Berlin

Hertha kämpft im Homeoffice - Quarantäne „Riesen-Nachteil”

Corona-Fälle       -  Hertha BSC muss für 14 Tage im Home Office trainieren.
Foto: Andreas Gora/dpa | Hertha BSC muss für 14 Tage im Home Office trainieren.

Nach einem digitalen Teamabend hat für Sami Khedira und Co. die ungewöhnliche Trainings-Mission im Homeoffice begonnen.

Mit einer Mischung aus individuellen Einheiten sowie Teamtrainings und Videomeetings will der Fußball-Bundesligist Hertha BSC während der 14-tägigen Corona-Quarantäne die Spannung im Abstiegskampf hochhalten.

„Die Spieler haben ihre Trainingspläne erhalten und absolvieren ihre Übungen, die über den Fitnesstracker gemessen werden”, sagte Herthas Pressesprecher Marcus Jung.

Die Berliner wollen damit das Schicksal vermeiden, das Dynamo Dresden im letzten Jahr ereilt hatte. Nach der Team-Quarantäne in der Schlussphase der Saison musste der damalige Zweitligist ein hartes Nachholprogramm absolvieren und stieg ab. Herthas ehemaliger Mannschaftsarzt Thorsten Dolla sieht auch für die Berliner nach der Isolation für das Team Gefahren: „Diese Quarantäne ist ein Riesen-Nachteil für Hertha. Man kann als Mannschaft ein oder zwei Ausfälle kompensieren, aber wenn ein komplettes Team nicht mehr vernünftig trainieren kann, ist das ein Problem”, sagte er der „Bild” (Samstag). Die zweiwöchige Trainingspause bedeute „einen rapiden Verfall der Leistungsfähigkeit. Der Körper ist in der jetzigen Saisonphase auf dem Höchstlevel und plötzlich wird er gebremst.”

In der Bundesliga soll derweil die Drohkulisse eines möglichen Saison-Abbruchs schnell wieder in den Hintergrund geschoben werden. „Solch eine fundamentale Entscheidung würde immer im Rahmen einer Vollversammlung getroffen werden. Es gibt nicht die eine goldene Regel, wie die Saison gewertet würde, wenn sie aufgrund der Pandemie abgebrochen werden müsste”, sprach DFL-Chef Christian Seifert bei „Bild live” schon recht konkret vom Worst Case, fügte aber auch an: „Über diese Brücke gehen wir erst, wenn es soweit ist. Aber noch stehen wir nicht davor.”

Die nach vier Corona-Fällen um Trainer Pal Dardai angeordnete Quarantäne des ganzen Hertha-Kaders hatte der Fußball-Branche schonungslos vor Augen geführt, dass sie die Pandemie trotz ausgefeilter Hygieneregularien nicht ignorieren kann. Noch sind alle drei Berliner Nachholspiele gegen Mainz, Freiburg und Schalke im engen Terminkalender unterzubringen. „Es verbietet sich, zum jetzigen Zeitpunkt über einen Saisonabbruch nachzudenken”, sagte Seifert.

Gemeinsam mit der Hertha soll nun erstmal ein akzeptabler Notspiel-Plan gefunden werden. Das fatale Wort der Wettbewerbsverzerrung steht längst im Raum. „Das ist für alle blöd, eine unangenehme Situation. Das wünscht man sich selber nicht und auch keinem Gegner”, sagte Frank Kramer, Trainer von Herthas Abstiegskonkurrent Arminia Bielefeld, am Samstag im TV-Sender Sky. „Es ist Unruhe in den Spielkalender gekommen. Das möchte man anders haben”, sagte Kramer. Bielefeld ist nach dem derzeitigen Terminplan der erste Gegner von Hertha nach Beendigung der Quarantäne.

Hertha muss dann sechs Spiele in knapp vier Wochen absolvieren, was für Dolla ein weiteres Problem bedeutet: „Die Spieler kommen aus der Quarantäne, haben keine Zeit sich groß vorzubereiten, müssen sofort in den Wettkampf. Das führt zu Überbelastungen, nicht nur körperlich, sondern auch psychisch”, warnte der Mediziner.

Um die mentale Stärke will sich deshalb Sportdirektor Arne Friedrich in täglichen Online-Gesprächen kümmern. Khedira sendete schon mal eine Botschaft via Social Media: „Allen betroffenen Spielern/Teammitgliedern eine schnelle Genesung und dass sie die Krankheit gut überstehen mögen. Unsere sportliche Situation wird nochmal härter. Aber seid euch sicher: Wir werden als Mannschaft alles geben, um die Saison zu retten - für die Hertha, für euch”, schrieb der Ex-Weltmeister bei Twitter.

© dpa-infocom, dpa:210417-99-238894/9

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