auf dem Plan stehen zunächst Wettkämpfe mit beiden Vereinen und als Langdistanz der Ironman Hamburg.

Der Ironman Hawaii sei körperlich und mental bisher mit Abstand sein härtester Wettkampf gewesen. Aber „gezündet hat es schon. Ich kenne jetzt die Strecke und denke, meine Leistung ist ausbaufähig.“

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