FUSSBALL: BEZIRKSLIGA

Der SSV Kitzingen hat das Single-Leben satt

Will mit seiner Mannschaft künftig auch zu Hause bessere Leistungen zeigen – und am Sonntag bei den Sportfreunden Sailau... Foto: Hans Will

Wie ein Schnellzug raste der SSV Kitzingen in der vergangenen Saison durch die Kreisliga und sammelte auf seiner Tour satte 81 Zähler ein. Mit einem riesigen Vorsprung von 23 Punkten auf den ersten „Verfolger“ Bayern Kitzingen durfte der Siedler-Sportverein schon einige Spieltage vor Saisonende Meisterschaft und Aufstieg feiern. Nun, in der Bezirksliga angekommen, hat der SSV sein Tempo zwar verringert, vom Kurs abgekommen sind die Kitzinger aber nicht.

Immerhin die Hälfte seiner zehn Saisonpartien der laufenden Saison in Unterfrankens höchster Spielklasse hat der SSV gewonnen. Eine Zwischenbilanz, die sich für einen Aufsteiger sehen lassen kann. Findet auch Coach Thomas Beer: „Wir haben zwar das ein oder andere Spiel unnötig verloren, aber insgesamt können wir mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden sein.“

Zufriedenheit – ein Begriff, der Beer ansonsten eher schwer über die Lippen geht, wie er selbst zugibt. Der 48-Jährige gilt als gleichermaßen fördernder wie fordernder Coach. „Ich bin ehrgeizig und verlange immer eine Steigerung von meiner Mannschaft.“ Das Gesamtpaket, was die Punktzahl angehe, sei gut. „Aber,“ so Beer, „zufrieden ist man als Trainer nie.“

Vor allem in puncto körperlicher Präsenz sieht der Übungsleiter bei seinen Schützlingen noch Steigerungsbedarf. Die Spiele in der Bezirksliga seien laut Beer deutlich intensiver als zuvor in der Kreisliga. Da gelte es, in den Zweikämpfen noch mehr dagegen zu halten. „Du hast kaum Zeit nachzudenken,“ sagt er und sieht enorme Handlungsschnelligkeit am Ball gefordert.

Die Umsetzung gelang den Kitzingern im ersten Saisondrittel derweil auswärts besser als zu Hause. Ihre ersten vier Auftritte auf heimischem Boden verloren die Siedler allesamt, ehe sie die Negativserie am vergangenen Wochenende durch einen 1:0-Erfolg über Hösbach-Bahnhof durchbrachen.

Als Sieg, der den Heimfluch beendete, will Beer den Erfolg aber nicht verstanden wissen. Jedes Heimspiel hatte stattdessen seine eigene Geschichte, wohingegen der SSV auswärts laut Beer von der offensiveren Spielweise der Gegner profitiere, durch die sich für seine Mannschaft mehr Räume zum Kontern eröffneten.

Findet der Aufsteiger nun auch vor heimischem Publikum in die Spur, dürfte dem Klassenerhalt nichts im Wege stehen. Für diesen Fall blickt Beer, der eingesteht, dass die Bezirksliga West – die Siedler sind dort als einziges Team aus dem Landkreis Kitzingen vertreten – in seiner jetzigen Zusammensetzung für seinen Verein nicht unbedingt die attraktivste Spielklasse ist, bereits voraus: „Du fährst ständig nach Aschaffenburg und bist lange unterwegs. Wir wollen trotzdem drinbleiben und wünschen uns, dass wir nächstes Jahr ein bisschen Unterstützung aus dem Landkreis kriegen.“ Der Trainer hofft, das Single-Leben in der Bezirksliga bald zu beenden und sich zukünftig wieder auf Nachbarschaftsduelle gegen etwa Bayern Kitzingen oder Schwarzach freuen zu können.

Um in Sachen eigenem Bezirksliga-Verbleib sicher zu gehen, müsse sein Team „noch cleverer agieren und die Chancen konsequenter nutzen“, mahnt Beer an. Einer, mit dem dieses Problem vielleicht gar nicht entstanden wäre, ist Vincent Held. Der ist für seinen ausgeprägten Torinstinkt bekannt, streift aber seit dieser Saison das Trikot des FC Geesdorf in der Landesliga über und sorgt dort für Furore. Beer sieht im Abgang des Eigengewächses einen großen Verlust und bedauert diesen entsprechend.

Wer weiß schließlich, wie viele neue Held(en) der SSV in den nächsten Jahren noch selbst hervorbringen wird. Über viele Jahre waren die Kitzinger für ihre hervorragende Nachwuchsarbeit, die sie aus eigener Kraft stemmten, in der Region bekannt. Seit dieser Saison nimmt von den schon etwas älteren Jahrgängen nur noch die U17 eigenständig am Spielbetrieb teil. Die U19, U15 und U13 wurde dagegen in eine Juniorenspielgemeinschaft mit Bayern Kitzingen eingegliedert. Der gesellschaftliche Wandel macht auch vor dem SSV Kitzingen nicht Halt. Die Spielerdecke reicht auch in der Siedlung nicht mehr aus, um weiterhin eine komplett eigenständige Juniorenabteilung zu tragen. „Mir tut die Entwicklung leid. Viele hocken halt heute lieber vor der Playstation,“ sagt Beer. Der Interessenswandel stimme ihn nachdenklich. Dabei sähe der Trainer Kitzingen als ideale zentrale Anlaufstelle für Talente aus der Region. Als Hindernis betrachtet er aber die jeweiligen Stammvereine solcher Spieler. „Die Vereine wollen ihre Spieler heute alle unbedingt halten. Ich finde, sie schauen da zu sehr auf sich selbst.“

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