Fußball, Bayernliga

FC Sand: Talent und Jugend ist nicht immer gleich Bayernliga

Die Sander überwintern wieder einmal auf einem Relegationsplatz. Warum das für den zum Saisonende scheidenden Trainer Dieter Schlereth aber keine Überraschung ist.
Sein Abgang steht fest: Sands Trainer Dieter Schlereth übergibt nach der Saison an Matthias Strätz. Foto: René Ruprecht

Nach nur zwei Jahren wird Dieter Schlereth zum Saisonende sein Engagement beim Bayernligisten 1. FC Sand beenden. Zur Wintperause spricht der 57-Jährige über die vergangenen eineinhalb Jahre im Seestadion, die Entwicklungen beim FC Sand und über den Weg, den er selbst, aber auch die Sander ab Sommer 2020 beschreiten werden.

Frage: Vor der Zeit beim FC Sand hattest Du vor allem mit dem FC Augsfeld große Erfolge gefeiert, den Dorfverein bis in die Landesliga geführt. Wo ist der Hauptunterschied zwischen den beiden Clubs?

Dieter Schlereth: Der FC Sand ist ein Verein, der über 30, 40 Jahre gewachsen ist und eine große Vergangenheit im Landkreis hat. Der FC Augsfeld ist durch einem guten Jahrgang mit Spielern wie Mützel, Glos, Dorsch,Heller, Pottler, Biese, Moser, Schlereth, Bergen, Hertel geprägt worden. Das war ein zusammengeschweißter Haufen, der über sieben, acht, neun Jahre zusammengeblieben ist. Das war eine Ära, die diesen Erfolg gebracht hat.

Und für Dich persönlich als Trainer?

Schlereth: Auch da sind beide Vereine nicht zu vergleichen. In Augsfeld sind wir alle zusammen nach oben gekommen.

In beiden Vereinen warst und bist Du auch Trainer Deiner beiden Söhne. Wie schwierig ist es, als Vater die eigenen Kinder auf diesem Niveau zu trainieren? 

Schlereth: Das war für mich eigentlich nie schwer. Weil ich nie jemand war, der denkt, mein Junior ist der Beste, der muss spielen. Ich war und bin auch heute noch jemand, der seine Jungs immer sehr kritisiert hat. Das hat ihnen auch schon etwas gebracht.

Bist Du ihr härtester Kritiker?

Schlereth: Ich war der härteste. Auf jeden Fall.

Auch beim Kicken im eigenen Garten?

Schlereth: Als Kinder ja. Thorsten habe ich trainiert, da war er  sechs, sieben Jahre alt. Und Danny habe ich später im Kinderzimmer trainiert.

Thorsten wird im Januar 37. Hängt er noch ein Jahr in Sand dran oder verlässt er zusammen mit seinem Vater das Seestadion?

Schlereth: Ich weiß es nicht. Das muss er selbst entscheiden. Thorsten wird natürlich auch nicht jünger. Ich weiß, dass er sich unheimlich plagt. Mir selbst hat es oft Bauchschmerzen bereitet, ihn aufzustellen. Ich hätte ihn eigentlich rausnehmen müssen, aber ich habe ihn ja gebraucht. Er hat seit über einem Jahr unheimliche Knieprobleme und sich oft gequält. Ich kann es mir fast nicht vorstellen, dass er noch weitermacht. Mit 37 kann er die Position, auf der er spielt, eigentlich nicht stemmen. Als Sechser mag das gehen, aber auf der Außenposition ist das, was er zeigt, auch mit seiner Schnelligkeit, schon außergewöhnlich. Die Gesundheit geht vor, aber das muss er selbst entscheiden.

Zum FC Sand: Der Verein gehört jetzt seit 2015 der Bayernliga an, bis auf das erste Jahr ging es stets gegen den Abstieg. Warum schafft es der FC Sand nicht, sich im Mittelfeld der Liga dazuerhaft zu etablieren?

Schlereth: Dazu fehlen einfach die Mittel, auch um längerfristig planen zu können. Seit dem Aufstieg haben den FC Sand 30 Bayernliga-Spieler verlassen. Und wenn Du als FC Sand Spieler wie zum Beispiel einen Joe Bechmann bekommst, ist das ein glücklicher Zufall. Planen kannst Du das nicht. Insofern ist es sensationell, dass wir die Klasse im letzten Jahr überhaupt gehalten haben. 

"Der Tag X wird kommen."
Dieter Schlereth
Schon in dieser Saison wollte Sand verstärkt auf die eigene Jugend setzen. Mehr als ein „Heranschnuppern“ war bei den jungen Eigengewächsen bislang aber nicht drin. Was fehlt dem Nachwuchs noch?

