FUßBALL

„Wenn Sand ruft, kann ich nicht nein sagen“

Von der Kreisklasse in die Bayernliga? Für Julius Neundörfer ist erst einmal die Zwischenstation Bezirksliga angesagt. Foto: David Englert

Eigentlich müsste Julius Neundörfer, 23 Jahre jung, leicht frustriert sein. „Ich würde liebend gern in der Bayernliga spielen, aber nur beim FC Sand“, war schon seit langem sein fußballerisches Ziel, „und wenn Sand ruft, kann ich nicht nein sagen.“ Schon als Zuschauer hatte es ihn in den Füßen gejuckt, wenn er im Sander Seestadion die Bayernliga-Elf hat auflaufen sehen.

Fußballerisch aufgewachsen in Fatschenbrunn, spielte er von der U 13 bis zur U 19 in Eltmann, dann ging er zurück in die Heimat zum SVF. Und endlich kam er dann, der ersehnte Anruf aus Sand, der den Torjäger des SV Fatschenbrunn aus der Kreis- in die vier Klassen höhere Bayernliga befördern sollte. Und wo findet er sich wieder? In der zweiten Mannschaft des FC Sand, in der Bezirksliga, und nicht im Team mit Spielern wie Joe Bechmann oder Thorsten Schlereth.

Schon wieder Spitze

Was für manch anderen Spieler eine Verbannung gewesen wäre, entpuppte sich für den sympathischen Neundörfer als Glücksfall. Zum einen war es der Sprung aus der Kreisklasse in die Bezirksliga, zum anderen auch der Sprung in der Torjägerliste über eine Klasse hinweg. 37 Mal hatte er in der letzten Saison für Fatschenbrunn in der Kreisklasse 3 getroffen (und teilte sich die Torjägerkanone mit Felix Glöckner von der DJK Dampfach II/Obertheres), und nach zwei Spieltagen Bezirksliga steht er auch jetzt wieder mit vier Treffern auf Platz eins– das sind alle Tore des FC Sand II in der noch jungen Spielzeit.

„Ich habe den unbedingten Willen Tore zu schießen, da fackel ich nicht lange rum“, sagt er. Das und seine elf Tore in der Partie Fatschenbrunn gegen Knetzgau II am 7. April dieses Jahres, die bundesweit für Aufsehen gesorgt hatten, hätten keine bessere Bewerbung sein können für eine Mannschaft wie den FC Sand, deren Trainer Dieter Schlereth dringend solche Knipser wie Neundörfer brauchen könnte. Und doch spielt der torhungrige Angreifer in der Zweiten Mannschaft.

„Ich habe den unbedingten Willen Tore zu schießen, da fackel ich nicht lange rum“

Julius Neundörfer, Stürmer beim FC Sand

Die Gründe: der spielerische Niveausprung, Gesundheit und körperliche Robustheit. Schon in den letzten Wochen in Fatschenbrunn kämpfte Neundörfer mit Problemen des Schambeins, und weil sich das auch beim FC Sand nicht gleich gelegt hatte, hatte er beim Saisonstart schon zwei Wochen Trainingsrückstand. Den arbeitet er genauso akribisch ab wie er seine Robustheit aufbaut. Als Angreifer muss er sich auf gegnerische Abwehrspieler der Bayernliga einstellen, die auch körperlich sehr viel stärker sind als in der Kreisklasse.

Fitnessstudio in der Mittagspause

Um bei diesem Sprung nicht ins Bodenlose zu fallen, trainiert er viermal die Woche in der Mittagspause mit Arbeitskollegen in einem Fitnessstudio in seinem Arbeitsort Haßfurt. „Zum einen geht?s um die Ausdauer, zum anderen um den Muskelaufbau“, so Neundörfer. Letzteres hat ihm auch sein neuer Trainer Dieter Schlereth wärmstens ans Herz gelegt.

Ein weiterer Vorteil, in der Zweiten zu spielen, sieht Neundörfer darin, langsam an die Bayernliga herangeführt zu werden. „Es ist schon ein tolles Niveau in der Bezirksliga, hier kann jeder Fußball spielen“, sagt er, und damit meint er nicht nur sein eigenes Team, das nach zwei Partien eine Niederlage (2:4 gegen Oberschwarzach, 2:1 in Dampfach) auf dem Konto hat.

Seine Brötchen verdient er als Verkäufer in einem Autohaus in Haßfurt, dessen Dresscode als „ungewöhnlich für diese Branche“ bezeichnet werden darf. Anstelle in Anzug und Krawatte läuft Neundörfer dort im bunten Hemd, kurzer Hose mit obligatorischem Smartphone in der Hosentasche und Turnschuhen herum. „Das kommt bei den Kunden im ländlichen Raum sehr gut an“, sagt er, „in den größeren Häusern in größeren Orten ist Anzug Pflicht.“

Seine Freundin hatte ihm für den Fußball in der Bayernliga grünes Licht gegeben, ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Neben gemeinsamen Radtouren muss sich Neundörfer mit seiner Freundin auch im Tennis messen, und obwohl ihm jegliches Spiel mit dem Ball liegt, „verliere ich meistens gegen meine Freundin“.

„Zwischenstopp“

Und weil seine Freundin in Sand wohnt („Ein idealer Zwischenstopp auf dem Weg nach Hause in Fatschenbrunn oder zum Training“), war allein das für Neundörfer ein ganz wichtiger Grund, in Sand zu spielen und nicht etwa in Würzburg oder Großbardorf. Und wenn er weiterhin in der Zweiten die Tore schießt und das Fitnesstraining Wirkung zeigt, dürfte die „Reserve“ wohl auch nur ein „Zwischenstopp“ sein und Dieter Schlereth bald überlegen, Neundörfer in die Erste zu berufen.

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