Faustball

An Silvester in die Wüste

Der nächste großer Sprung auf der Erfolgsleiter: Fabian Sagstetter ist Faustball-Weltmeister. Foto: FOTO Wolfgang Müller

2009 ist erst ein paar Wochen alt, aber der erste heiße Kandidat für die Wahl zum Schweinfurter Sportler des Jahres steht bereits fest: Faustballer Fabian Sagstetter vom TV Oberndorf. Er wurde in der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia mit der „U18“-Nationalmannschaft Weltmeister. Drei Jahre zuvor hatte diesen Triumph der Segnitzer Dominik Mathan geschafft. Er errang in Chile mit einem Finalsieg gegen Brasilien den Titel.

Zwei Tage nach Heiligabend hatte sich Fabian Sagstetter zu seinem bisher größten Abenteuer seiner jungen Sportler-Karriere: Abflug zur Jugend-Weltmeisterschaft der Faustballer im namibischen Swakopmund. Dort kamen die Schützlinge von Bundestrainer Roland Schubert bei für sie ungewohnt sommerlichen Temperaturen ganz schön ins Schwitzen, ehe es am 4. Januar schließlich vollbracht war: Sie hatten den drei Jahre zuvor errungenen WM-Titel durch einen hart erkämpften 3:2 über die Schweiz verteidigt.

Sagstetter war – bei seinem dritten großen Wettstreit mit der U18-Nationalmannschaft – an diesem Triumph nicht ganz unbeteiligt. Der Zuspieler avancierte zum Leistungsträger, half durch große Übersicht mit, dass die Eidgenossen trotz zweier Matchbälle das Finale noch verloren. „Zunächst war ich etwas unsicher und auch von der Stärke der Schweizer überrascht, aber ich habe immer an unseren Sieg geglaubt“, sagt der Schweinfurter mit Blick auf die heißen Tage in Namibia. Auch heute gerät Sagstetter noch ins Schwärmen über den Wettkampf der weltbesten Faustball-Juniorenteams. „Professionell aufgezogen. Pro Spiel waren bis zu 5000 Zuschauer da.“ Bei seinem Heimatverein TV Oberndorf ist er maximal siebzig gewohnt. Seine Eindrücke außerhalb des Spielfeldes? „Ein riesiges Land, schön warm, aber viel Steppe.“ Und, wie er beobachtet hat, weiter eine Art Rassentrennung: „Die Weißen sind die Chefs, und die Schwarzen müssen die Drecksarbeit machen.“

Seine Erlebnisse und Erfahrungen im Südwesten Afrikas teilte der Gymnasiast auch der deutschen Faustball-Fangemeinde mit. Auf einer Sonderseite des Deutschen Turnspielbundes verfasste er im Internet Lageberichte in Tagebuchform. Der geneigte Leser erfährt von sprungfaulen Bällen, von goldgelben Trainingsfeldern und von der flirrenden Hitze im ganzen Land. „Einige haben schon einen Sonnenbrand“, schreibt er am 29. Dezember, „was nicht verwunderlich ist, da die Wüste direkt hinter dem Stadion beginnt.“ An anderer Stelle berichtet er von einer gemeinsamen Wüstentour an Silvester. Da werden nicht nur die Namibier gestaunt haben: Wo andere der Kälte Europas entfliehen und ausspannen wollen, kämpfen andere unverdrossen, um in einer klassischen Randsportart wie Faustball Erfolge zu erzielen, welche die Masse der Sportbegeisterten überhaupt nicht interessieren.

Fabian Sagstetter selbst kann nicht anders. Denn Opa Rudolf und Vater Joachim haben ihm in dritter Generation das Faustball-Gen vererbt. Und als Volleyballer bei der dritten Mannschaft der SG Eltmann („Eine gute Ergänzung“) kennt er auch den Unterschied zu anderen Sportarten. „Der Reiz des Faustballs? Er ist spannender und schwieriger als Volleyball, es gibt viel längere Ballwechsel.“ Doch im Kampf um mehr (auch mediale) Aufmerksamkeit bleibt noch viel zu tun. „Das Hauptproblem ist, dass der Verband zu wenig Geld bekommt, auch von den Fernsehanstalten. Dabei war Faustball bei den World Games 2005 in Duisburg der absolute Zuschauermagnet. Und Doping gibt es bei uns auch nicht.“

Gleichgültig, wie Faustball sich als Sport auch entwickeln wird: Fabian Sagstetters Weg scheint festzustehen. „Ich habe mehrere Angebote aus der Ersten Liga“, erzählt der Allrounder, auch eine Einladung zu einem Lehrgang der A-Nationalmannschaft hat er schon erhalten. Sein großer Traum ist der Start bei den World Games in der taiwanesischen Hafenstadt Kaohsiung im Juli dieses Jahres. Zuvor will er noch mithelfen, dass sein Heimatverein TV Oberndorf die gesteckten Ziele erreicht. In der Hallenrunde ist das der Verbleib in der zweiten Liga, auf dem Feld der Sprung in die zweite Liga.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte vorher an.

Anmelden

Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich hier registrieren.