Schlereth: Es ist ein Riesensprung in diese Liga. Obwohl wir da eigentlich in der Breite gut aufgestellt sind. Unsere Jugendlichen haben alle zweifellos Talent und sind alle noch ausbaufähig. Aber man darf nicht glauben, jeder, der rauskommt, wird Bayernliga spielen, da wird der eine oder andere auf der Strecke bleiben. Was allgemein fehlt, ist der Straßenfußball, wo Du Fußball wirklich gelernt hast. Da ist auch die beste Jugendarbeit kein Ersatz. Die Rechnung "Talent + Jugend = Bayernliga" geht nicht auf.

Mit Matthias Strätz steht Dein Nachfolger bereits fest. Wie Du kommt er von der SG Eltmann zum FC Sand. Hattet ihr schon Kontakt?

Schlereth: Nein, noch hatten wir keinen Kontakt, wir werden uns aber auf jeden Fall noch austauschen. Matthias ist ein guter, junger Trainer, der den entsprechenden Einsatz mitbringt.

Welche Ratschläge gibst Du ihm mit auf den Weg?

Schlereth: Er muss den Spielern Zeit geben. Aber er braucht auch die Unterstützung vom Verein. Der muss zu ihm stehen, selbst wenn der "Tag X" eintrifft. 

Und dieser Tag wird kommen?

Schlereth: Auf jeden Fall. Der FC Sand wird die Bayernliga auf Dauer nicht halten können. Nicht mit seinen Mitteln, nicht mit der eigenen Jugend.

Was ist heuer drin für euch?

Schlereth: Wir mussten damit rechnen, da zu stehen, wo wir sind. Und das ist ja sogar besser als im letzten Jahr, obwohl wir riesen Verletzungssorgen hatten. Wir sind einen Punkt hinter Don Bosco, drei hinter Abtswind - bei einem Spiel weniger. Und wir haben es in der eigenen Hand, den Klassenerhalt vielleicht ohne Umweg zu schaffen. Was natürlich auch für mich ein riesen Erfolg wäre. Wenn wir das zweimal in Folge mit unseren Mitteln schaffen könnten, ist das für mich fast gleichzusetzen mit einer Meisterschaft. Ich möchte Matthias Strätz schon gerne eine Bayernliga-Mannschaft übergeben.

Legt ihr in der Winterpause nochmal nach?

Schlereth: Nein. Das ist auch finanziell nicht möglich. Auch wenn es auf Dauer unheimlich schwer ist, so die Bayernliga zu halten. Aber vielleicht kann uns Julius Neundörfer in der Rückrunde etwas helfen, ihn werde ich ran ziehen. Er ist jemand, der Tore macht. Was er kann, kann man nicht lernen, aber was ihm fehlt, das kann er lernen.

Der ständige Kampf um den Klassenerhalt ist aber sowohl für den Verein als auch für Dich sehr anstrengend, oder?

Schlereth: Klar. Wenn jemand, so wie ich, mit Leidenschaft Trainer ist, dann zehrt das natürlich. Auch an den Spielern. Die machen sich ja auch Gedanken.

Ist das mit ein Grund für Deine Entscheidung, im Sommer einen Schlussstrich zu ziehen?

Schlereth: Ja, das ist auch ein Grund. Wenn man die Bayernliga hat, will man die natürlich nicht verlieren. Und es wird nicht einfacher werden, sondern schwieriger. Bislang habe ich mich an acht von sieben Tagen mit Fußball beschäftigt, auch hinsichtlich der Zukunft, das ist schon anstrengend.

Frage: Eineinhalb Jahre bist Du jetzt in Sand, nach dieser Saison ist (erstmal) Schluss. Wann ist der Entschluss gereift?

Schlereth: Der Entschluss ist über mehrere Wochen gereift.

Wird das ein Sabbat-Jahr oder gehört der Trainer Dieter Schlereth dann der Vergangenheit an?

Schlererh: Aus heutiger Sicht möchte ich nichts machen. Aber so ein "nie mehr" wurde schon oft gesagt und eine Woche später steht dann irgendwo doch wieder dein Name. Aber, ich habe als Spieler alles erreicht, als Trainer alles erreicht. Ich geh dann trotzdem zum Fußball, nehme meinen Hund mit, trinke ein Bier. Das geht schon, ich kriege die Zeit dann trotzdem rum. Ich bin jetzt 50 Jahre auf dem Fußballplatz unterwegs, das geht schon. 

Geht es für den FC Sand Ende Mai wieder über den Umweg Relegation? Foto: Ralf Naumann

Rückblick

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  4. FC Sand: Talent und Jugend ist nicht immer gleich Bayernliga
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